Aktuelles -

VOR ORT    Seminarreihe „Sichere Hausinstallation“ Praxistipps zur ­Trinkwasserhygiene

In einer bundesweiten Veranstaltungsreihe informieren Rehau, Judo und Grundfos über Lösungen zur Trinkwasserinstallation. Ergänzend dazu veranschaulicht Rechtsanwalt Dr. Hendrik Hunold juristische Themen.

„Hygiene in der Trinkwasserinstallation bedeutet nicht zwangsläufig erhöhte Kosten bei Planung, Ausführung und Betrieb. Hygiene erfordert jedoch erhöhte Aufmerksamkeit bei Planung und Ausführung“, sagt Manfred Erk, Seminarleiter der Rehau Akademie, am 2. Februar zu Beginn der Veranstaltung „Sichere Hausinstallation“ in einem Gasthof im oberbayerischen Sauerlach. Das Seminar veranstaltet Rehau schon seit etwa drei Jahren gemeinsam mit der Judo Wasseraufbereitung GmbH und der Grundfos GmbH. „Wir wollen auf die wichtigsten Stellschrauben eingehen, wie sich Trinkwasserhygiene auch in Zukunft einfach und bezahlbar umsetzen lässt“, betont Erk. Denn oft werde auf notwendige Komponenten zum Schutz des Trinkwassers und der Trinkwasser­installation verzichtet, da sie vordergründig teuer und nicht zwingend er­forderlich erscheinen.

Metall-Bewertungsgrundlage gilt ab ­April

Erk beschäftigte sich in seinem Vortrag unter anderem mit der Frage, welchen Einfluss der Werkstoff und die Führung der Leitungen auf die Trinkwasserhygiene haben. Die Seminarteilnehmer wies er darauf hin, dass das Umweltbundesamt (UBA) derzeit verbindliche Bewertungsgrundlagen mit eindeutigen hygienischen Anforderungen für Materialien und Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser erarbeitet. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Werkstoffe und Materialien in der Wasserversorgung keine unerwünschten Substanzen in das Trinkwasser abgeben oder das Wachstum von Mikroorganismen fördern. Laut Erk gelten die vom UBA festgelegten hygienischen Bewertungsgrundlagen zwei Jahre nach ihrer Veröffentlichung als verbindlich. Das trifft ab Anfang April für die Bewertungsgrundlage für metallene Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser zu, die am 2. April 2015 im Bundesanzeiger ­veröffentlicht wurde.

Bedarfsgerechte Auslegung von ­Pumpensystemen

Oliver Weckerle, Seminarleiter der Grundfos GmbH, widmete seinen Vortrag dem Thema „Moderne Pumpentechnik: Förderströme und Drücke ­richtig bemessen – Betriebskosten beherrschen“. Weckerle versuchte ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass „mit dem Austausch von alten, ineffizienten Pumpen enorme Einsparpotenziale gehoben werden können“. Grundfos verbaut seit Januar in Pumpen der Leistungsklasse zwischen 0,75 und 11 kW nur noch Antriebe mit der IE5-Klassifizierung, der weltweit höchsten Energieeffizienz-Klassifizierung für drehzahlverstellbare Elektromotoren. Gegenüber einem IE4-Motor seien die Verluste um weitere 20 % reduziert worden. Das bedeutet laut Weckerle, „dass sich die Investition in eine damit ausgerüstete Grundfos-Pumpe noch schneller als bisher amortisiert“. Darüber hinaus stellte der Referent klar, dass „moderne Pumpensysteme eine bedarfsgerechte Auslegung erlauben, indem keine Toleranzwerte mehr einbezogen werden müssen“.

Der Wasserfilter ist ein Muss

Claus Sperber, Schulungsleiter der Judo Wasseraufbereitung GmbH, beschäftigte sich in seinem Referat mit der Trinkwasserqualität. „Ohne einen eingebauten und vor allem auch regelmäßig gewarteten Wasserfilter brauchen wir uns eigentlich gar keine ernsthaften Gedanken zum Thema Trinkwasserhygiene machen“, stellte Sperber klar. Die Auswahl geeigneter Wasserbehandlungsmaßnahmen hat seiner Aussage zufolge „unter Berücksichtigung von Wasserbeschaffenheit, verwendeter Werkstoffe und vorgesehener Werkstoffe und unter Einhaltung des in § 6 der Trink­wasserverordnung geforderten Mini­mierungsgebotes zu erfolgen“. Mikro­organismen vermehren sich nicht mehr, wenn der Wasserfilter regelmäßig gespült und dafür gesorgt wird, dass möglichst wenige Ablagerungen in den Rohrleitungen vorhanden sind, ergänzt der Schulungsleiter von Judo. Zudem rät er zu Kalkschutz, um einer Keimbildung vorzubeugen. „Denn Kalkpartikel bilden eine hervorragende Nährgrundlage für Mikroorganismen“, so Sperber.

Erfüllung der Hinweispflicht

Zum Abschluss des Seminars gab Dr. Hendrik Hunold, Rechtsanwalt in der Münchner Kanzlei Leinemann & Partner, „Praxistipps rund um die Trinkwasserverordnung und aktuelle Rechtsprechung“. In Abstimmung mit den Seminarteilnehmern beschränkte er sich auf die in der TrinkwV verankerte Hinweispflicht von SHK-Betrieben gegenüber ihren Auftragnehmern, beispielsweise wenn Mängel an einer Installation sichtbar sind. „Die Erfüllung der Hinweispflicht ist ein Entlastungstatbestand“, sagt Hunold mit Blick auf ­mög-liche juristische Probleme für ­Hand-werker, die dieser Pflicht nicht nachkommen. Die Umstände des Einzelfalls – die vor allem vom Grundsatz der Zumutbarkeit abhängen – werden seinen Ausführungen zufolge durch die Regelungen in den DIN-Normen nicht abschließend umschrieben. Als Maßstab gelte vielmehr: Der Handwerker muss in seinem Bereich „auf dem neusten Stand der Entwicklung sein“. Um den Hausbesitzer korrekt auf Mängel hinzuweisen, reicht ein versteckter Hinweis in den Vertragsformularen laut ­Hunold nicht aus. Notwendig sei vielmehr eine laienhafte, aber klare Beschreibung des Ist-Zustands, die dem Hausbesitzer deutlich vor Augen führt, worin das Risiko besteht. Vorschläge zur Mängelbeseitigung sollte der Installateur wegen möglicher Haftungsrisiken unterlassen.

Zu beachten ist zudem, dass die „All­gemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen (VOB/B)“ einen schriftlichen Hinweis verlangen. Eine E-Mail erfüllt nach Auffassung von Gerichten nicht die verlangte Schriftform. Hunold empfiehlt Handwerkern daher, den Auftraggeber zuerst per Fax zu informieren und dann in einem Anschreiben per Post. Die Zustellung des Schriftstückes sollte laut ­Hunold nicht durch den Geschäftsführer des SHK-Betriebes erfolgen, sondern beispielsweise durch einen Auszubildenden, der Ort und Zeit des Einwurfes in den Kunden-Briefkasten dokumentiert. Abwarten schadet dabei, so der Jurist: „Der Hinweis ist unverzüglich weiterzuleiten, denn ein Hinweis hilft nur, wenn er erklärt wird, bevor etwas passiert.“

Die partnerschaftliche Veranstaltung wurde im Januar und Februar bundesweit in sieben Städten durchgeführt. Das Seminar in Sauerlach war laut Erk mit knapp 120 Teilnehmern, darunter SHK-Handwerker, Großhändler, TGA-Planer, aber auch Vertreter von Energieversorgern, „eine der stärker besuchten Veranstaltungen“. (mp)

www.sichere-hausinstallation.de

© si-shk.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Newsletter