Aus Nest wird Wand

Für mehr frische Luft in den Großstädten sollen fortan Mooswände sorgen.
Foto: Green City Solutions, Si

Bald ist wieder Ostern – zahlreiche Kinder hierzulande bereiten sich intensiv darauf vor, indem sie aus Moos kleine Nester im heimischen Garten bauen, die die erwünschen Ostereier weich auffangen sollen.

Den Eltern ist das ambitionierte Ausrupfen des Gewächses zugunsten des Nestbaus willkommen, denn Moos gilt als lästig. Gartenlieb­haber nehmen den Kampf mit ihm auf: Neben Vertikutierer, Kalk oder Essig hält die Düngemittelindustrie viele Mittel ­bereit, um Moos zu verdrängen. Auf Gehwegen, Fassaden oder Terrassen wird dem teppichartigen Grün sogar
mit Cola zu Leibe gerückt.
Jetzt soll ein Imagewandel stattfinden: Moos ist gut. Moos ist klimafreundlich. Moos für eine bessere Welt! Ein Start-up aus Berlin hat Moosmodule namens ­CityTrees entwickelt, die fortan die feinstaubverschmutzte Luft unserer Städte klären sollen. Die Biotech-Luftfilter wurden sogar durch die EU gefördert, mit rund 1,9 Mio. Euro. Herausgekommen ist eine 4 m hohe, 3 m breite und 60 cm tiefe freistehende Mooswand, die Luft in ­einer Entfernung von bis zu 50 m reinigen kann und täglich genug Atemluft für 500 Menschen bereitstellen soll.
Der Pfiffikus wundert sich, auf welche Ideen man so kommen kann. Auch in Stuttgart wurden bereits Versuche unternommen, dem Feinstaub am Neckartor mit großformatigen Mooswänden zu strotzen. Das dort eingesetzte ­Zypressenschlafmoos, das Graue ­Zackenmützen- und das Purpurrote Hornzahnmoos kämpften ein Jahr lang ums Überleben, bevor das Projekt ernüchtert eingestellt wurde. Denn: Moos ist doch empfindlicher als man denkt. Es braucht Wasser, Schatten und mag kein Salz. Das Berliner Start-up will diese Anforderungen mit smarter Technologie lösen: Sensoren in den Moos­wänden überwachen die Pflanzenkulturen, Tanks mit Wasser und einer Nährstofflösung versorgen sie. Laut Süddeutscher Zeitung kostet so ein Moosbaum auch nur 25.000 Euro zzgl. jährlichen Wartungskosten von zirka 2.000 Euro.
„Was spricht eigentlich gegen den guten alten Baum?“, überlegt der Pfiffikus an­gesichts dieser Summen für die „Pflanzung“ eines CityTrees – dessen Namen er im Übrigen recht irreführend findet und dessen Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren weit unter der konventioneller Bäume liegt. Oder wie wäre es mit mehr städtischen Grünflächen, die von ganz alleine vermoosen? Oder einfach mehr schlechten Gärtnern? Damit wäre nicht nur der Luft, sondern auch dem Osterhasen ­geholfen.