Fachverband SHK Bayern feiert 75-jähriges Jubiläum

Am 6. Dezember 2022 empfing der Fachverband SHK Bayern Gäste aus Branche und Presse zum traditionellen Nikolausempfang im Festsaal des Künstlerhauses in München. Dieses Jahr feierte man außerdem – nachdem die Veranstaltung letztes Jahr Corona-bedingt verschoben werden musste – nachträglich sein 75-jähriges Bestehen.

Auf dem traditionellen Nikolausempfang herrschte gute Stimmung unter den Gästen. – © Redaktion Si

Auf der Pressekonferenz zeichneten Landesinnungsmeister Erich Schulz und Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Schwarz ein insgesamt positives Bild der Branche im Jahr 2022. Die Angebotspreise konnten demnach der Inflation Stand halten und auch im Auftragsvorlauf sei eher eine Steigung zu vermerken. Dennoch machten die Lieferengpässe der Branche zu schaffen. Auch fürs kommende Jahr zeigte man sich zuversichtlich: „Wenn das Material kommt, sind die Betriebe bereit“, so Dr. Schwarz.

Das Jahr in Zahlen

Die Angebotspreise stiegen im Jahr 2022 in den Bereichen Installation und Heizung sowie Klima und Lüftung um jeweils 20,3 %, im Ofen- und Luftheizungsbau um 21,9 % und im Bereich der Spenglerei sogar um 28,2 %, was einen Anstieg zwischen rund 6 und 10 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Der Angebotsvorlauf betrug im September 2022 im Durchschnitt aller SHK-Handwerke 22,9 Wochen, ebenfalls eine Steigerung im Vergleich zu den 16,8 Wochen des Vorjahres. Damit konnten die Betriebe der Inflation Stand halten, die in Bayern im Zeitraum von Mai bis August 2022 durchschnittlich 8,1 % betrug.

Ofen- und Luftheizungsbau (28,6 Wochen) und Klima und Lüftung (26,4 Wochen) stellten dabei die Spitze dar, verzeichneten dabei jedoch einen leichten Rückgang um ca. 1 Woche im Vergleich zum Vorjahr, während die Bereiche Installation, Spenglerei und Heizungsbau jeweils einen leichten Anstieg verzeichnen konnten. Dies brachte eine im September 2022 unter Innungsfachbetrieben durchgeführte Umfrage zur wirtschaftlichen Lage der SHK-Handwerke in Bayern hervor.

Die Materialeinkaufspreise stiegen dabei signifikant um 22,4 % im Bereich Installation bis zu 38 % im Bereich der Spenglerei. Im Vergleich dazu lag die Preissteigerung im Vorjahr hier noch bei 18,4 bzw. 30,4 %.

Die nächste Generation

Auch im Bereich der Nachwuchsgewinnung sei eine positive Entwicklung zu bemerken. So verzeichnete man im Jahr 2022 mit 2.447 neu abgeschlossenen Lehrverträgen die meisten neuen Auszubildenden seit vielen Jahren. Die Ausbildungsquote in den bayerischen SHK-Handwerken beträgt demnach immer noch rund 10 %.

Teil dieses Erfolgs spricht der Fachverband der „Zeit zu starten“-Kampagne zu, findet aber auch für die Betriebe selbst lobende Worte. Laut einer Umfrage des Fachverbands unter Auszubildenden sind neben dem Gedanken, sich für die Klimawende stark machen zu können, vor allem ein sicherer Arbeitsplatz sowie ein ansprechendes Gehalt die ausschlaggebenden Gründe des Nachwuchs, sich für eine Ausbildung in der SHK-Branche zu entscheiden.

Zwar würden sich heute nur noch grob ein Drittel der neuen Meister für den Schritt in die Selbstständigkeit und damit die Gründung eines neuen Betriebs entscheiden – im Vergleich waren es früher noch rund zwei Drittel –, doch wüchsen dafür die bestehenden Betriebe in ihrer Mitarbeiterzahl an.

Persönlicher Kontakt gefragt

Auch im Bezug auf die Messe IFH/Intherm, die zuletzt Ende April 2022 stattfand, zogen Schulz und Schwarz ein größtenteils gutes Fazit. Die Aussteller wären rundum zufrieden gewesen und besonders die Möglichkeit der persönlichen Gespräche zwischen Besuchern und Ausstellern auf dem Messegelände in Nürnberg wären ein positiver Impuls für die Branche insgesamt.

Kritische Worte fand man lediglich für Betriebe und Unternehmen, die von einer Teilnahme abgesehen hatten. So wurde dies als „verpasste Chance“ bezeichnet. Doch gaben die Sprecher auch zu Protokoll, dass sich in nachträglichen Gesprächen bereits über die Hälfte der angesprochenen Betriebe für eine Teilnahme an der nächsten IFH ausgesprochen hätten. Die nächste IFH/Intherm wird von 23. bis 26. April 2024 stattfinden.

75 Jahre Fachverband

Die anschließende Jubiläumsveranstaltung im Rahmen des traditionellen Nikolausempfangs fand im Festsaal des Künstlerhauses am Lenbachplatz in München statt. Nach einer via Videobotschaft eingespielten Begrüßungsrede der Landtagspräsidentin Ilse Aigner ergriff Landesinnungsmeister Erich Schulz das Wort.

Trotz des gefeierten 75-jährigen Jubiläums des Fachverbands sei es für ihn „nicht die Zeit, zurück zu schauen. Dafür sind die aktuellen Herausforderungen zu spannend.“ Und weiter: „Ziel des Fachverbands SHK Bayern mit allen Innungen und deren Mitgliedsbetrieben muss sein, mitzuhelfen, dass unsere aktuell so gut wie nie zuvor laufenden Unternehmen in Zukunft genauso erfolgreich bleiben wie bisher.“

Eine nachhaltige Tarifpolitik, die Gewinnung und Förderung neuer Auszubildender, eine effektive Strategie gegen Material-Lieferengpässe sowie die Interessenvertretung der Mitgliedsbetriebe gegenüber der bayerischen und Bundespolitik sieht Schulz als besonders wichtige Aufgabenbereiche des Verbands.

In der Festrede des ehemaligen Vizepräsidenten der EU-Kommission und EU-Kommissars für Energie Günther H. Oettinger mit dem Namen „Die Herausforderungen Europas: Wirtschaft, Innovation und Klimaschutz – Chancen für die bayerische SHK-Branche“ fand dieser kritische Worte für die aktuelle Wirtschafts- und Energiepolitik der Bundesregierung sowie das Engagement der Aktivisten der sogenannten „letzten Generation“. Danach blickte Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Schwarz in seiner Rede positiv auf die vergangenen 75 Jahre zurück.

Dennoch sei das Jubiläum für ihn wenn auch ein Meilenstein, natürlich noch lange keine Endmarke, denn: „Unser Fachverband wird gebraucht und ist – was auch die Erfahrungen der Corona-Pandemie bestätigen – Löwe und Leuchtturm in unserer Branche“. Auch wenn sich in der aktuellen Situation alles auf das Segment Heizung fokussieren würde, war es Schwarz dennoch ein Anliegen, deutlich zu machen, dass der Fachverband in seinem Handeln stets alle Gewerke bedenkt, die ihm angehören. Mit einem weiteren Verweis auf die kontinuierliche Weiterführung der Verbandsarbeit schloss er den offiziellen Teil der Veranstaltung: „Verbandsarbeit ist wie Bügelwäsche. Immer wenn du meinst, du seist fertig, kommt der nächste Korb aus dem Keller.“

Die folgende kabarettistische Einlage des bayrischen Komikers Wolfgang Krebs, der anlässlich der Jubiläumsfeier in die Rolle der „Zwei aus der Staatskanzlei“ geschlüpft war, hat der Fachverband auf seinem Youtube-Channel auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht:

www.haustechnikbayern.de