Von wegen stilles Örtchen

In Dusch-WCs, wie dem Aqua Clean Mera von Geberit, steckt jede Menge Technik: Unter anderem haben Sound-­De­signer ein wohlklingendes Spül­geräusch komponiert.
Fotos: Si, Geberit

Der Porsche unter den Toiletten nennt sich Dusch-WC. Die innovativen Lokusse sind technisch ausgefuchst: Neben Schall- und Brandschutz steckt in ihnen jede Menge Hydraulik, Werkstofftechnik, Statik, Hygiene und Elektronik sowie Oberflächentechnologie, Verfahrenstechnik und virtuelles Engineering. Da wundert es kaum, dass beim Rauschen der Spülung, dem Geräusch des ausfahrenden Duscharms oder auch beim Zuklappen des Toilettendeckels nichts dem Zufall überlassen wird. Denn durch die richtige Komposition können sich im ­Sanitärraum wahre Klangwelten entfalten. Was beim Sportwagen der vollmundige Sound eines aufheulenden Motos ist, ist im Badezimmer das beruhigende Plätschern des Dusch-WCs.
Während Sound-Design in der Auto­mobilbranche längst gang und gäbe ist, steckt die Sanitärbranche in dieser Hinsicht jedoch noch in den Kinderschuhen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, weiß der Pfiffikus. Um ­audiophilen WC-Nutzern den Gang zum stillen Örtchen zu verschönern, arbeiten jetzt Bauphysiker und Hörakustiker bei Geberit am richtigen Toilettenrauschen. Wie der Pfiffikus erfahren hat, kann z. B. die Schallübertragung von Schmutzwasserfallleitungen über Stockwerkgrenzen hinweg getestet und optimiert werden: Dazu werden nicht nur die Produkte selbst unter die Lupe genommen, sondern auch wie sich verschiedene Installationstechniken auf die Schall­emissionen auswirken. Welches Spülgeräusch das richtige Dusch-WC-Feeling verströmt, ist jedoch kulturell sehr verschieden; während in Japan das kleinste Nebengeräusch schon als störend empfunden wird, darf es in Italien schon mal richtig laut werden – den Nachbarn zu hören, ist hier eher Freude als Last.
Also wie klingt die beste Dusch-WC-Spülung? Tosende Tornadogeräusche oder sanftes Meeresrauschen? Gluckernder Bach oder rauschender Strom? Den Klodeckel will niemand klappen hören, aber das Ausfahren des Duscharms schon: „sonst wird der Nutzer von der Dusche­ überrascht. Hierbei präferieren die meisten Menschen ein leises ‚sssst‘“, erklären die Akustik-Profis von Geberit. Der Pfiffikus fragt sich, ob die Dezibel eines Washlets bald zu dessen USP ­werden. Je nach Modell kommen bis zu 14 verschiedene Geräusche bei den Hightech-Pötten zusammen: Deckel öffnen und schließen, Duscharm ausfahren, Föhn, Spülung, Ladydusche ­und so weiter. Aber jeder Nutzer hat doch ­einen anderen Geschmack, das ist bei der ­Musik auch so, überlegt der ­Pfiffikus. Ob der Sanitärmarkt Heavy-Metall-Fans in Zukunft andere Dusch-WCs anbietet als Freunden klassischer Balladen? Toll wäre es z. B. auch, wenn das Dusch-WC Fußballfans mit einem fulminanten
„Toooor!“ belohnt, wenn sie ihr Geschäft verrichtet haben. So ein bisschen Small Talk wäre der Höflichkeit halber ohnehin angebracht: Wer verlässt die Toilette nicht gerne, wenn es aus dem Dusch-WC ruft: „Auf Wiedersehen.“
Wir freuen uns auf Ihren nächsten ­Besuch“. Da die Nachfrage der Deutschen hinsichtlich Washlets noch recht mau ist, wäre das doch ein neues Kaufargument. Der Pfiffikus ist auf jeden
Fall gespannt, was der Industrie als Nächstes einfällt.