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Allianz Freie Wärme will die technologieoffene Wärmewende

Auf der 5. Jahrestagung der Allianz Freie Wärme Anfang Dezember 2017 in Frankfurt/Main fordert der Verband, dass Nah- und Fernwärme mit Anschluss-, Benutzungszwängen und Verbrennungsverboten keine Standardlösungen sein dürfen.

„Mit der vergleichenden Studie zu zentralen und dezentralen Wärmesystemen, weiteren Daten zur Heizungsmodernisierung im Vergleich mit der Fernwärme, inklusive der dazu gehörigen Broschüre, fünf regionalen Aktionsbündnissen, zahlreichen Materialien-Downloads auf der Website in den vergangenen zwei Jahren etc., haben wir insgesamt wirklich vieles erreicht“, fasste Johannes Kaindlstorfer, Sprecher der Allianz Freie Wärme, die Aktivitäten der Info- und Serviceplattform zusammen. Auf der 5. Jahrestagung forderte Kaindlstorfer, dass Nah- und Fernwärme mit Anschluss-, Benutzungszwängen und Verbrennungsverboten keine Standardlösungen sein dürfen, wenn die wirtschaftlichen und energetischen Vorteile dezentraler Wärmesysteme mittlerweile mehrfach nachgewiesen seien.

Politikberatung in den Kommunen

Nach Angaben des Bundesverbands der E nergie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist der Anteil der Fernwärme in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig bis auf 14 % gestiegen. „Besonders im Neubaubereich lässt sich diese Entwicklung weiter nachverfolgen“, so Kaindlstorfer. Laut statistischem Bundesamt (destatis) waren es allein im Jahr 2015/16 knapp 9 % mehr Gebäude, die mit Fernwärme ausgestattet wurden. Hier will die Allianz Freie Wärme mit ihren Maßnahmen ansetzen. Neben der Basiskommunikation mit kontinuierlichen Informationen und praxisnahen Serviceangeboten will das Bündnis 2018 verstärkt auf den Dialog mit den politischen Entscheidern vor Ort setzen. „Mit existierenden Materialien, und gezielten Unterstützungsangeboten werden wir im kommenden Jahr gemeinsam als Branche vor Ort in der Region aktiv werden, und die Kommunalpolitik wie auch Verbraucher über die Fallstricke kommunaler Eingriffe in den Wärmemarkt informieren“, beschrieb Kaindlstorfer den Schwerpunkt der künftigen Kampagnenarbeit.

Wärmemarkt steht vor großen Herausforderungen

Der Wärmemarkt steht mit weit über 80 % Anteil dezentraler Lösungen vor großen Veränderungen, hieß es in der Messe Frankfurter. Die energiepolitischen Ziele für 2020 sind nicht mehr erreichbar, bis 2030 sollen in Deutschland die Treibhausgasemissionen um mindestens 55 % verringert werden, bis 2050 sogar um mindestens 80 bis 95 %. Zudem soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch erheblich gesteigert werden.

„Um diese hoch ambitionierten Ziele erreichen zu können, setzt der BDH für die Zukunft auf ein technologie- und energieoffenes Szenario im Wärmemarkt. Die Bedeutung von Strom aus erneuerbaren Energien wird deutlich zunehmen, zugleich werden wir auf flüssige und gasförmige Brennstoffe nicht verzichten können. Diese werden allerdings künftig zunehmend synthetisch hergestellt oder als Biobrennstoffe erzeugt“, erklärt Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Diese dienen als Back-up, insbesondere in Zeiten der kalten Dunkelflaute, in denen nicht genügend erneuerbarer Strom vorhanden sein wird.

Technologiemix günstiger als „almost all electric“-Szenario

Der BDH geht in seinem Zukunftsszenario für eine technologieoffene Sektorkopplung davon aus, dass der Energiebedarf von derzeit 800 TWh mit besseren Gebäudehüllen bis 2050 um etwa die Hälfte auf 400 TWh gesenkt werden kann. Der dafür zugrundeliegende Energiemix besteht dann in erster Linie aus Strom aus erneuerbaren Energien und Umweltwärme. Daneben spielen Solarthermie, Photovoltaik und auch die Biomasse eine Rolle.

Schließlich beinhaltet der Energiemixmix im technologieoffenen Szenario auch synthetisches Gas und Öl. Auf Seite der Technologien kommen dann etwa 6 bis 7 Mio. Wärmepumpen zum Einsatz, die mit Überschüssen aus dem Netz und zusammen mit einem Back-up-Kessel, basierend auf Brennwerttechnik, das Haus versorgen. „Wie die kürzlich veröffentlichte Gebäudestudie von dena, geea und Verbänden zeigt, wird ein ‚almost all electric’-Szenario nicht die Lösung sein können“, so Lücke weiter. „Es wäre mit 1,05 Billionen Euro Investitionskosten etwa 350 Milliarden Euro teurer als das Technologiemix-Szenario inklusive Maßnahmen an der Gebäudehülle“, so der BDH-Hauptgeschäftsführer.

Städte- und Gemeindebund setzt auf technologieoffene Lösungen

Marc Elxnat, Referatsleiter für Kommunal- und Energiewirtschaft beim Deutschen Städte und Gemeindebund (DStGB), sieht in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr die Treiber der Energiewende. Aus Sicht der Kommunen müssten jetzt für die Wärmewende kosteneffiziente und technologieoffene Lösungen umgesetzt werden können. Der DStGB bedauert daher das Scheitern beim Gebäudeenergiegesetz, da darin die Chance bestand, langfristige Rahmenbedingungen bei Gebäudestandards und Fernwärme zu setzen und Inkonsistenzen zu beseitigen. Für die neue Legislaturperiode sollten sich andauernd ändernde Vorschriften oder Verschärfungen unbedingt vermieden werden, um zielgerichtete Investitionen tätigen zu können. „Klimafreundliche Versorgungskonzepte der Kommunen müssen künftig durch finanzielle Anreize besser unterstützt werden. Und zwar brauchen wir keine technologiespezifische, sondern tatsächlich auch technologieoffene Lösungen“, fordert Elxnat. Mit der Allianz Freie Wärme seien weitere Gespräche und unter Umständen auch gemeinsame Projekte geplant.

www.freie-waerme.de

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