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Akademie Zukunft Handwerk startet Forschungsprojekt

„LIKA 4.0: Digital gestütztes, kooperatives Lernen im Kundenauftrag“ – so lautet ein Forschungsprojekt, das die Akademie Zukunft Handwerk (AZH-AG), das Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen und die Digitalagentur Interlutions GmbH am 1. April 2018 gemeinsam mit 13 weiteren Projektpartnern aus dem SHK- und Elektrohandwerk ins Leben gerufen haben. Ziel ist die Entwicklung und Implementierung eines speziell auf die zukünftigen Herausforderungen des Handwerks zugeschnittenen innovativen Ausbildungskonzeptes.

Das deutsche Ausbildungssystem mit seiner dualen Struktur wird im internationalen Vergleich nach wie vor hochgeschätzt. Die Dualität aus Theorie und Praxis soll dabei eine ausgewogene Qualifikation zukünftiger Mitarbeiter sicherstellen. Doch insbesondere das deutsche Handwerk als eine der tragenden Säulen des dualen Systems sieht sich mit tief greifenden Entwicklungen und Veränderungen in der Gesellschaft konfrontiert. Unter dem S tichwort „Arbeit 4.0“ zusammengefasst, sticht speziell die Digitalisierung als sukzessive stärker zu berücksichtigender Trend heraus. Nicht nur bezogen auf Arbeits- und Geschäftsprozesse, sondern auch im Rahmen der Ausbildung im Handwerk bedarf es in Zeiten der Digitalisierung einer grundsätzlichen Weiterentwicklung und Neuausrichtung. So wird auch eine „Berufsbildung 4.0“ aktuell umfangreich diskutiert.

Theorie und Praxis – mehr als die Summe ihrer Teile

Auszubildende sind die Kundendiensttechniker, die Projektleiter, manchmal sogar die Chefs von morgen. Von ihnen wird nicht nur erwartet, fachkompetent in ihrem Gewerk zu sein, sondern auch Arbeits- und Geschäftsprozesse überblicken und zunehmend in digitalisierten Umwelten agieren zu können. Hier setzt das Forschungsprojekt LIKA 4.0 an, dessen Ziel es ist, ein arbeits- und geschäftsprozessorientiertes, digital gestütztes Ausbildungskonzept in der handwerklichen Praxis zu implementieren. Um die Auszubildenden zu erreichen, muss das Konzept diejenige Personengruppe adressieren, die unmittelbar die Ausbildung gestaltet: betriebliches Ausbildungspersonal.

Im Kern des Projekts wird für diese Zielgruppe ein Weiterbildungsangebot entwickelt und realisiert, in dessen Zentrum das auftrags- und kompetenzorientierte Ausbildungskonzept „Lernen im Kundenauftrag“ (LIKA) steht. Das LIKA-Konzept geht von typischen Arbeits- und Geschäftsprozessen im Handwerk – sprich: Kundenaufträgen – aus und stellt vollständige Arbeitsprozesse und Kundenorientierung in den Mittelpunkt. So werden Lernen und Arbeiten miteinander verknüpft und im LIKA-4.0-Kontext digital gestützt. Die Potenziale von digitalen Medien können für die gewerblich-technische Ausbildung konsequent genutzt werden.

Für den Aufbau und die Verstetigung einer Weiterbildungsmaßnahme für betriebliches Ausbildungspersonal in diesem Kontext hat sich der Blended-Learning-Ansatz als tragfähig erwiesen. Nach diesem Ansatz wird für die Entwicklung der LIKA-4.0-Weiterbildung eine Kombination aus Präsenz- und Selbstlernphasen angestrebt. Das teilnehmende betriebliche Ausbildungspersonal wird dadurch sowohl zeitweise in Alsdorf mit Kollegen vor Ort zusammenarbeiten als auch von zu Hause oder vom Betrieb aus das LIKA-4.0-Konzept kennenlernen. Ein Transfer in die betriebliche Ausbildungspraxis soll dadurch einfacher gelingen und nachhaltig unterstützt werden.

Bewährte Grundlagen weitergedacht und digital verknüpft

Die Basis des Forschungsprojekts LIKA 4.0 bilden Erkenntnisse und Erfahrungen aus vielen Jahren der Entwicklung und Durchführung erfolgreicher Weiterbildungsangebote und -aktivitäten unter dem Dach der UPTODATE-Offensive. So fußt das Projekt auf den erfolgreichen Ergebnissen früherer Kooperationen der AZH-AG mit dem Institut Technik und Bildung der Universität Bremen. Insbesondere wird im Projekt LIKA 4.0 einerseits auf die bereits in der Vergangenheit erfolgreich in die Praxis implementierte Initiative „LIKA 2020“ und andererseits auf das Konzept sowie die digitalen Tools der „Kompetenzwerkstatt“ zurückgegriffen. Im Projektzusammenhang wird es im Kern darum gehen, die bislang entwickelten Tools der Kompetenzwerkstatt – Kompetenzcheck, Ausbildungsportfolio und Aufgaben-Manager – unter dem technischen und mediendidaktischen Dach eines Ausbildungsmanagementsystems zusammenzuführen und weiterzuentwickeln. Mithilfe dieses Systems können dann insbesondere betriebliche Ausbilder aus dem Handwerk systematisch eine digital gestützte auftrags- und kompetenzorientierte Ausbildung vor Ort in ihren Betrieben umsetzen.

Kompetenzen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Handwerk

Das Projekt wird von der Akademie Zukunft Handwerk als zentrale Koordinierungs- und Transferstelle getragen. Die AZH-AG gestaltet tragfähige Konzepte zur ganzheitlichen Optimierung von Unternehmensprozessen mit dem Ziel einer positiven Entwicklung, eines gesunden Wachstums sowie einer soliden Zukunft von Handwerksunternehmen. Unter dem Dach der Akademie vereinen sich die UPTODATE-Offensive, die Leistungsgemeinschaft der Profis im Handwerk, das Duale-Management-Studium für Bürokaufleute und Gesellen sowie ein breites und abwechslungsreiches Leistungsprogramm zur erfolgreichen Beantwortung aller Herausforderungen eines modernen Handwerksunternehmens. Mit ihrem Netzwerk aus rund 300 Unternehmen aus dem Sanitär-, Heizungs- und Klima- sowie dem Elektrohandwerk greift die Akademie Zukunft Handwerk auf bewährte Organisationsstrukturen zurück. So kann sichergestellt werden, dass LIKA 4.0 mit den bestehenden Weiterbildungsmaßnahmen sinnvoll verknüpft, im Netzwerk bekannt gemacht und erfolgreich vermarktet wird.

Das Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen übernimmt den Part der berufs- und medienpädagogischen Planung, Gestaltung und Evaluation des Weiterbildungsangebots. Außerdem fungiert das ITB als Schnittstelle zwischen Weiterbildungspraxis und informationstechnischer Umsetzung.

Für den Aufbau, die Vernetzung und die Optimierung von technischen Infrastrukturen, insbesondere für die Entwicklung des Ausbildungsmanagementsystems, zeichnet die Interlutions GmbH als Digitalagentur mit Sitz in Köln verantwortlich.

Praxistransfer und -erprobung erfolgen durch insgesamt 13 geförderte Handwerksunternehmen, die bedeutende Schlüsselpositionen hinsichtlich des Aufbaus von Innovationskompetenzen im Netzwerk der Akademie Zukunft Handwerk einnehmen.

Blick in die Zukunft

LIKA 4.0 denkt das Thema Ausbildung neu. Durch eine nachhaltige Professionalisierung und Zukunftsbefähigung der im Projekt beteiligten Handwerksunternehmen im Bereich der kompetenzorientierten, arbeitsprozessbezogenen und digital gestützten Ausbildung sollen perspektivisch nicht nur diese, sondern auch weitere Betriebe und andere Institutionen vom Projekt profitieren. Im Sinne einer intensiven Lernortkooperation können auch Berufsschulen und überbetriebliche Ausbildungsstätten an der Umsetzung partizipieren.

LIKA 4.0 wird nach Abschluss des Vorhabens als fester Bestandteil des Bildungsangebots „Profi im Handwerk“ implementiert. Darüber hinaus wird geprüft, unter welchen Voraussetzungen LIKA 4.0 weiteren interessierten Handwerksunternehmen zur Verfügung gestellt werden kann.

www.akademie-zukunft-handwerk.de

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