Die sechste Jahreszeit

Deutsche Spargelbauer setzen jetzt auf Fußbodenheizungen.
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Der Pfiffikus liebt Spargel. Jedes Jahr im Mai lauert er den Spargelstechern in ­seiner Region auf, um ihnen einige der weiß-gelben Stangen direkt vom Feld abzuluxen. Auch in diesem Jahr hat er schon einen ordentlichen Jieper auf das Gemüse, als er im Supermarkt bereits Anfang März den ersten Spargel entdeckt. „Bestimmt Importware“, denkt sich der Pfiffikus und wundert sich,
dass als Herkunftsland Deutschland ­vermerkt ist.
Tatsächlich hatten die deutschen Spargelbauern eine Idee, um das Geschäft mit den begehrten Stangen profitabler zu machen: Sie verlegen unter ihren Feldern Rohre, durch die warmes Wasser fließt und heizen den Boden auf. Die Energie dazu beziehen die Bauern aus angrenzenden Biogasanlagen oder nutzen die Abwärme aus Kraftwerken. Dank dieser Fußbodenheizung steigern die Landwirte das Ernteergebnis und können den ersten Spargel schon Anfang März stechen. Ganz ähnlich verfahren die Isländer, die neuerdings Tomaten und Bananen in eisigen Temperaturen kultivieren. Dort kommt warmes Wasser für die Erwärmung von Gewächshäusern gratis aus dem Boden. Hierzulande hat die neue Form der Spargelfeldheizung jedoch einen stolzen Preis: 10 Euro für das Kilo muss es dem Spargelfan schon wert sein, damit Kultgemüse aus heimischen Gefilden auf dem Teller landet. Patriotismus hat eben seinen Preis, denkt sich der Pfiffikus.
Den Spargelkult hat jüngst auch ­Christian Lindner zum Wahlkampfthema gemacht; er sieht die weiße Stange als Sinnbild dafür, wie Großmächte wie ­China es schaffen, die deutsche Wirtschaftsmacht abzuhängen. „Wenn wir nicht den Spargel anbauen, werden es andere tun“, lautet der jüngste FDP- Wahlslogan. Da ist es gerade recht, wenn wir unsere geballte Energie aufs Spargelfeld richten. Um zukunftsfähig zu bleiben.