Voll benebelt in Wien

Wien bleibt cool: Stadträtin Ulli Sima am Praterstern mit dem „Sommerspritzer“.
Foto: PID/Christian Fürthner, Si

Seine Ferien hat der Pfiffikus in diesem Jahr in Österreich verbracht. Unter anderem stattete er auch der Hauptstadt einen Besuch ab, die in diesem Sommer neben historischen Kunstschätzen, Schlössern und Gärten, Schnitzeln in XXL-Format und gemütlichen Caféhäusern Erstaunliches bereithielt.Saharahitze und Jahrhundertsommer können den Wienern nichts anhaben, denn: Sie haben den Gespritzten. Dies ist in Österreich die weingesetzlich definierte Bezeichnung (auch mundartlich „G’spritzter“) für die Mischung von zumindest 50 % trockenem Wein mit maximal 50 % Soda- oder Mineralwasser und zumindest 4,5 % vol Alkoholgehalt. Es gibt ihn traditionell in Rot und Weiß, je nach aktuellem Sommertrend aber auch in anderen Formen.

Die Geschmacksurteile gehen hier stark auseinander: Wer Wein mit Cola mischt, gilt mancherorts als Banause. Sommerdrinks, die neben Wein und Wasser auch Holunderblütensirup, Limettensaft oder Minze beinhalten, sind hingegen gesellschaftlich legitimierter. Was für den einen gerade den Reiz ausmacht, den anderen vom Konsum abhält, ist der Alkoholgehalt der Gespritzten.

Um dessen Wirkung zu mindern, hat sich in der Alpenrepublik der (weingesetzlich nicht definierte) „Sommer-Gespritzter“ durchgesetzt, ­eine Mischung, in der deutlich mehr als die Hälfte Soda- oder Mineralwasser enthalten ist. Vorzugsweise werden dafür die säurebetonten Rebsorten Grüner Veltliner oder Welschriesling, aber auch rote Sorten wie Zweigelt verwendet.

Die Stadt Wien geht nun einen Schritt weiter und hat eine gänzlich alkoholfreie Variante ersonnen, deren Abkühleffekt jedoch kaum zu schlagen ist: Der neue „Sommerspritzer“ ist sogar gratis und fließt, oder besser „spritzt“, in der Öffentlichkeit direkt aus Hydranten. Passanten können sich dem kühlenden Dunst kaum entziehen und werden effizient benebelt. Hinter der großangelegten Coolingmaßnahme steckt eine Sprühnebeldusche aus Edelstahl, die 3 m hoch ist und mit 34 feinen Wasserdüsen natürlich frisches Quellwasser aus den österreichischen Bergen sprüht. Auch deutsche Kommunen seien bereits auf die Innovation aufmerksam geworden, heißt es in einer Pressemeldung der Stadt Wien.

Das ist ja eine tolle Sache, denkt der Pfiffikus und springt mit einem Glas Gespritzten unter den Sommerspritzer. Und was haben Sie im Sommer unternommen, um sich abzukühlen?