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Die 4-Tage-Woche im Handwerk

Nur 4 Tage arbeiten bei voller Bezahlung – Was für die meisten utopisch klingt, funktioniert im Sanitär-, Heizungs- und Flaschnerei-Betrieb von Marcus Gaßner wunderbar. Der Unternehmer spricht im Interview über die Umsetzung der 4-Tage-Woche und die ­Folgen für sich und seine Mitarbeiter.

Regelmäßig erscheint der Podcast von Jörg Mosler auf der Website von handwerk magazin. Diesmal ging es um ein Thema, das auch für alle SHK-Handwerker interessant sein dürfte: die Vier-Tage-Woche. Was für die meisten utopisch klingt, funktioniert im Sanitär-, Heizungs- und Flaschnerei-Betrieb  von Marcus Gaßner wunderbar. Der Unternehmer spricht im Interview über die Umsetzung der Vier-Tage-Woche und erklärt, wie sie ihm half, neue Mitarbeiter zu finden.

Jörg Mosler: Bevor ich auf das Thema Vier-Tage-Woche eingehe, erzählen Sie kurz von Ihrem Betrieb.

Marcus Gaßner: Ich bin Inhaber einer Sanitär- und Heizungsfirma mit zwei Gesellen und einem Lehrling. Wir machen Sanierungen, Kundendienst und alles, was rund um das Thema Heizung und Sanitär anfällt. Meistens betreuen wir Privatkunden. Vor der Gründung meiner Firma habe ich Gas-Wasser-Installateur gelernt und bei einem Heizungsbauer gearbeitet. Danach machte ich meinen Meister und 2009 gründete ich den Betrieb – erstmal alleine, mittlerweile mit zwei Angestellten und einem Auszubildenden. Seit ungefähr einem Jahr gibt es in der Firma nun die Vier-Tage-Woche.

Mosler: Wie kamen Sie auf die Idee, die Vier-Tage-Woche einzuführen?

Gaßner: Der Gedanke kam mir immer wieder in den Sinn. Als dann ein Geselle gekündigt hatte, stand ich vor der Frage: Wie finde ich einen neuen Mitarbeiter? Natürlich habe ich dann ganz traditionell eine Anzeige geschaltet, worauf sich niemand gemeldet hat. Und da kam mir wieder der Gedanke mit der Vier-Tage-Woche. Dann hab ich es einfach ausprobiert. Damals hatte ich noch einen anderen Mitarbeiter und der fand die Idee gut.

Mosler: Also konnten Sie die Vier-Tage-Woche für die Mitarbeitersuche nutzen?

Gaßner: Genau. Wir haben eine Anzeige gestaltet, auf der stand „Lust auf was Neues? Vier Tage arbeiten, einen Tag frei, bei gleicher Bezahlung“. Die Anzeige haben wir im Umkreis verteilt und auch große Plakate am Einkaufszentrum aufhängen lassen. Dann kamen einige Anfragen.

Mosler: Wie waren Ihre ersten Schritte, um alles technisch und praktisch umzusetzen?

Gaßner: Natürlich musste ich das mit den Stundenzeiten ein bisschen anpassen. Unsere Arbeitswoche hat nun 37 Stunden, vorher haben wir 38 Stunden gearbeitet. Und wir mussten testen, wie alles läuft mit einem Tag weniger – also, ob wir das mit den Kunden in Einklang bekommen. Bisher ist alles positiv: Es hat sich keiner beschwert, kommen keine Rückfragen, wir decken alle Anfragen ab. Und als ich meinen zweiten Gesellen eingestellt habe, hat alles weiter gut funktioniert.

Mosler: Wie verteilen sich die 37 Stunden auf die Arbeitswoche?

Gaßner: Wir arbeiten jetzt von 7–17 Uhr, also 9,25 Stunden pro Tag und das immer vier Tage lang – etwas mehr Stunden pro Tag als gewöhnlich. Ein Geselle hat freitags frei, einer am Montag. Also jeden Tag der Woche ist jemand für unsere Kunden da.

Mosler: Wie würden Sie die Vier-Tage-Woche betrachten, wenn Sie nicht zwei, sondern zum  Beispiel 20 Gesellen hätten?

Gaßner: Ich denke, es ist alles eine Frage der Planung. Ich würde die Mitarbeiter miteinbeziehen und sie nach Wünschen fragen, z. B. wer montags und wer freitags frei haben möchte. Eine Lösung sollte sich mit der richtigen Planung und Kommunikation auch für einen 10-Mann-Betrieb oder 20-Mann-Betrieb finden.

Mosler: Sie hatten gesagt, mit den Kunden gab es keine ­Probleme. Gab es Rückmeldungen?

Gaßner: Also negative Reaktionen gab es gar keine, eher positive. Der ein oder andere meinte, dass er das bei sich im Geschäft auch gerne hätte. Wenn wir eine Baustelle, Sanierung etc. haben, dann klären wir das so ab, dass der Monteur am Freitag bzw. Montag nicht da ist. Entweder kommt dann ein Ersatzmann, ich oder man macht am Freitag eben nichts auf der Baustelle. Wir sprechen das mit dem Kunden vorher ab.

Mosler: Gibt es für Sie einen messbaren Erfolg, seitdem Sie die Vier-Tage-Woche eingeführt  haben?

Gaßner: Bisher hatten wir keinen Umsatz-Rückgang. Ich kann leider keinen Vergleich ziehen, da jetzt zwei Gesellen in meinem Betrieb arbeiten und davor nur einer beschäftigt war. Aber auf jeden Fall haben wir keinen Rückgang bei den Arbeiten und meine Angestellten sind viel motivierter.

Mosler: Lohnbuchhaltung ist immer eine ziemlich komplizierte Sache. Muss man da  irgendwas beachten?

Gaßner: Nein, ich würde es aber vorher trotzdem mit dem Steuerberater abklären. Bei uns im Betrieb haben wir ein Festgehalt für die 37 Stunden, das muss man steuerlich und abrechnungstechnisch beachten.

Mosler: Hätten Sie im Nachhinein betrachtet etwas anders ­gemacht bei der Einführung der  Vier-Tage-Woche?

Gaßner: Ja. Ursprünglich war der Plan, dass wir von Montag bis Donnerstag arbeiten und alle am Freitag frei haben. Das mussten wir relativ schnell ändern und haben mit dem Wechselbetrieb angefangen – also, dass einer montags frei hat und einer freitags. Wichtig ist also, von Anfang an zu schauen, dass eine gewisse Auslastung einfach jeden Tag gewährleistest ist. Ansonsten sehe ich keinen Änderungsbedarf.

Mosler: Welchen Tipp möchten Sie abschließend allen Handwerksunternehmern mitgeben?

Gaßner: Wer sich wie ich schwertut, Azubis oder Mitarbeiter zu finden, sollte einfach mal etwas Neues ausprobieren. Bei mir hat das mit der Vier-Tage-Woche gut geklappt. Außerdem sind meine Mitarbeiter jetzt viel motivierter.

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