Das Klopapier als Statement

Die Evolution des Toilettenpapiers förderte zuweilen merkwürdige Formen zu Tage, weiß der Pfiffikus zu berichten.

Die Evolution des Toilettenpapiers förderte zuweilen merkwürdige Formen zu Tage, weiß der Pfiffikus zu berichten. Bild: Fotolia | StockPhotosArt, Si

Wussten Sie, dass am 26. August der Tag des Toilettenpapiers stattgefunden hat? Der Pfiffikus auch nicht. Allerdings brachte ihn die Meldung der Toilettenpapierindustrie, die ihn darauf aufmerksam gemacht hat, zum Nachdenken über eine der unverzichtbarsten Nebensachen der Welt.

Da sich immer mehr Bauherren und Sanierer bei der Gestaltung ihres Badezimmers individuell ausdrücken möchten, wird wohl bald auch das Klopapier zum Statement, schlussfolgert der Pfiffikus. Angesichts der Fülle von Produktlösungen in diesem Bereich ist das auch kein Problem. Neben Feuchttüchern mit Aloe-Vera-Extrakten für Sensible, mit Sudokus bedruckte Papierrollen für Gelangweilte oder Klopapier, das nach Vanille-Kipferln riecht (zur Weihnachtszeit der Renner!) für Mutige bietet die Branche für jedes Gemüt bzw. Gesäß das passende Wischutensil.

Toilettenpapier-Trends

Und ausprobieren kann der Konsument so einiges: Der durchschnittliche Deutsche verbraucht in seinem Leben 3.651 Rollen Klopapier. Das sind etwa 15 Kilogramm im Jahr. „Wahnsinn“, denkt sich der Pfiffikus – auf diesen Bedarf sollten sich Badausstatter sofort einstellen. So klappt es auch mit dem richtigen Ausdruck, ganz nach dem Motto: Zeig mir, wie du dir den Hintern putzt, und ich sag dir, wer du bist. Allerdings weiß der Pfiffikus, dass auch das Toilettenpapier einem Modediktat unterworfen ist. Ein Trend jagt den anderen. Das zeigen bereits die Reinigungsvorlieben unserer Vorfahren. Angesichts deren Hygienerituale wirkt der heutige Materialeinsatz für den Pfiffikus recht weichgespült:

Der älteste Beleg von Toilettenpapier geht in die Bronzezeit zurück: Ein archäologischer Fund aus Hallstatt lässt vermuten, dass bei den ersten Menschen Pestwurzen-Blätter zum Einsatz kamen. Kein Wunder, dass diese Pflanze im bayerischen Volksmund noch heute Arschwurzen heißt. Im antiken Griechenland wischte man sich dann mit Steinen und Tonscherben den Allerwertesten ab und im Mittelalter waren u. a. Holzspäne und Maiskolben die erste Wahl – aber zu Zeiten, in denen der Tierschutz noch nicht erfunden war, mussten laut Überlieferung auch lebendige Hühner und Gänse ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Denn Softies mag es auch unter den Raubrittern gegeben haben.

„Wir hatten ja nichts“, würden die wohl heute angesichts der meterlangen Klopapierregale im Supermarkt erklärend eingestehen, sinniert der Pfiffikus. Dick und reißfest, sanft, ökologisch, 3-, 4- oder 5-lagig, mit und ohne Parfüm, Aufdruck oder eingestanzten Mustern – bei all den Möglichkeiten mutet der neueste Trend, sich nach dem Toilettengang „ganz ohne“ zu säubern, nahezu asketisch an. Bei Dusch-WCs sorgt ein mehr oder weniger sanfter Wasserstrahl (das hängt ganz von der eigenen Einstellung ab) für die nötige Hygiene, völlig papierlos. Da ist der Pfiffikus gleich ganz von der Rolle.

Ihr

Pfiffikus
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