Neue Allianz zeigt Wege zur kosteneffizienten Energiewende

Über 20 Unternehmen aus dem Bereich der dezentralen Energie haben sich zusammengeschlossen, um mit einheitlicher Stimme für ein kosteneffizientes, sicheres und zukunftsfähiges Energiesystem einzutreten. In Berlin hat die New Energy Alliance – NEA – eine Studie vorgestellt.

Vorstellung der Studie: Markus Mack und Benjamin Merle-Oberheide (beide Enpal), Bastian Gierull (Octopus Energy), Felix Plog (thermondo), Giovanni Palazzo (Volkswagen Group), Marc Wallraff (Lichtblick) und Marc Sauthoff (Roland Berger)(v. l.).
Vorstellung der Studie: Markus Mack und Benjamin Merle-Oberheide (beide Enpal), Bastian Gierull (Octopus Energy), Felix Plog (Thermondo), Giovanni Palazzo (Volkswagen Group), Marc Wallraff (Lichtblick) und Marc Sauthoff (Roland Berger)(v. l.). – © Si/ml

Eine Allianz aus Unternehmen wie 1Komma5°, Enpal, Octopus Energy, LichtBlick, Thermondo, Volkswagen Group Charging und Vonovia stellte Ende September im Drive, dem Volkswagen Group Forum in Berlin, eine Studie vor, die Enpal bei der Unternehmensberatung Roland Berger in Auftrag gegeben hatte. Diese zeichnet im Ergebnis den gesamtkosteneffizienten Energiemix für Deutschland und beziffert den konkreten Beitrag dezentraler Lösungen – darunter PV-Batteriesysteme, Wärmepumpen und Elektromobilität – im Zusammenspiel mit vorrangig erneuerbaren Energien sowie einem Restbedarf an konventioneller Erzeugung. 

Dezentrale Energielösungen als tragende Säule

Die Studie sieht drei tragende Säulen für eine gesamtkosteneffiziente Energiewende:

  • den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien,
  • den bedarfsgerechten Einsatz von Backup-Kapazitäten
  • und die proaktive Nutzung dezentraler Lösungen.

Zur dritten Säule zählen insbesondere PV-Batteriesysteme, Wärmepumpen sowie Elektromobilitätslösungen einschließlich Wallboxen für die Landeinfrastruktur. Letztere sollten die dritte, tragende Säule des deutschen Energiemixes deutlich stärker in den Fokus rücken und konsequent integrieren. 

Roland Berger skizziert, dass dezentrale Energielösungen bis 2045 einen wirtschaftlichen Mehrwert von 13 Mrd. Euro pro Jahr für das deutsche Energiesystem erzielen können. Das ergibt eine Summe von 185 Mrd. Euro bis zu 255 Mrd. Euro in den nächsten 20 Jahren. Dieser Mehrwert ergibt sich laut Studie aus

  • einer Erhöhung der Gesamtkosteneffizienz im Energiesystem (u. a. durch eine Reduktion von nötigen Investitionskosten und laufenden Kosten),
  • einer Steigerung der lokalen Wertschöpfung (u. a. durch neue Arbeitsplätze in der hier ansässigen Branche für dezentrale Energielösungen) sowie
  • durch Effekte direkt bei Verbrauchern und KMU (bspw. durch gesunkene Energiekosten).

Entlastung bei den Energiekosten für Haushalte und KMU

Das größte Potenzial liegt der Studie nach bei den Endverbrauchern: Dezentrale Energielösungen sind eine Antwort auf steigende Energiekosten für Haushalte und Unternehmen. Insgesamt könnten durch Einsparungen im Vergleich zum Netzbezug sowie durch private Investitionen von Haushalten und KMU 120 bis 160 Mrd. Euro an zusätzlicher Wertschöpfung entstehen. Für Haushalte bedeute dies im Schnitt eine jährliche Ersparnis von bis zu 1.200 Euro. Mit dezentralen Energielösungen entwickeln sich Prosumer zu sogenannten Flexumern: Sie verbrauchen und erzeugen nicht nur Strom, sondern reagieren auch flexibel auf Preissignale und leisten so einen aktiven, systemdienlichen Beitrag zur Netzstabilität.

Ergebnisse der Quantifizierung des Mehrwerts der Dezentralen Lösungen.
Ergebnisse der Quantifizierung des Mehrwerts der dezentralen Lösungen. – © Roland Berger

„Dezentrale Energielösungen zeigen viele Vorteile. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu einem gesamtkosteneffizienten und weniger von fossilen Erzeugungsformen abhängigen Energiesystem. Die Studie zeigt, dass gerade im Bereich der dezentralen Energielösungen ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial liegt, um die Kosten der Energiewende deutlich zu reduzieren. Wir haben bereits eine führende Branche in Deutschland – wenn wir jetzt noch die richtigen Weichen stellen, können wir in den nächsten Jahren einen echten Unterschied machen,“ sagt Marc Sauthoff, Senior Partner Civil Economics, Energy & Utilities bei Roland Berger. 

Änderung der politischen Rahmenbedingungen erforderlich

Die New Energy Alliance sieht einen klaren politischen Handlungsauftrag. Damit der genannte Wertschöpfungsbeitrag dezentraler Lösungen tatsächlich gehoben werden kann, braucht es klare politische Rahmenbedingungen. Die Mitglieder der Initiative fordern daher die kosteneffiziente und bedarfsgerechte Gestaltung der Energiewende – also dezentrale Energielösungen gleichberechtigt im deutschen Energiesystem mitzudenken. Mit konkreten Handlungsempfehlungen an die Politik zeigen die Unternehmen, wie sich das volkswirtschaftliche Potenzial dezentraler Energielösungen bis 2045 ausschöpfen lässt. Dazu gehören

  • der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien,
  • eine systemdienliche Anpassung der Netzentgelte,
  • die Digitalisierung des Energiemarktes,
  • die Förderung dezentraler Lösungen sowie
  • der beschleunigte Ausbau von Smart Grids und
  • die Einführung des bidirektionalen Ladens.

Damit könnten dezentrale Flexibilitäten zu einem zentralen Baustein deutscher und europäischer Energiesouveränität werden.

Zu der neugegründeten Initiative gehören führende Anbieter im Bereich der dezentralen Energielösungen: 1Komma5°, Enpal, Lichtblick, Octopus Energy, Thermondo und Volkswagen Group Charging (Elli) sowie Bosch, E3DC, enercity, energy partners, gridX, Maxx Solar, metiundo, Ostrom, Polarstern, Rabot Energy, Solar Manager, sonnen, Spine, techem, The Mobility House Energy, Tibber und Vonovia. 

Die 25-seitige Studie und ihre Ergebnisse stehen auf der Homepage der New Energy Alliance zum Herunterladen (PDF) bereit.

www.new-energy-alliance.de