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VOR ORT 10. Deutsche Wärmekonferenz Wärmewende: Quo vadis?

So lautete der Titel der diesjährigen „Deutschen Wärmekonferenz“, die am 24. September 2019 in Berlin über die Bühne ging. Damit genau in der heißesten energiepolitischen Phase des Jahres und nur vier Tage nach den von der Bundesregierung präsentierten Beschlüssen des Klimakabinetts.

„Heißer könnte diese Konferenz nicht sein“, mit diesen Worten eröffnete Moderatorin Ursula Heller vom Bayrischen Rundfunk die 10. Deutsche Wärmekonferenz, deren bestimmenden Themen die kurz zuvor veröffentlichten Ergebnisse des Klimakabinetts und die daraus ­resultierenden Konsequenzen für den Wärmemarkt waren. Der Einladung der Heizungsbranche folgten rund 200 Vertreter aus Politik, Verbänden, Hersteller, Fachhandwerk und Großhandel, die eine interessante, dynamische wie auch ­kurzweilige Konferenz erlebten.

Die Deutsche Wärmekonferenz ist „Die Plattform“ für den Diskurs über den größten Energieverbrauchssektor Deutschlands, den Wärmemarkt. Ihm kommt bei der Diskussion rund um den Klimaschutz eine besondere Rolle zu. Denn kein anderer Sektor birgt derartige hohe Energieeinspar­- und CO2­Minderungspotenziale und ist zudem technisch dazu in der Lage, die angestrebten Zielsetzungen zu erfüllen. Über viele Jahre immer wieder eingefordert, fehlte es jedoch bislang an der nötigen politischen Flankierung, um das reichlich vorhandene private Kapital zu mobilisieren. Die 10. Deutsche Wärmekonferenz wurde vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH – www-bdh-koeln.de), dem Zentralver­-band Sanitär Heizung Klima (ZVSHK – www.zvshk.de) sowie dem Deutschen Großhandelsverband Haustechnik (DG Haustechnik – www.dg-haustechnik.de) organisiert. Als Kooperationspartner ­engagierten sich die Messe Frankfurt als Veranstalter der Weltleitmesse ISH sowie der VME Verlag und Medienservice Energie.

Gemeinsame Verbändeerklärung

Für den Wärmemarkt repräsentieren BDH, ZVSHK und DG Haustechnik die gesamte Wertschöpfungskette. Dem entsprechend formulierten die Branchenverbände in Berlin mit einer Stimme ihre gemeinsame Position und ­präsentierten hierfür auch eine Ver­bändeerklärung der Heizungsbranche zum Klimaschutzpaket der Großen ­Koalition.

Die deutsche Heizungswirtschaft bewertet die Maßnahmenvorschläge der Bundesregierung zur Verminderung der CO2-Emissionen von Gebäuden kritisch und konstruktiv. Dabei begrüßen BDH, ZVSHK und DG Haustechnik grundsätzlich das Vorhaben der Bundesregierung, die großen CO2-Minderungspotenziale im Gebäudebestand endlich konse-quent zu erschließen.

Das bereits 2017 von der Heizungsbranche und der Energiewirtschaft entwickelte Konzept von steuerlichen Anreizen setzt die Bundesregierung zumindest im Eckpunktepapier vom 20. September 2019 weitgehend um. Die Verbände begrüßen diesen Schritt und insbesondere die Tatsache, dass die steuerlichen Anreize attraktiv, unbürokratisch und technologieoffen gestaltet werden sollen. Die drei Spitzenverbände sehen die Entscheidung der Bundesregierung zusätzlich zu den steuerlichen Anreizen eine Austauschprämie für ineffiziente Heizungen in Höhe von 40 % der Investi­tionssumme einzuführen, ebenfalls als grundsätzlich positiv. Dass diese Austauschprämie nicht nur wie vorher befürchtet für den Heizkessel alleine, sondern für das gesamte „neuer effizienter Heizsysteme“ gelten soll, trägt eindeutig die Handschrift der Heizungsbranche und ist somit inhaltlich und von der Sache her zu begrüßen.

Die drei Verbände fordern die Bundes­regierung auf, im Prozess der Konkretisierung der Eckpunkte die Kompetenz der Heizungsbranche vollumfänglich einzubeziehen. BDH, ZVSHK und DG Haustechnik stehen für diesen nunmehr rasch durchzuführenden Konkretisierungsprozess zur Verfügung.

Verdopplung der jährlichen ­Austauschzahl

Mit 800 TWh verbrauchen die Deutschen ein Drittel der Energie nur für das Heizen und für Warmwasser. Knapp 21 Mio. Heizungen versorgen die Bevölkerung mit Wärme und Warmwasser. Aber 12 Mio. dieser Kessel sind völlig veraltet, verbrauchen zu viel Erdgas oder Heizöl und emittieren deutlich zu viel CO2. Wird ein alter Kessel gegen moderne Heiztechnik getauscht, können im Durchschnitt ca. 2,7 t CO2 pro Jahr eingespart werden. Multipliziert man die 2,7 t mit den 12 Mio. Altanlagen, so ergibt sich ein gesamtes Einsparpotenzial von 32 Mio. t pro Jahr.

Um die angestrebten CO2-Minderungsziele für das Jahr 2030 zu erreichen, muss das Austauschtempo ineffizienter Heizungsanlagen deutlich gesteigert werden. Erforderlich ist die Verdopplung der jährlichen Austauschzahl von heute 600.000 auf 1,2 Mio. Altanlagen. Eine Zielvorgabe, die sich nach Einschätzung von BDH, ZVSHK und DG Haustechnik mit den beiden zentralen Maßnahmenvorschlägen des Klimapakets erreichen lässt:

  • Die Schaffung steuerlicher Anreize für Effizienzinvestitionen im Gebäude.
  • Einer Abwrackprämie für ineffiziente Heizkessel.

Sowohl die entsprechende Technologie als auch die Kapazitäten des installierenden Handwerks sind hierzu vorhanden. Wichtig hierbei ist ein technologieoffener Ansatz, der Modernisierungen im gesamten Spektrum moderner Anlagentechnik für alle Energieträger fördert und nicht auf Maßnahmen beschränkt, die gegebenenfalls regional nicht umsetzbar oder für Investoren zu unwirtschaftlich werden können.

Die Heizungswirtschaft erwartet von der Politik jetzt eine schnelle Umsetzung der einzelnen Vorschläge in entsprechende Vorgaben und Gesetze. Um die notwendige Akzeptanz potenzieller Anlagenmodernisierer zu finden, ist es für Hersteller, Handwerk und Großhandel zwingend erforderlich, diese Vorgaben attraktiv, unbürokratisch, verstetigt und technologieoffen zu gestalten.

Soll eine wirksame Klimapolitik tatsächlich die CO2-Minderungspotenziale von 32 Mio. t erschließen, bedarf es der Nutzung aller vorhandenen technischen Optionen, die von der Europäischen Union mindestens das Energielabel A tragen: Brennwerttechnik, Wärmepumpen, ­Solarthermie, Holzkessel sowie Photovoltaik und Brennstoffzellen – und zukünftig Green Gases und Green Fuels.

Unter diesen Voraussetzungen wird das Klimaschutzpaket für Gebäude einen sehr erfolgreichen Teil zur angestrebten Gesamtreduktion der CO2-Emissionen Deutschlands beitragen, sind sich BDH, ZVSHK und DG Haustechnik einig.

Großer Wurf für den Wärmemarkt?

Dieser Frage nahmen sich BDH-Präsident Uwe Glock, ZVSHK-Präsident ­Michael Hilpert und DG Haustechnik-Hauptgeschäftsführer Dr. Hans Henning bei einer gemeinsamen Pressekonferenz an, die im Rahmen der 10. Deutschen Wärmekonferenz abgehalten wurde.

Für die drei Spitzenverbände packt das Klimaschutzpaket 2030 die Wärmewende endlich an. Man begrüßt die Grundsatzbeschlüsse der Bundesregierung, die Wärmewende nach jahrelangem Hin und Her endlich zu starten.

„Dass die von unserer Branche seit vielen Jahren geforderten steuerlichen Anreize für mehr Effizienzinvestitionen im Gebäude umgesetzt werden sollen, begrüßen wir sehr“, so Glock. „Die hinzukommende Austauschprämie für alte Ölkessel oder andere fossil betriebene Heizungen betrachten wir als positive Ergänzung zu den steuerlichen Anreizen. Diese Austauschprämie von 40 % der Investitionssumme dürfte helfen, den enormen Modernisierungsstau in deutschen Heizungskellern beschleunigt aufzuheben“, ergänzt Michael ­Hilpert, Präsident des ZVSHK. Und zu bedenken gibt Henning, „dass alleine auf die Heizung und das Warmwasser ein Drittel des Endenergieverbrauchs und circa ein Drittel der deutschen CO2-Emissionen entfallen.“

Die drei Verbände betonen, dass kein anderer Energieverbrauchssektor in Deutschland so hohe CO2-Minderungspotenziale aufweist wie die Heizung. „Der Wärmesektor ist der größte Energieverbrauchssektor Deutschlands. Inklusive der Prozesswärme entfallen auf ihn deutlich mehr als die Hälfte des deutschen Endenergieverbrauchs. Zugleich ist der Markt von einem seit Jahren anhaltenden Modernisierungsstau gekennzeichnet. Von rund 21 Millionen Anlagen in deutschen Ein- und Zwei­familienhäusern sind rund 12 Millionen veraltet und ineffizient. Im Falle der ­Modernisierung kann der Investor im Schnitt ca. 2,7 t CO2 pro Jahr einsparen. Würde Altan­lagenbestand ausgetauscht, könnten pro Jahr rund 32 Mio. t CO2 eingespart werden. Die Technologien dazu sind vorhanden, es mangelte bisher aber an der Umsetzung. Mit dem Klimaschutzplan 2030 setzt die Bundesregierung nun ein starkes Zeichen pro Wärmewende. Sowohl die im Eckpunkte-papier genannten steuerlichen Anreize als auch die Austauschprämie sind geeignete ­Instrumente, um den Modernisierungsmarkt endlich in Gang zu bringen. Es bedarf seitens der Politik nun der zügigen Konkretisierung der skizzierten Maßnahmen“, fordert Glock.

60 % haben von Förderprogrammen ­keine Kenntnis

Im Rahmen der Deutschen Wärmekonferenz hat der DG Haustechnik zudem Ergebnisse einer eigenen Erhebung ­präsentiert und darauf hingewiesen, ­welchen Beitrag der Großhandel bei der Wärmewende leisten kann. „Die Förderung der Heizungssanierung ist der richtige Weg. Unsere Umfrage bei Sanierungsinteressenten hat gezeigt, dass Zuschüsse grundsätzlich wirksam sind. Aber die Informationen erreichen die Zielgruppe nur zum Teil – und die Antragsprozedur schreckt vielfach ab. Um wirklich einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, muss die Förderung für Endverbraucher leicht verständlich und unbürokratisch sein. Die steuerliche Absetzbarkeit wie bei Handwerks-leistungen kann Vorbild sein.

Der Großhandel ist Dienstleister der Wärmewende: er sorgt für einen effi­zienten Renovierungsprozess alter ­Heizungsanlagen durch Information, hohe Warenverfügbarkeit und effiziente Logistik. In den Fachausstellungen können sich auch Endverbraucher informieren und regenerative Wärmeerzeugung erleben“, erklärt Dr. Hans Henning, Hauptgeschäftsführer DG Haustechnik.

Die Stichprobenumfrage der DG Haustechnik in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, die im August 2019 unter den Besuchern der Heizungsausstellungen im Großhandel durchgeführt wurde, fragte „Wie tickt der Heizungsmodernisierer?“. Sie soll ein Stimmungsbild über die Motivation der Eigenheimbesitzer geben, ihre Heizungsanlage auf den Stand der Technik zu bringen. Ernüchternd ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis über die Zugkraft der derzeitigen Förderange­bote. Denn knapp 60 % der Befragten gaben an, von den bestehenden Förderprogrammen der Bundesregierung keine Kenntnis zu haben. Das Umfrageergebnis wird von der Branche als weiterer ­Beleg dafür gesehen, dass dringend ein einfaches und verlässli-ches Förderinstrumentarium zu imple-mentieren ist. So kann die seit langem geforderte Möglichkeit einer steuer­lichen Absetzbarkeit ein effektives ­Mittel zur Auflösung des Modernisierungsstaus sein.

Befragt wurden bei der Stichprobe die­jenigen, die eine bestehende Heizungsanlage modernisieren möchten. Insgesamt haben mehr als 350 Aus-stellungsbesucher bundesweit teil­genommen.

Keynote und Diskussionsrunden

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Thomas Bareiß stellte auf der 10. Deutschen ­Wärmekonferenz die Strategien und Maßnahmen der Bundesregierung für den Wärmemarkt vor. Entscheidend für die Wärmewende, so der Staatssekretär, sei eine Vielfalt an Technologien zu ermöglichen, Investitionen anzureizen und, auch durch KWK, einen Beitrag zur Sicherheit der Energieversorgung zu leisten.

Abgehalten wurde auch zwei Podiumsdiskussionen: Zum Thema „Sektorübergreifender Technologie- und Energiemix zur Erreichung der Klimaziele 2050“ diskutierten Vertreter der Energiewirtschaft mit dem SHK-Fachhandwerk und der Heizungsindustrie. Und unter dem Titel „Klimaschutz und Wärmewende 2030: Ziehen wir alle an einem Strang?“ stellten Vertreter aller Bundestags-parteien ihre Sichtweisen zum Für und Wider des nun vorliegenden ­Klima­pakets dar.

Forderung an die Bundesregierung

Die drei Verbände fordern abschließend die Bundesregierung auf, die Eckpunkte nunmehr rasch zu konkretisieren, um ­Investoren, Industrie und Handwerk ­Sicherheit über die Rahmenbedingungen zu geben und dem Klimaschutz ­sofort und unmittelbar zu helfen. Bis ­Ende des Jahres wird hierfür als Zeitraum gesehen, um mit 1. Januar 2020 die Wärmewende endlich auch wirklich auf den Weg zu bringen!

Die Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030 sind unter www.bmu.de zu finden.

Nachgefragt bei ZVSHK-Präsidenten Michael Hilpert

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Michael Hilpert, Präsident des Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). -

Wie bewertet das Heizungsbauerhandwerk das vorgestellte Maßnahmenpaket des Klimakabinetts?

Hilpert: Grundsätzlich sind wir zunächst erleichtert, dass endlich konkrete Maßnahmenvorschläge auf dem Tisch liegen. Diese müssen jetzt so schnell wie möglich zu Gesetzen und Verordnungen werden. Denn unsere Kunden sind nach den ständigen Ankündigungen der letzten Monate mehr als verunsichert. Sie wollen wissen, woran sie sind, wenn sie uns ihre Aufträge zur Heizungsmodernisierung ­geben. Die jetzt beschlossene Einführung einer unbürokratischen steuer-lichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung haben wir seit Jahren gefordert. Sie ist nach den Erfahrungen der Branche wirklich der ausschlaggebende Anreiz für Investoren, Gebäude klimaschonender auszustatten. Dazu gehört primär auch die Heizungsanlage. In Kombination mit der Abwrackprämie für alte und ineffiziente Heizkessel, sollte diese Maßnahme des Klimaschutzpaketes tatsächlich zu der beabsichtigten Verdoppelung der Sanierungsquote im Heizungskeller führen.

Die Politik drängt bei der Emissionsreduktion jetzt auf das Tempo. Es kommt also zeitnah eine Menge Arbeit auf Ihre Betriebe zu. Kann das Heizungsbauerhandwerk vor dem Hintergrund eines akuten Fachkräftemangels diese Herausforderung überhaupt meistern?

Hilpert: Also am Handwerk wird die Umsetzung der Energiewende im Wärmemarkt gewiss nicht scheitern. Der Vorwurf, das Handwerk käme aus Personalmangel nicht mit seiner Arbeit hinterher, geht an der Wirklichkeit vorbei. Für unsere Kunden fehlte bisher ein verlässlicher Anreiz, ältere, aber noch funktionsfähige Heizungen zu ersetzen. Verunsichert durch ein ständiges Ankündigungsfeuerwerk der Politik in Sachen Förderung, Abschreibung oder Austauschprämien haben sie abgewartet und ihr Geld in die Badsanierung gesteckt. Wenn sich die Nachfrage jetzt dreht, werden unsere Betriebe eben eine zeitlang mehr ­Heizungen installieren als Bäder ­einbauen.

Strittig war im Klimakabinett zwischen den Koalitionspartnern vor allem die Entscheidung für eine CO2-Bepreisung oder die Einführung einer CO2-Steuer. Wie bewerten Sie die jetzt gefundene Lösung?

Hilpert: Wir haben uns in der Frage Bepreisung oder Steuer sehr frühzeitig positioniert und uns sehr eindeutig für eine CO2-Bepreisung ausgesprochen. Wie unser Staat mit Sondersteuern verfährt, haben wir in der Vergangenheit zur Genüge erleben können. Die ursprünglich vorgesehene Zweckgebundenheit ist nie eingehalten worden. Wir sind darüber hinaus überzeugt, dass erfolgreiche Klimaschutz-maßnahmen von den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes mit voller Überzeugung mitgetragen werden müssen. Dazu braucht es Anreize und keine Verbote oder noch eine zusätzliche Steuerlast. Alles in allem können wir mit den Beschlüssen des Klimakabinetts leben. Vorausgesetzt, sie werden jetzt so schnell wie möglich auch zu verbindlichen Vorgaben. Als die Umsetzer der Klimaschutzmaßnahmen in den Gebäuden der Republik werden wir unser Bestes tun, dass dieser wichtige Teilbereich bei der Reduktion der Treibhausgase maßgeblich zum Gesamterfolg beiträgt.

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