Vom Hamstern

Die Nachfrage nach Toilettenpapier schoss zu Beginn der Coronakrise in die Höhe. Warum auch Dusch-WC-Besitzer die gute alte Rolle horteten, weiß der Pfiffikus nicht.
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In Zeiten der Corona-Pandemie haben Konsumenten einen völlig neuen Blick für Toilettenpapier entwickelt. Es ist kostbar. Es ist überlebenswichtig. Es muss gekauft und gehortet werden. Diese Gedanken hatten wohl viele, denn Regale, die sonst mit dem Hygieneartikel gut bestückt waren, gähnten leer all diejenigen an, die zu spät kamen. Und das waren einige. Laut Statistischem Bundesamt ist die Nachfrage von Toilettenpapier in der KW 12 in Deutschland mehr als drei Mal (+211 %) so hoch wie in den sechs Monaten zuvor.

Dass die gute alte Klopapierrolle auch in Japan zu Zeiten von Covid-19 so heiß begehrt ist, findet der Pfiffikus jedoch grotesk. Eine Nation, in der mehr als 80 % aller Haushalte über ein Washlet oder Dusch-WC verfügen, dass den Nutzer nach erledigtem Geschäft mit angenehm temperiertem Wasserstrahl reinigt, greift in Krisenzeiten zurück auf das archaische Blatt Papier?

Wie der Asienspiegel berichtet, fanden Hamsterkäufe auch im Land des Dusch-WCs statt und Toilettenpapier entwickelte sich zum Must-Have in der Krise. Wucherpreise wie auf dem Schwarzmarkt blieben nicht aus. Auch Online-Aktionsbörsen und -Versandhandelsgiganten boten das Papier auf der Rolle zu unverschämten Preisen an. Und dabei dachte der Pfiffikus, dass die Hightech-Toiletten mit Spray-Funktion für den Hintern vor dieser Hysterie eigentlich schützen müssten.

Auch wenn in Sachen Klopapier globale Einigkeit besteht, heißt es für andere Waren durchaus: andere Länder, anderes Hamstern. Während hierzulande neben besagtem Hygieneartikel auch Mehl, Nudeln und Hefe gehortet wurden, ging den Spaniern der Rotwein aus, in Skandinavien wurden Medikamente wie Paracetamol und Insulin gebunkert und in den USA war stilles Wasser gefragt. Die Bulgaren wappneten sich mit Zitrusfrüchten gegen die Krise und in der Türkei ist es derzeit immer noch schwierig an „Kolonya“ zu kommen, einer türkischen Form von Kölnisch Wasser. Dass die Niederländer vor dem Shutdown noch die Coffeeshops plünderten und sich mit Marihuana eindeckten, wirkt im Vergleich zu den hiesigen Klopapierkäufen da doch recht sinnig.