Im Zeichen des Dusch-WCs

Safety first: Klopapier gibt’s nur fürs Smartphone, Japaner säubern sich auf dem Flughafen in Tokio dank Dusch-WC papierlos. Diese Zeichen sollen fortan die Bedienung von japanischen Dusch-WCs durchschaubar machen.
Bild: Si, The Japan Times, NTT Docomo

Der Gang aufs Klo gehört ja im Normalfall zu den einfachsten Dingen der Welt. Aber nicht, wenn man dort ein ­japanisches Dusch-WC vorfindet.

Wie der Pfiffikus aus eigener Erfahrung weiß, stehen Touristen im Land des Lächelns an so manchen stillen Örtchen vor ­einer kulturellen Herausforderung: Um das Hightech-WC bedienen zu können, bedarf es einer genauen Kenntnis der japanischen Piktogrammkunde – dass die Vielzahl an unterschiedlichen Symbolen noch nicht zu ernsthaften Verletzungen geführt hat, wundert den Pfiffikus da schon stark. Abstrakte Zeichen für Sprühdüsen, Föhn, zuschaltbare Tarngeräusche, starkes und sanftes Reinigen, Massagefunktion oder automatische Deckelöffner können selbst Dusch-WC erfahrene Touristen kaum auseinanderhalten. Und um das Problem zu verkomplizieren, verwendet jeder Dusch-WC-Hersteller auch noch eigene Bildchen! Selbst die BBC berichtete über eine Umfrage unter 600 Ausländern, die ergab, dass ein Viertel der Befragten die bisher verwendeten Symbole nicht verstehe.
Angesichts der Olympischen Spiele, die 2020 in Tokio stattfinden, ist das ein unhaltbarer Zustand. Daher setzt sich jetzt der Verband der japanischen ­Sanitärproduzenten zum Ziel, die bisher recht unverständlichen Bedienelemente zu vereinheitlichen. Acht Piktogramme sollen es wieder leichter machen, sich zu erleichtern. Das Symbol, das für das automatische Öffnen von Klodeckel und -brille steht, kapiert der Pfiffikus auf Anhieb. Ein großer und kleiner Wirbel stehen für das kurze Spülen beim kleinen Geschäft und das große Spülen – naja, schon klar.
So soll auf dem stillen Örtchen tatsächlich wieder Ruhe einkehren. Aber die Gastfreundschaft der Japaner geht noch weiter: Denn zum Grundbedürfnis des modernen Menschen zählt nicht nur der Stuhlgang, sondern auch der unbegrenzte Zugang zum Internet via Smartphone. Allerdings sollte das ebenso regelmäßig gesäubert werden wie der Allerwerteste. Hygiene wird in Japan großgeschrieben! Auf dem internationalen Flughafen Tokios finden Toilettennutzer daher jetzt neben den regulären Klopapierspendern eine weitere Rollenhalterung im Miniformat. Die sind nicht für Zwergenhintern gedacht, sondern für Smartphonedisplays (die Bedienoberfläche von Handys ist eine regelrechte Bakterienbrutstätte). Dass die ebenso gesäubert werden müssen, wie der Allerwerteste, ist für Japaner selbstverständlich. Kein Wunder, dass aus dem Land der Kirschblüten auch das erste wasserdichte Smartphone stammt.
Welche Wunder die japanische Dusch-WC-Industrie für die Zukunft bereithält, wird auch die ISH in Frankfurt zeigen. Der Piffikus ist schon gespannt und rät allen Besuchern: sauber bleiben!