Die Bette GmbH & Co. KG geht mithilfe von künstlicher Intelligenz neue Wege bei der Produktion. In enger Zusammenarbeit mit dem regionalen Kompetenzzentrum „Arbeitswelt.Plus“ hat der Hersteller von Badelementen aus Stahl-Emaille am Leuchtturmprojekt „ImpliKIt“ teilgenommen. Dessen Ergebnisse wurden im Mai 2024 in die Regelproduktion überführt. Das KI-gestützte Assistenzsystem unterstützt die teils hoch individuellen Produktionsplanungsprozesse.

Am Stammsitz im nordrhein-westfälischen Delbrück verknüpft das Unternehmen in seiner Manufaktur handwerkliche Präzision mit moderner Fertigung. Die Produktpalette umfasst Badewannen, Duschflächen und Waschtische sowie die dazugehörigen Installationssysteme. Mehr als die Hälfte seiner Badelemente fertigt Bette laut eigenen Angaben nach individuellen Kundenwünschen. Insgesamt können 25 Mio. verschiedene Produktvarianten hergestellt werden.
Herausforderungen der Produktvielfalt
Die große Variantenvielfalt und die individuelle Fertigung stellen die Produktionsplanung jedoch vor große Herausforderungen. Viele Aufträge sind einzigartig und erfordern eine präzise Abstimmung zahlreicher Prozessschritte. Diese Komplexität kann zu Engpässen an einzelnen Maschinen oder Arbeitsplätzen führen, wenn unvorhergesehene Störungen wie Maschinenausfälle oder Nacharbeiten den Produktionsfluss beeinträchtigen. Für die Mitarbeitenden bedeutet dies wiederum Belastungsspitzen und Stress.
Implementierung des KI-Assistenzsystems
Hier setzt das Leuchtturmprojekt an. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz will das Assistenzsystem solche Störungen vorhersehen und die Planung so anpassen, dass die Auslastung gleichmäßig verteilt und Überlastungen vermieden werden. Dadurch lassen sich nicht nur Belastungsspitzen abfedern und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden erhöhen. Auch die Effizienz der Produktion steigert sich insgesamt.
Die Entwicklung des KI-Assistenzsystems startete im Februar 2021. Es war ein komplexer Prozess, der eng mit den täglichen Abläufen in der Produktion verknüpft war. In Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum „Arbeitswelt.Plus“ und unter Einsatz moderner Technologien im Bereich des maschinellen Lernens hat das Unternehmen ein Modell erstellt. Es bildet die realen Produktionsdaten von Bette ab. Kern des Systems ist ein Algorithmus, der kontinuierlich aus historischen Betriebsdaten lernt und Muster in den Produktionsabläufen erkennt. Diese Muster sollen helfen, potenzielle Engpässe und Störungen im Produktionsfluss frühzeitig zu identifizieren.
Proaktive Produktionsplanung
Die Integration eines solchen Vorhersagemodells in die Produktionsplanung soll es den Planern bei Bette ermöglichen, proaktiv zu handeln. Das System simuliert verschiedene Produktionsszenarien und gibt Empfehlungen zur Optimierung der Produktionsreihenfolge für reibungslose und störungsfreie Produktion. Gegenwärtig sei das Assistenzsystem in der Lage, Belastungen für einzelne Arbeitsplätze für die nächsten fünf Stunden zuverlässig vorherzusagen. Darüber hinaus ermöglicht es eine dynamische Anpassung der Arbeitslast. Indem es basierend auf der aktuellen Situation in der Produktion Änderungen in Echtzeit vorschlägt.
Mitarbeiter im Fokus
Damit die Belegschaft die Implementierung des KI-gestützten Assistenzsystems akzeptiert, wurde sie früh in den Entwicklungsprozess einbezogen. Durch regelmäßige Befragungen im Arbeitsprozess konnte man feststellen, an welchen Arbeitsplätzen Produktionsstaus und Belastungsspitzen auftreten und wie diese das Assistenzsystem abfedert. „Die Einführung des KI-gestützten Assistenzsystems ist ein großer Fortschritt. Die Rückmeldungen unserer Mitarbeitenden sind wirklich positiv. Die Planungsgenauigkeit wird besser und wir haben die Möglichkeit, proaktiv auf Störungen zu reagieren. Beides macht unsere Produktion resilienter und dynamischer“, erklärt Thilo C. Pahl, Geschäftsführer der Bette GmbH & Co. KG.
Weitere Verbesserungen erwartet
Seit Mai 2024 ist das KI-Assistenzsystem nach der rund dreijährigen Entwicklungsphase vollständig in den regulären Produktionsplanungsprozess bei Bette integriert und wird weiterhin optimiert. Das Unternehmen verspricht sich davon weitere Effizienzsteigerungen und eine kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch eine gleichmäßige Produktionsauslastung und das Vermeiden von Belastungsspitzen. „Mit diesem System wissen wir heute viel mehr über unsere Prozesse. KI wirkt hier positiv: Die Einsichten und Erkenntnisse sind für uns alle nützlich, denn sie machen uns das Leben und Arbeiten leichter“, so Thilo C. Pahl.