Genuss statt Geschäft

Unkalkulierbaren Rabattaktionen und Alkohol am Arbeitsplatz zeigt der Pfiffikus die gelbe und rote Karte. Foto: Si, Fotolia.com | Urheber: grafikplusfoto

Unkalkulierbaren Rabattaktionen und Alkohol am Arbeitsplatz zeigt der Pfiffikus die gelbe und rote Karte.
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Der Pfiffikus freut sich auf die Fußball-Europameisterschaft. Von so einem sportlichen Großereignis soll auch seine Firma profitieren. Seine Idee: Werben mit der EM. Sein Ziel: Das eigene Geschäft mit dem Erfolg der deutschen Nationalmannschaft ankurbeln.

Werberechte von der UEFA kann sich der Pfiffikus nicht leisten. Markenrechte zu verletzen, will er nicht riskieren. Statt sich juristisch eine rote Karte einzufangen, will er selbst die Spielregeln bestimmen. In ihm reift die Idee einer Rabatt­aktion, die die Konkurrenz noch nicht gesehen hat: In einer Werbung könnte er pro deutschem Tor Preissenkungen von jeweils 10 Prozent ankündigen. Das sollte für reichlich Aufmerksamkeit sorgen und Kunden nach einem Sieg von Jogis Jungs in seinen Laden locken. In Gedanken malt er sich schon aus, was passiert, wenn Deutschland sein erstes Spiel 3:0 gewinnen würde. Zahllose Käufer, die sich den dafür versprochenen Preisvorteil von 30 Prozent sichern wollen, strömen in seinen Verkaufsraum. Der Pfiffikus träumt vom großen Reibach.
Doch plötzlich kommen ihm Bedenken, seinen Umsatz mit dem Rückenwind des Fußball-Hypes zu steigern. Er erinnert sich an ein historisches Spiel von unfassbarer Perfektion und aufgeladen von extremen Emotionen: Das WM-Halbfinale Deutschland gegen Brasilien. Dieser Klassiker wäre im Vorfeld das ideale Zugpferd für seine Rabattaktion gewesen, ist der Pfiffikus überzeugt. Doch jetzt wird ihm bewusst, wie unkalkulierbar seine Strategie gewesen wäre: Denn das Spiel am 8. Juli 2014 endete mit einem fulminanten 7:1-Sieg der Deutschen.

Risiken nicht zu unterschätzen

Dann hätte seine Werbemaßnahme nicht nur dazu geführt, dass der Kundenansturm für einen schnellen Ausverkauf sorgt. Bilder, von später anrückenden Neukunden, die leer ausgehen und wütend vor seiner versperrten Türe protestieren, schwirren ihm durch den Kopf. Ein Shitstorm folgt. Kalt steht dem Pfiffikus der Schweiß auf der Stirn: Eine Preisaktion mit diesem Ausgang könnte ihn zum Gespött der Branche machen und gleichzeitig ein Loch in die Unternehmenskasse reißen. Weder existenzbedrohende Verluste noch einen Imageschaden will der Pfiffikus riskieren.
Also beginnt er, seinen Verkaufsraum mit ein paar Bällen und Deutschland-Fahnen zu schmücken. An den Außenspiegeln seiner Firmenfahrzeuge zupft er die schwarz-rot-goldenen Flaggen zurecht. Statt auf seine Kunden, besinnt er sich auf seine eigenen Jungs: Die sollen kein Spiel der deutschen Nationalmannschaft verpassen. Fußball während der Arbeitszeit im Radio hören – kein Problem, wenn es der Kunde nicht merkt. Mit einem Auge auf dem Live-Ticker im Internet – auch hier gibt es keine Einwände. Selbst beim Fernsehen am Arbeitsplatz will er Ausnahmen erlauben. Aber Feiern mit Alkohol während der Arbeitszeit, da zückt der Pfiffikus schnell die gelbe Karte. Nach der Arbeit setzt er sich jedoch gerne mit seiner Mannschaft zusammen, um auf die Siege der deutschen Mannschaft anzustoßen.
Ihr
Pfiffikus
pfiffikus@at-fachverlag.de