Editorial -

Solarthermie hat Potenzial

Chefredakteur Maximilian Döller

In der Solarthermie sehen der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) und der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) einen wichtigen Faktor für die Wärmewende. Mit Blick auf die drohenden Strafzahlungen in Milliardenhöhe, weil das EU-Klimaziel verfehlt wird, ­fordern sie daher die Bundesregierung auf, die Energiewende im ­Wärmebereich erheblich zu beschleunigen. Denn nach wie vor ist der Beitrag des Wärmesektors viel zu gering, um den CO2-Ausstoß zu senken.

„In Kombination mit Solarthermie werden Brennwertheizungen, Wärmepumpen und Holzzentralheizungen zu hybriden Heizungen und sparen gegenüber einer Altanlage bis zu 40 % an Energie“, erklärt BDH-Hauptgeschäftsführer Andreas ­Lücke. Über 2 Mio. Heizungsanlagen in Deutschland nutzen die Sonne bereits für die Heizung und/oder die Warmwasserbereitung. Wie aus einer Zusammenfassung aktueller Zahlen der deutschen Solarthermiebranche durch den BSW-Solar hervorgeht, waren bis Ende 2017 insgesamt 2,3 Mio. Solar­wärmeanlagen installiert. Dies entspricht einer Solarkollektorfläche von 20,6 Mio. m² (brutto) mit einer Solarwärmeerzeugung für das Jahr 2017 von rund 7,5 TWh (th). Nimmt man das Jahr 2016 als Grundlage, dann ergeben sich damit eingesparte Brennstoffkosten von circa 205 Mio. Euro.

Das Potenzial in der Modernisierung liegt laut Verbandsaussagen bei rund 13 Mio. Heizungen, die vollkommen veraltet sind. Zudem nutzen bisher nur 10 % erneuerbare Energien über die Solarthermie. „Heizungen mit einem Alter von über 20 Jahren sind in der Regel teure Energieschleudern und sehr klimaschädlich. Sie sollten dringend erneuert werden und lassen sich mit einer Solaranlage auf deutlich mehr Effizienz trimmen. Wir brauchen einen massiven Einsatz erneuerbarer Energien, um die Wärmewende zu schaffen. Deswegen sollten wir auch die riesigen Potenziale der solaren Nah- und Fernwärme nutzen. Große Solarwärmeanlagen können in Deutschland Wärme für drei bis fünf Cent je Kilowattstunde erzeugen“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.

Beiden Verbänden ist aber auch absolut klar, dass es natürlich einer fachmännischen Planung und Installation sowie einer sachgerechten Handhabe dieser Technologie bedarf, damit ein Optimum an Solarertrag erreicht wird.

Ohne entsprechendes Know-how auf diesem Gebiet geht es nicht. Denn wie die co2online gemeinnützige GmbH in einer jüngsten Veröffentlichung thematisiert, sollen zwei von drei Solarthermieanlagen in Deutschland Energie verschenken. Für die Beratungsgesellschaft ist gerade auch die Optimierung der Bestandsanlagen ein unterschätzter Faktor der Energiewende. Sie spricht von etwa 1,4 Mrd. kWh jährlich ungenutzter Sonnenenergie, weil Anlagen nicht optimal funktionieren.

Mit optimierten Solarthermieanlagen könnten die Hausbesitzer allein in Deutschland jährlich etwa 66 Mio. Euro sparen und 340.000 t CO2 vermeiden. Aufgezeigt hat dies der Praxis­test Solarthermie sowie eine Stichprobe aus der Gebäude­datenbank von co2online, was sich mit Auswertungen der Verbraucherzentrale Energieberatung zum Beratungsangebot Solarwärme-Check deckt. „Optimierung im Bestand ist der Hidden Champion der Energiewende. Die Potenziale liegen auf dem Dach, ohne dass die Besitzer es wissen. Nachbesserungen können sofort angegangen werden und sind oft hoch wirtschaftlich. Jetzt müssen wir es nur noch machen“, sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online.Eine wichtige Aufgabe also für das Handwerk, das neben der richtigen Planung und Installation auch die regelmäßige, fachmännische Wartung von Solarthermieanlagen für ihr Geschäft nicht außer Acht lassen sollte.

Ihr

Maximilian Döller

maximilian.doeller@at-fachverlag.de

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