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Interview mit Philipp Riederle » Für uns ist Sinn­haftigkeit relevanter «

Philipp Riederle, das 21-jährige Ausnahmetalent, begeisterte als Keynote-Speaker beim Si GIPFELTREFFEN. Im Interview spricht der Buchautor und Unternehmensberater über die Erwartungen junger Menschen an ein sinnerfülltes Arbeitsleben.

Herr Riederle, mit wie vielen Arbeitgebern sind Sie bisher in Kontakt gekommen?

Philipp Riederle: Ich habe in den letzten fünf Jahren mit über 250 Unternehmen zusammengearbeitet.

Herrscht da noch viel Unverständnis?

Riederle: Nein, die holen mich ja, weil sie merken, dass es nicht mehr funktioniert. Ich bin dann derjenige, der versucht, das einzuordnen und Tipps zu geben. Da kommt auf jeden Fall auch was an. Die Arbeitgeber merken, dass sie sich auf die Anforderungen der ­heutigen Zeit einstellen müssen.

Was machen die Älteren falsch, wenn sie mit der Jugend, speziell den Digital ­Natives, in Kontakt kommen wollen?

Riederle: Vielen Unternehmern fehlt es am Bewusstsein, dass unsere Generation dem Arbeitsleben mit anderen Werten und Vorstellungen begegnet als die Generationen vorher. Es fehlt ein grundsätzliches Verständnis dafür, dass wir andere Erwartungen haben, die es zu erfüllen gilt. Der Unternehmer könnte natürlich sagen: Warum soll ich darauf eingehen? Ich bin der Boss. Allerdings gibt es von uns immer weniger und deswegen müssen diejenigen, die gute Mitarbeiter haben und behalten wollen, sich auf diese Erwartungen einstellen.

Welche Angebote erwarten denn die ­Jugendlichen?

Riederle: Zunächst geht es um die ­Beweggründe zum Arbeiten. Die Topgründe für die Generationen vorher ­waren Geld, Status und Macht. Das ist auf einmal jedoch nicht mehr so wichtig. Für uns jedoch sind Sinn-haf­tigkeit, Selbstverwirklichung und das richtige Arbeitsumfeld rele-vanter.

Wie definiert sich Arbeit für Ihre Gene­ration?

Riederle: Gerade weil wir auf einem ­hohen Wohlstandsniveau in der dritten Nachkriegsgeneration aufgewachsen sind, betrachten wir das Arbeiten nicht mehr als notwendiges Übel, um über die Runden zu kommen, sondern uns ist wichtig, Spaß, Sinn und Selbster­fül­lung zu finden. Also einen Job zu ­finden, den ich gern mache, in dem ich super bin und mich weiterentwickeln kann.

Die Arbeitswelt sieht jedoch im Moment noch zum großen Teil anders aus: starre Hierarchien, keine Feedbackkultur etc. Wie reagieren denn die Jugendlichen darauf, wenn sie in der Realität ankommen?

Riederle: Es gibt zwei typische Spezies meiner Generation: den einen kleinen Teil, der sofort das Maul aufmacht und sich beschwert, dass er so nicht ­arbeiten kann. Der überwiegende Teil ­jedoch resigniert und ist bald wieder weg. Denn es gibt genügend andere ­Angebote.

Das heißt, als Arbeitgeber muss ich mich ebenso fortwährend verändern. Ich muss reagieren auf diejenigen, die mir als Arbeitnehmer zur Verfügung stehen. Was bleibt denn dann von meiner Philosophie als Firmenchef?

Riederle: Was heißt Philosophie? Es funktioniert heute einfach nicht mehr, dass man wie ein Herrscher über seinem Reich sitzt und regiert. Das lassen die Leute einfach nicht mehr mit sich machen. Auch im Sinne der Arbeitsqualität, Effizienz und der Zufriedenheit der Mitarbeiter ist es unabdingbar, sich darauf zu konzentrieren, was die Mitarbeiter brauchen und was denen wichtig ist. Man muss sich immer fragen: Welche Voraussetzungen muss ich schaffen, dass alle einen besonders guten Job ­machen können?

Dennoch sind Regeln wichtig. Der Blick aufs Smartphone, das Rumtragen und ständige Halten in der Hand sind gang und gäbe. Wie sollen Arbeitgeber darauf reagieren? Verbieten?

Riederle: Ein Verbot bringt überhaupt nichts. Das wäre Gift für die Unternehmenskultur. Man kann die Mitarbeiter nicht kontrollieren. Eher sollte man mit den Mitarbeitern einen Verhaltenskodex für digitale Medien erarbeiten. Es ist vollkommen okay, Smartphones zu benutzen und darüber den nächsten Kunden- oder Lieferantentermin auszumachen oder sich mit den anderen Kollegen abzustimmen. Andererseits darf dann auch kein Mitarbeiter vor ­einem Kunden privat aufs Handy gucken.

Wie schaffen es diejenigen, die nicht mit der digitalen Revolution aufge­wachsen sind, sich dort wieder­­-zufinden?

Riederle: Genau dazu kann man sich die Digital Natives mit an Bord holen. Für einen selber ist es natürlich wichtig, aufmerksam zu sein gegenüber den Änderungen. Man sollte das nicht – wie leider noch viele Mittelständler – aus Angst oder Unwissenheit ablehnen, sondern sich darauf einlassen und mit den jungen Leuten, die das aufgesogen haben, drüber reden.

Das Interview führte Frank Muck, Redakteur der Deutschen Handwerks Zeitung.

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