Kaputtes Flugzeugklo bremst Klempner aus

Wenn das Klo verstopft ist, ruft man den Klempner­. Doch ein Einsatz in 10.000 m Höhe stellt für Sanitärprofis eine besondere Herausforderung dar, wie ein Flug mit der Boing 737 zeigte.
Foto: Si, Adobe Stock/wemm

Wer beruflich viel unterwegs ist, muss sich hin und wieder transporttechnischen Herausforderungen stellen. Wie die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtet, wurde kürzlich der Flug der Norwegian Air DY1156 von Oslo nach München wegen einer defekten Flugzeugtoilette abgebrochen – obwohl 85 Installateure an Bord waren. Davon waren 65 bei der norwegischen Sanitärfirma Rorkjop angestellt. „Was war mit den Kollegen los?“, fragt sich der ­Pfiffikus und hakt nach: Die Fachmänner ­hätten das technische Problem gerne behoben, erklärt der Geschäftsführer der Sanitärfirma, Frank Olsen. Aber der Defekt hätte von außen behoben werden müssen und es habe sich kein Freiwilliger gefunden, der bei 10.000 m Höhe einen Fuß vor die Flugzeugtür ­setzen wollte. Deswegen kehrte die ­Maschine nach 20 Minuten Flugzeit um, die Airline ließ das fliegende WC am Flughafen Oslo-Gardermoen reparieren und die Kollegen kamen mit einer dreieinhalbstündigen Verspätung in München an.
„Das muss doch anders gehen“, denkt sich der Pfiffikus, der sich für ­seine nächste Dienstreise wappnen will, und marschiert mit seinem ­Werk­zeugkoffer in Richtung Boing 737. Auf dem Rollfeld angekommen erklimmt er die Treppe zum Luftgefährt, steuert dort schnurstracks die Bordtoilette an, zwingt sich in die sanitäre Anlage (glücklicherweise hat er gerade eine Diät hinter sich) und sucht vergeblich nach einer Ablage für sein Werkzeug. Wenn man nicht gerade First Class fliegt, ist die Flugzeugtoilette ein Ort, den man am liebsten sofort wieder verlässt; dem Pfiffikus fällt auf, wie unvorteilhaft beleuchtet der Raum ist, den Gerüchen nach, muss die Lüftung defekt sein, der Flugzeugplaner hat das Fenster vergessen und schickere Armaturen gibt es allemal auf dem Markt. „Hier sollte dringend saniert werden“, findet der Pfiffikus, der hier am liebsten gleich die neuesten Messeprodukte installieren will. Allerdings hat er weder auf der SHK noch auf der IFH Vakuum-Toiletten gesehen, die in Flugzeugen verbaut werden – anders als normale WCs saugen diese Systeme das kleine oder große ­Geschäft mittels Unterdruck ein und leiten es in einen geschlossenen Tank, der nach der Landung entleert wird (anders als bei der Deutschen Bahn, die die ­Fäkalien einfach auf die Gleise kippt). In luftiger Höhe ist daher kein plätscherndes Spül-, sondern ein tosendes Schlürfgeräusch zu vernehmen. Ganz sicher sind die fortschritt­lichen Toilettensysteme allerdings nicht – selten kommt es vor, dass ganze Urinklumpen vom Himmel fallen. 2012 landete bei einer Nürnberger Familie eine zwei Kilo schwere ­Pipi-Eisbombe im Garten; im selben Jahr zerschlug ein handtellergroßer Eisbrocken die Ziegel eines Fellbacher Hausdaches in Baden-Württemberg. „Sind die noch ganz dicht?“, fragt sich der Pfiffikus entsetzt. Gleich testet er das Ventil, das am Boden genutzt wird, um die Abwassertanks zu leeren. Sind diese defekt, kann Toilettenflüssigkeit heraussickern und gefrieren. Alles im grünen Bereich, stellt der Pfiffikus erleichtert fest und widmet sich wieder seinen Umbauplänen. Auch an Bord sollte die Toilettennutzung neben Erleichterung für Ruhe und Entspannung sorgen – gerade Passagieren mit Flugangst käme das zugute. Was hält der Sanitärmarkt an attraktiven Lösungen für den Flugraum bereit? Spätestens auf der nächsten ISH wird sich der Pfiffikus umsehen.