Was Handwerker täglich leisten

Laut der Echtzeit-Grafik der Weissmaler GmbH trinken deutsche Handwerker 33 l Bier und verlegen 24 m Rohr pro Sekunde.
Fotos: Si, AdobeStock/3Dmask

Eigentlich interessiert sich der ­Pfiffikus nur für Statistiken und Tabellen die die Fußball-Bundesliga betreffen. Doch die Zahlen des SHK-Handwerks für das vergangene Jahr lesen sich gut, denkt er sich mit Blick in die Deutsche Handwerks Zeitung (DHZ). Demnach steigerte die Branche 2017 ­ihren Umsatz gegenüber dem vorherigen Rekordjahr um 3,5 % auf 568 Mrd. Euro – obwohl das vergangene Arbeitsjahr drei Tage kürzer war als 2016. Die Zahl der Beschäftigten in den amtlich registrierten Unternehmen legte um 0,6 % auf 5,16 Mio. zu. Seit 2010 konnte­ das Handwerk sein Personal zwar um gut 180.000 Mitarbeiter aufstocken. Dennoch wird es immer schwerer Fachkräfte zu finden, weiß der Pfiffikus. Überrascht hat ihn, dass sich handwerkliche Produkte und Leistungen im Jahresdurchschnitt um etwa 2,3 % verteuert haben sollen. Vor dem Hintergrund der angespannten Fachkräfteversorgung und voll ausgelasteter Kapazitäten ­stiegen die Löhne laut DHZ merklich an. Dass es dementsprechende Preis­an­passungen in der Branche gab, blieb dem Pfiffikus bislang verborgen.
Jetzt ist seine Neugierde geweckt. ­Wissbegierig stürzt sich der Pfiffikus auf die Strukturanalyse SHK-Handwerk des ZVSHK. Er ackert sich durch statistische Grunddaten, die Bedeutung des ­Innungshandwerks, soziodemo­grafischen Merkmale, Berufsbildung, Beschäftigungsstruktur, Fachkräfte­bedarf, Gesundheitssituation der Monteure, Löhne und Preise, Konjunkturentwicklung, Tätigkeitsstrukturen sowie den Absatzmarkt und betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Nach 200 Seiten raucht dem Pfiffikus der Kopf. ­Statistiken sind mit Vorsicht zu genießen und mit Verstand einzusetzen, denkt sich der Pfiffikus und studiert ­daher fleißig weiter. Bis er auf die Zahlen der Weissmaler GmbH zur SHK-Branche stößt. Eine ­sekundengenaue Abrechnung mit dem Handwerk verspricht die Firma, die bundesweit Maler- sowie Bodenleger-Dienstleistungen anbietet. Auf seiner Homepage stellt das Berliner­ Unternehmen unterhaltsame Fakten zur Branche in einer Echtzeit-Grafik dar. Präsentiert wird, was Handwerker täglich leisten. „Während Sie diesen Satz lesen, haben deutsche Handwerker bereits 295 Liter­ Farbe gestrichen“, heißt es auf der Website. Weissmaler behauptet zudem: „Deutsche Handwerker verlegen wirklich erstaunlich viele Rohre pro Sekunde.“ Nämlich 24 m pro Sekunde und stützt sich dabei auf die Zahl von 766 Mio. m Rohr, die 2016 allein der Marktführer installiert haben soll. ­Insgesamt 1,45 Mrd. t Farben und Lack seien zudem in Deutschland verbraucht worden, eine Fläche von 53 Mio. m2 im gleichen Jahr verfliest.
Diese Zahlen amüsieren den Pfiffikus. Handwerker haben den Angaben zufolge 2016 rund 1 Mrd. l Bier getrunken. In der Echtzeit-Grafik addieren sich damit pro Sekunde etwa 33 l Bier. Diese Statistik ist wie eine Laterne im Hafen, ­sinniert der Pfiffikus: Sie dient dem ­betrunkenen Seemann mehr zum Halt als zur Erleuchtung. Schmunzeln muss er auch über eine weitere Statistik zum Konsum von Handwerkern: Demnach sollen seine Kollegen etwa 750 Mio. ­Zigaretten geraucht haben. Der Pfiffikus erinnert sich an einen Spruch von Winston ­Churchill: Ein leidenschaft-
licher Raucher, der immer von der Gefahr des Rauchens für die Gesundheit liest, hört in den meisten Fällen auf – zu ­lesen. Der Pfiffikus legt die Studien beiseite und geht wieder an seine
Arbeit. Das Klischee des fleißigen ­Handwerkers ­bedient er nämlich gerne.