HTW Berlin: Vertrauenswürdige Solarstromrechner

Online-Tools für PV-Anlagen und Batteriesysteme gewinnen an Bedeutung. Fraglich sei aber bei vielen die Zuverlässigkeit. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin will nun die Qualität dieser Solarstromrechner und das Vertrauen in deren Ergebnisse verbessern. Die Klaus Tschira Stiftung hat das Projekt „Solarstromrechner“ unterstützt.

Gebäude HTW Berlin mit PV-Dach
Das Forschungsprojekt zu Solarstromrechnern der HTW Berlin gibt Klarheit über die zu erwartende Ausbeute an Solarstrom. – © Forschungsgruppe Solarspeichersysteme/HTW Berlin

Auf dem Dach eine Photovoltaikanlage, dazu ein kleiner Batteriespeicher im Haus –wie groß ist der Anteil des jährlichen Strombedarfs wirklich, der aus einer Anlage kommt? Wie sehr senkt sich die Stromrechnung dadurch? Diese Fragen können Solarstromrechnern schnell und einfach beantworten. Deshalb bieten immer mehr Unternehmen solche digitalen Hilfsmittel kostenfrei an.

Was können Solarstromrechner?

Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer können beispielsweise nach Eingabe des jährlichen Strombedarfs, der Größe der Photovoltaikanlage und des Batteriespeichers mit wenigen Klicks den zu erwartenden Autarkiegrad berechnen. Der Autarkiegrad gibt den jahresmittleren Anteil des Strombedarfs an, der zeitgleich durch das Photovoltaik-Batteriesystem versorgt wird.

Laut HTW Berlin hat das Ganze hat auch Schattenseiten. In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Online-Tools, die zweifelhafte Berechnungsergebnisse liefern, leider gestiegen. Das sei fatal, denn die Ergebnisse von Solarstromrechnern beeinflussen häufig Kaufentscheidungen von Privatpersonen. Eine Analyse der HTW Berlin zeigt: Selbst unter identischen Rahmenbedingungen variieren die berechneten Autarkiegrade je nach Online-Tool um mehr als 20 Prozentpunkte.

Qualitätsstandards sind wichtig

Eines der untersuchten Tools ermittelte sogar einen Autarkiegrad von 99 % für ein Einfamilienhaus mit einer 10-kW-Photovoltaikanlage und einem 9-kW-Stromspeicher. „Solche utopischen Werte lassen sich in der Praxis nicht erreichen und wecken zu hohe Erwartungen an die eigene Solaranlage“, warnt Michaela Zoll, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin.

Grafik zu Forschungsprojekt Solarstromrechner
© Forschungsgruppe Solarspeichersysteme/HTW Berlin

Um die Transparenz und Qualität der Solarstromrechner zu verbessern, hat die Hochschule nun Mindestanforderungen für solche Online-Tools entwickelt. Das Ziel der Qualitätsstandards „vertrauenswürdige Solarstromrechner“ ist es, Privatpersonen den Zugang zu mehr Online-Rechnern zu ermöglichen, die valide und nachvollziehbare Berechnungsergebnisse liefern.

Tipps für PV-Anlagen-Betreiber

Hierzu gibt die Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin Tipps, worauf bei der Entwicklung von Solarstromrechnern zu achten ist. Beispielsweise sollten realistische Annahmen zur zukünftigen Entwicklung des Strompreises in den Online-Tools standardmäßig hinterlegt werden. „Konkret unterstützen wir die Energiebranche mit Empfehlungen zur Wahl der Eingangsdaten und zur transparenten Darstellung der Ergebnisse und Berechnungsannahmen“, sagt Johannes Weniger, Entwickler des Unabhängigkeitsrechners und weiterer branchenweit bekannter Online-Tools.

Qualitätsstandards für Solarstromrechner

Die Qualitätsstandards „vertrauenswürdige Solarstromrechner“ richten sich vorrangig an Unternehmen in der Solar- und Energiebranche, die Online-Tools auf ihrer Website anbieten oder diese entwickeln. Die Initiative greift Ergebnisse eines Workshops während des PV-Symposiums 2025 auf, an dem sich zahlreiche Fachleute beteiligten. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und der Solarenergie-Förderverein Deutschland (SFV) unterstützen die Initiative der HTW Berlin. Diese entstand im Projekt „Solarstromrechner“, das durch die Klaus Tschira Stiftung ermöglicht wird.

Link zu den Qualitätsstandards hier.

www.solar.htw-berlin.de