Kunstraub trotz Warteschlange

Das Goldklo des Künstlers Maurizio Cattelan ist spurlos verschwunden.
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Wo ist „America“? Diese Frage bewegt derzeit die Kunstszene der Welt. Der goldene Abort des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan ist seit der Nacht auf den 14. September 2019 spurlos verschwunden. Die erstmals im Guggenheim-Museum präsentierte Toilette aus 18-karätigem Gold war eine Leihgabe an den Blenheim-Palast, dem Geburtsort von Winston Churchill.

Besucher des prunkvollen Herrensitzes nahe Oxford konnten das Goldklo sogar nutzen – ­allerdings nur drei Minuten lang, dann war der nächste an der Reihe. Und die Schlange war lang.

Mit einem Diebstahl hat im Palast niemand gerechnet. Hausherr Edward ­Spencer-Churchill witzelte sogar darüber, dass das Kunstwerk kaum zu stehlen sei: „Erstens ist es fest angeschlossen. Und zweitens würde ein potenzieller Dieb ­keine Ahnung haben, wer es zuletzt benutzt und was der Betreffende gegessen hat“. Er ließ die teure Installation daher nicht überwachen. Ein Fehler, der ihm jetzt teuer zu stehen kommt: Der durch den Diebstahl entstandene Schaden wird auf über fünf Millionen Euro geschätzt.

Künstler Cattelan wollte mit seinem Werk auf die Exzesse des Kunstmarkts hinweisen, lässt aber auch an den ame­rikanischen Traum von unbegrenzten Möglichkeiten denken. Vor der Ausstellung im Blenheim Palace wurde die ­güldene Schüssel daher sogar Donald Trump als Dauerleihgabe fürs Weiße Haus angeboten. Der wollte sie aber nicht, obwohl ihm alle Anleitungen zur Installation und Pflege mitgeliefert ­worden wären.

Die Suche nach dem goldenen Topf ­verlief bisher ins Dunkel und die Palastbewohner bleiben auf einer großen Überschwemmung sitzen. Wer sachdienliche Hinweise zum aktuellen Verbleib des goldenen Tiefspül-WCs hat, melde sich bitte schleunigst beim Pfiffikus.