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Interview Heizungsbauer aus Leidenschaft » Facebook-Gruppe vernetzt SHK-Branche «

In Mark Zuckerbergs sozialem Netzwerk Facebook tummeln sich auch Heizungsbauer, Installa­teure und SHK-Profis. Diese können in der geschlossenen Gruppe „Heizungsbauer aus Leidenschaft“ Gleich­gesinnte finden und sich darüber austauschen, was sie derzeit auf der Baustelle umtreibt. Wir ­haben mit Sven Kittner und Florian Leupelt, zwei Administratoren des Branchennetzwerkes, gesprochen und ­einen Einblick in die Gruppe erhalten.

Si: Seit ihrer Gründung ist die Facebook-Gruppe Heizungsbauer aus Leidenschaft auf fast 20.000 Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gewachsen. Es wird rege gepostet, kommentiert und geliked. Hätten Sie 2012, als Sie den Stein ins Rollen gebracht haben, mit solch einem Erfolg gerechnet?

Florian Leupelt: Mit solch einem Anklang haben wir niemals gerechnet. Letztendlich ist die Facebook-Gruppe einst aus ­einer Bierlaune heraus nach der Gesellenprüfung entstanden. Der ursprüngliche Gründer hatte die Idee, unsere Berufsschulklasse in einer Gruppe zu vernetzen, um miteinander in Kontakt zu bleiben. Irgendwann hatten wir dann die ersten 200 Mitglieder, das war damals schon viel. Dann wurden es 500 und dann 1.000. Als diese Marke geknackt war, dachten wir „Mensch, das kommt ja gut an“ und sechs Jahre später sind wir bei fast 20.000 Mitgliedern gelandet, ohne das je geplant zu haben.

Si: Stand heute: Aus welchen Arbeitsbereichen kommen Ihre Gruppenmitglieder hauptsächlich?

Leupelt: Hauptsächlich sind es Beschäftige im Kunden-dienst und der Montage. Auch Firmeninhaber und ein paar ­Industrievertreter aus dem SHK-Bereich sind mit dabei. ­Außerdem ­einige Firmengründer, die sich in der Gruppe Rat holen von ­Unternehmern, die schon länger eine Firma ­haben. Dieser Austausch findet meistens über PN (A.d.R. ­persönliche Nachricht) statt, also über den Facebook-­Messenger.

Sven Kittner: Die vertretenen Werkskundendienstleister oder Schulungsreferenten aus der Industrie bieten einen Mehrwert für die Gruppe. Durch sie können einzelne Fragen auf unserer Plattform schneller beantwortet werden; z. B. wenn es sich um ­bestimmte Serviceanfragen handelt.

Si: Nichtsdestotrotz haben Sie eine geschlossene Gruppe, zu der nur Fachleute und Praktiker aus der SHK-Branche Zugang haben. Wie stellen Sie sicher, dass nur Heizungsprofis Mitglied werden?

Leupelt: Wer Mitglied bei Heizungsbauer aus Leidenschaft werden will, muss drei Fragen beantworten. 1. Bist du im ­SHK-Handwerk tätig und wenn ja in welcher Position? 2. Welchen Ausbildungsgrad hast du (Azubi, Geselle, Techniker o.Ä.)? und die dritte Frage ist eine Fachfrage, die herauskristallisieren soll, ob es sich um einen Fachmann handelt oder nicht. Wer diese drei Fragen nicht beantworten kann, kommt nicht in unsere Gruppe.

Si: Wie verhindern Sie Schleichwerbung?

Kittner: Ich bin zwar SHK-Meister, aber mittlerweile selber in der Industrie als Außendienstler tätig. Natürlich kommt man nicht drumherum, seine Produkte zu empfehlen, wenn jemand ein Problem anspricht, das man damit lösen kann. Ich verheimliche aber auch nicht, bei welcher Firma ich angestellt bin. Natürlich darf das nicht in großangelegte Werbe­aktionen ausarten. Aber subtiles Eigenmarketing ist ja für ­niemanden verwirrend. Da müssten wir auch die Veröffent­lichung von Stellenanzeigen unterbinden, da die auch Eigenwerbung sind. Wenn sich ein Marketingverantwortlicher oder Vertreter aus der Industrie in der Gruppe bewegt, gelten für ihn klare Regeln, die direkte Werbung verbieten. Für diese Gruppenmitglieder ist es jedoch interessant zu ­sehen, wie die Branche tickt und an welchen Stellen der Schuh drückt. Das ist wichtig. Denn nur so können sie einzelne Produkte verbessern oder erfahren etwas über das Image ihres Unternehmens.

Si: Sie haben auch eine ganze Reihe Videos auf YouTube eingestellt. Unter anderem sprechen Sie sich darin für eine gelebte ­Netiquette in der Gruppe aus. Gab es in der Hinsicht Probleme?

Leupelt: Die Gruppe besteht aus 20.000 Leuten – das fühlt sich manchmal so an wie ein ganz großer Kindergarten mit ein paar Betreuern. Jeder hat seinen eigenen Kopf, der eine ist ein bisschen weiter in der Ausbildung, der andere nicht. Und bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wenn uns Administratoren gemeldet wird, dass einzelne Mitglieder auf „Anfängerfragen“ blöde Kommentare geben, unterbinden wir das sofort. Fallen einzelne Mitglieder wiederholt negativ auf, verabschieden wir sie aus der Gruppe. Zwar wollen wir vom Azubi bis zum Angestellten alle in der Gruppe halten, aber nur unter harmonischen Bedingungen. Denn wir Administratoren haben nicht die Zeit, tagtäglich alle Kommentare durchzulesen. Zum Hintergrund: In den letzten 28 Tagen hatten wir 51.600 Beiträge und Reaktionen (Stand 19. Juli 2018).

Kittner: Seitdem wir klare Regeln für das Verhalten in der Gruppe haben und diese notfalls auch streng durchsetzen, kommen solche Negativkommentare nur noch selten vor. Heute posten wir ein Foto von einer gelben Karte, wenn jemand über die Stränge schlägt. Nach dem Motto: Bis hier hin und nicht weiter. Wenn derjenige dann nicht aufhört, gibt es die rote Karte und er fliegt raus.

Si: So kunterbunt wie die Mitglieder sind auch die Inhalte, die in der Gruppe Heizungsbauer aus Leidenschaft gepostet werden. Sie reichen von schockierenden Baustellenbildern über Terminhinweise und Produkte im Einsatz bis zum polarisierenden ­Meinungsaustausch. Welche Themen werden besonders hitzig diskutiert?

Kittner: Die Servicehotlines der Hersteller sind ein Dauer­brenner. Und die Qualität der Produkte hinsichtlich ihrer ­Wartungsfreundlichkeit. Häufig posten Gruppenmitglieder ein Vorher- und ein Nachherbild von einem Gerät, an dem sie ­gerade gearbeitet haben. Dann geht es mit den Posts und Kommentaren los: Der eine mag diesen Hersteller, der andere mag den usw.

Vor einiger Zeit haben wir deswegen eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, wie beliebt einzelne Hersteller in unserer Gruppe sind. Die Ergebnisse haben wir anschließend an die Unternehmen geschickt. Um solche Umfragen werden wir auch des Öfteren gebeten – wenn diese sachlich und nicht produktfixiert sind, ermöglichen wir es so der Industrie, mit unserer Gruppe zu kommunizieren.

Si: Welche Manpower steckt hinter der Gruppe?

Leupelt: Ursprünglich hat Tobias Schwiebart die Gruppe gegründet. Als dieser aus Zeitgründen die Gruppe verlassen hat, suchte er nach jemanden, der Heizungsbauer aus Leidenschaft weiter betreibt. Als langjähriger Freund habe ich dann das Ruder übernommen. Damals habe ich schnell gemerkt, dass der Arbeitsaufwand sehr hoch ist, und suchte nach ­weiterer Unterstützung. So kam auch Sven Kittner ins Team. Mittlerweile haben wir sieben Administratoren und vier ­Moderatoren, die die Gruppe im Auge behalten.

Si: Welche Pläne haben Sie mit der Gruppe in der Zukunft?

Kittner: Momentan liegt der Fokus darauf, Praxistipp-Videos zu drehen, die den Jungs „draußen“ etwas bringen. Außerdem gibt es einen Dropbox-Link, über den Herstellerunterlagen ­gesammelt und heruntergeladen werden können. Im Prinzip soll das Ganze darauf hinauslaufen, Industrie und Handwerk näher zueinander zu bringen und einen direkten Draht fürs Feedback zu schaffen.

Si: Gibt es Initiativen – z. B. aus anderen Gewerken – die ähn­liche Facebook-Gruppen wie Heizungsbauer aus Leidenschaft aufziehen?

Leupelt: Uns ist aufgefallen, dass es in letzter Zeit immer mehr Gruppen gibt, die auf „Leidenschaft“ oder „aus Leidenschaft“ enden. Mittlerweile gibt es auch „den Lüftungsbauer aus Leidenschaft“, „den Anlagenmechaniker aus Leidenschaft“, den „Klempner aus Leidenschaft“ und was weiß ich was noch alles. Durch die Kopie unseres Namens erhoffen sich wahrscheinlich die Administratoren dieser Gruppen einen stärkeren Zuwachs.

Si: Seit Neuestem betreiben Sie auch einen Medienpool, in dem u. a. ihre selbst gedrehten Videos zu sehen sind. Welche Ziele ­stehen hinter dieser Facebook-Seite?

Kittner: Videos, die von Gruppenmitgliedern eingestellt werden, können aus einer geschlossenen Gruppe heraus nicht ­geteilt werden. Um diese Inhalte auch anderen Interessenten zur Verfügung zu stellen, haben wir den Medienpool eingerichtet – eine für jedermann einsehbare Facebook-Seite. In­halte wie z. B. unsere selbst gemachten Videos können so ­innerhalb der Branche geteilt werden. Auch Beiträge, die die Gruppenmitglieder interessieren, lassen sich dort veröffent­lichen und insgesamt viraler gestalten.

Leupelt: Der Vorteil der Medienpoolseite: Alle Beiträge, die die Administratoren posten, sind statisch. In unserer Gruppe sind sie dynamisch. Wenn wir in dieser Sekunde ein Video von uns posten, kann es drei Minuten später ganz weit nach unten in der Chronik rutschen, weil andere Beiträge mehr Kommentare und ­Reaktionen bekommen haben. Es ist uns Administratoren zwar möglich, einen Beitrag auf der Facebook-Gruppenseite zu fixieren, aber den können die Mitglieder ausblenden. Ist diese Einstellung einmal vorgenommen, werden ihnen auch keine neuen fixierten Beiträge mehr angezeigt. Um das zu ­verbessern, war uns ein statischer Aufbau wichtig, durch den unsere Neuheiten chronologisch angezeigt werden. Das ist in der Gruppe selbst nicht so einfach. Hier gilt: Die Kommentare und Beiträge, die die größte Aufmerksamkeit bekommen, stehen oben. Neue Beiträge haben es da ein bisschen schwerer.

Letztendlich müssen wir uns mit unserer Gruppe in den Rahmenbedingungen bewegen, die uns Facebook stellt. Wenn ich an dem Netzwerk etwas ändern könnte, würde ich Admini­stratoren ermöglichen, Beiträge – wie z. B. die Gruppenregeln – dauerhaft und nicht ausblendbar zu fixieren. Denn mit bestimmten Beiträgen wollen wir gerne alle Mitglieder erreichen, sodass niemand mehr sagen kann, er habe eine gewisse In­formation nicht gesehen bzw. gelesen.

Si: Wie alt sind die Mitglieder von Heizungsbauer aus Leidenschaft im Durchschnitt?

Leupelt: Das Durchschnittsalter liegt zwischen 25 und 34 Jahren. Wir haben übrigens einen Frauenanteil von 2,3 %. Dafür, dass der weibliche Anteil in unserem Beruf sehr gering ist – leider –, ist das viel!

Si: Gibt es unter den Mitgliedern regionale Schwerpunkte?

Leupelt: In unseren Gruppen-Insights lässt sich auswerten, ­woher die Mitglieder von Heizungsbauer aus Leidenschaft stammen. Die meisten kommen aus Deutschland (17.600 ­Mitglieder), gefolgt von Österreich, der Schweiz und dann Italien. Auch ein paar Mitglieder aus Luxemburg sind mit dabei.

Kittner: Insbesondere in den Großstädten sind zahlreiche ­Mitglieder vertreten. Hier liegt Köln ziemlich weit vorne, ­ebenso wie Berlin, München und Stuttgart. Auch im Ruhr­gebiet und dem Rheinland erkennt man eine starke Mit­gliederverdichtung.

Das sind im Übrigen auch die Städte, wo man einen Stammtisch oder ein Membertreffen organisieren könnte. Aber dafür muss erstmal die Manpower her.

Leupelt: Ein solches Treffen würde sich z. B. auch auf einer Messe mit einem eigenen Stand anbieten. Aber da bleibt die Frage offen, wie sich das Ganze finanziert.

Si: Wie haben Sie das medientechnische Know-how erworben, z. B. für den Videodreh?

Leupelt: Durch stundenlanges YouTube schauen und ausprobieren. Angefangen haben wir mit einer nor­malen DSRL-Kamera. Mittlerweile arbeiten wir mit besserer Kameratechnik und einem professionellen Schnittprogramm. Aber anfänglich hatten wir überhaupt keine Ahnung von Videoschnitt und konnten nicht einschätzen, was da alles hintersteckt. Würde ich jetzt noch einmal damit anfangen müssen, würde ich es wahrscheinlich lassen (lacht).

Aber die Arbeit macht großen Spaß, v. a. wenn etwas Positives daraus resultiert. Das schafft natürlich einen noch größeren Anreiz, um weiterzumachen. Würde das Ganze nicht gut ankommen, würde ich es auch nicht machen. Denn dafür wäre mir meine Zeit zu schade.

Si: Herr Kittner, wie wäre es mit einem Schlusswort?

Kittner: Wichtig ist uns, dass bei Heizungsbauer aus Leidenschaft stets der Installateur im Vordergrund steht. Wir verfolgen immer noch den Grundgedanken von damals, die Jungs auf der Baustelle miteinander zu vernetzen und innerhalb der gesamten SHK-Branche zu verbinden. Zum Beispiel um schnell Lösungen und Hilfe bei Problemen zu bieten. Wir ­wollen keine Werbeplattform sein. Nichtsdestotrotz ist ­eine Zusammenarbeit mit der Industrie immer dann denkbar, wenn sie einen Mehrwert für unsere Mitglieder schafft. Wir versuchen eine Art ­Filter dazwischen zu sein, der grünes Licht gibt, wenn Inhalte wirklich relevant für den Installateur sind, der gerade auf der Baustelle steht. (ie)

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