Toilettenpapier nur gegen Porträtfoto

Der Pfiffikus im Kampf gegen Toilettenpapier-Räuber.
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In der letzten Pause saß der Pfiffikus auf dem stillen Örtchen und staunte nicht schlecht. Das Toilettenpapier war – mal wieder – aufgebraucht. „Schon das dritte Mal diese Woche, dagegen muss man doch was tun können“, überlegte er sich. Gesagt, getan. Seine Mitarbeiter waren leider nicht ganz überzeugt von der Idee, eine Überwachungskamera zu installieren und drohten mit Streik.
Der Pfiffikus sah seine vorschnelle ­Reaktion ein und entsann sich auf einen Zeitungsartikel, den er vor kurzem gelesen hatte. Eine Touristen­attraktion in der chinesischen Hauptstadt Peking hat öffentliche Toiletten mit Gesichtsscannern ausgestattet, um gegen Klopapierklau vorzugehen. Toilettenbenutzer bekommen pro Gesichtsscan jetzt nur noch 60 cm des begehrten Papiers. Nach erfolgter Ausgabe müssen erst wieder neun Minuten verstreichen, bevor der schlaue Toilettenpapierspender das Gesicht vergessen hat. Diese Maßnahme war notwendig, weil vor allem Rentner aus der Nachbarschaft „bis zu zehn Meter auf einmal mitgenommen hatten“, erinnert sich der Pfiffikus gelesen zu haben.
„Damit werde ich den Dieb ausfindig machen“, dachte sich der Pfiffikus. Drei Wochen später konnte er den ­Wunderapparat beim Zoll abholen. ­Die Beamten staunten nicht schlecht, als der Pfiffikus ihnen den Toiletten­papierspender aus Fernost präsentierte. Sie konnten erst nicht glauben, dass sich jemand so etwas tatsächlich aus China schicken ließ: „Für den Preis hätten Sie doch sicher auch nach China ­reisen können.“
Wieder im Betrieb angekommen, wurde das Wunderwerk der Technik auf der Toilette installiert. „Nun heißt es abwarten, mal schauen, wer das ganze Papier verbraucht“, war der Pfiffikus überzeugt. Nichts geschah. Erst als er eines Abends die Abrechnung machte, hörte er verdächtige Geräusche aus der Toilette. Als er nachsah, bot sich ihm ein skurriler Anblick. Ein Vogel flog vor dem Scanner herum, auf verzweifelter Suche nach ­Toilettenpapier für den Nestbau. Der Pfiffikus fühlte sich schuldig und scannte dem Vogel Toilettenpapier aus.
Von nun an wird das Toilettenpapier nicht mehr reguliert, dachte sich der Pfiffikus und baute den Scanner in einen Süßwarenspender für seine Angestellten um.
P.S.: Mittlerweile hat auch die chinesische Touristenattraktion eingesehen, dass es keine gute Idee war, und gibt wieder Rollen aus.