Der Kampf gegen den Fettberg

Kanalarbeiter in Großbritannien stehen derzeit vor neuen Herausforderungen.
Fotos: Adobe Stock/eyewave, Si

Während hierzulande Schnee geschaufelt wird, greifen britische Kanalspezialisten zur Schaufel, um große Massen Fett aus dem Weg zu räumen. Der Kanalisation des Vereinigten Königreiches hatte kürzlich wieder ein Fettberg zu schaffen gemacht: In der südenglischen Grafschaft Devon, nahe der Küstenstadt Sidmouth, wurde ein Koloss aus erstarrtem Fett, Nahrungsresten, Feuchttüchern, Windeln und Damenbinden gefunden, der mit einer Länge von 64 m die Abmessungen von sechs hintereinander gereihten Doppeldeckerbussen hat. Rund acht Wochen brauchen die Fachkräfte der zuständigen Behörde, um dem Fettklops zu beseitigen. Mit Dampfstrahlgeräten und Spitzhacken rücken die Kanalarbeiter dem „Monster“ zu Leibe und müssen sich durch den betonharten Stinke-Brocken ackern.
So eine Sauerei, ekelt sich der Pfiffikus, ist aber fasziniert von den angedachten Wiederverwendungsmöglichkeiten des Ungetüms; da die Briten nicht zum ersten Mal vor einem Fettberg stehen – im Herbst 2017 blockierte der bislang größte, mit einem Gewicht von 130 t, die
Kanalisation des Londoner Stadtteils Whitechapel – haben sich die Inselbewohner schon Gedanken gemacht und möchten den unappetitlichen Ungetümen eine zweite Chance geben.
Zum Beispiel wollen die Briten die grauweißbraune Masse in Seife und 10.000 l Biodiesel umwandeln. Einige Teile des blauwalgroßen Klumpens von 2017 wurden sogar für das Stadt­museum konserviert: Das Museum of London widmete dem Koloss eine eigene Ausstellung mit dem Titel „Fatberg!“. Drei transparente Boxen sollten Besucher vor giftigen ­Ausdünstungen und üblen Gerüchen schützen. Schon seit 2015 hat der ­Be-
griff Fatberg einen Eintrag im Oxford Dictionary (vergleichbar mit dem ­deutschen Duden) und soll sich so ins kulturelle Gedächtnis der Insulaner ­einbrennen. Ob die damit verbundene Warnung, keinen Unrat in der Kanalisa­tion zu entsorgen, bei der Bevölkerung ankommt, bleibt ­jedoch abzuwarten. Das Museum hat vorsorglich schon einmal Infoblätter ­verteilt mit dem Titel „Don’t feed the Fatberg“ (zu Deutsch „Fettberg füttern ­verboten“).