In einer fünfteiligen Serie zum Thema Wasserstoff behandelt der Autor Manfred Hoppe den Wasserstoff im Rahmen der Wärmewende. Im vierten Teil wird erläutert, was man können muss, um mit Wasserstoff nicht nur zu heizen, sondern bei Interesse und Bedarf auch Strom zu produzieren. Die Ausführungen sollen einen Diskussionsbeitrag zum Thema liefern.

1. Anforderungen beim direkt-dezentralen Einsatz von Wasserstoff im Wärmebereich
Mit dem direkt-dezentralen Einsatz von Wasserstoff im Wärmebereich besteht die Möglichkeit, fossile Heizungsanlagen klimaneutral zu ersetzen. Die Umrüstung von Bestandsanlagen erfolgt i.d.R. durch Anlagenmechaniker/innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. An Beispielen aus Projekten und Erprobungen wurde in Teil 3 aufgezeigt, wie der Einsatz von Wasserstoff im Wärmebereich gelingt. Auf dieser Grundlage ist überschlägig zu folgern, welche Anpassungen in der Aus- und Weiterbildung zukünftig anstehen.
Kommt es zum direkt-dezentralen Einsatz von Wasserstoff im Wärmebereich, dann können sich zeitversetzt zwei deutlich unterscheidbare Phasen einstellen: Da ist die H2-ready-Phase mit der Beimischung von Wasserstoff zum Erdgas. Sie ist voraussichtlich ohne praktische Bedeutung, aber erkenntnismäßig wichtig. Mit der Umstellung der Netze auf Wasserstoff ergibt sich die 100-%-H2-Phase, auf die zahlreiche Betreiber von Heizungsanlagen warten. Beim Umstieg auf Wasserstoff dürfte es so ablaufen, dass zunächst vor allem 100-%-H2-Wärmeerzeuger installiert werden und danach zunehmend ein energieeffizienterer Betrieb mit BZ-Heizgeräten einsetzt.
Die H2-ready-Phase bis zur Umstellung auf 100% Wasserstoff
Für die H2-ready-Phase ist kennzeichnend, dass Wasserstoff dem Erdgas beigemischt wird, was bis zu maximal 30 % erprobt wurde. Je nach Intensität der Beimischung verändern sich die Eigenschaften des Erdgas-/Wasserstoff-Gemisches. Bild 1 zeigt beispielhaft ausgewählte Werte.
Dass es in der Praxis zu Beimischungen von Wasserstoff zu Erdgas in einem nennenswerten Umfang kommt, ist eher unwahrscheinlich, da die Verfügbarkeit von Wasserstoff ungeklärt ist. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass sich das alsbald ändert. In Projekten zur Beimischung von Wasserstoff zum Erdgas wurde dennoch erforscht, wie sich Heizungsanlagen bei unterschiedlichen Beimischungen verhalten. Im Ergebnis wird deutlich, dass in der H2-ready-Phase bei fachgerecht erfolgten Überprüfungen und Kontrollen neben zugelassenen H2-ready-Wärmeerzeugern auch Bauteile wie
- Gasdruckregler,
- Strömungswächter,
- Thermische Absperreinrichtungen,
- Gaszähler,
- Gasleitungen,
- Absperreinrichtungen,
- Gasverbindungstechniken und
- Gasgeräteabsperrarmaturen
wasserstoffverträglich waren und i.d.R. weiter zu nutzen sind.
Für die H2-ready-Phase stellen sich die mit Beimischungen von Wasserstoff verbundenen Veränderungen grundsätzlich unspektakulär dar. Die meisten der daraus resultierenden Anforderungen werden konstruktiv durch die H2-ready-Geräte und -Bauteile berücksichtigt, so dass der Umstieg von Erdgas-Wärmeerzeugern auf H2-ready-Brennwertkessel (falls es doch dazu kommt) leichtfällt.
Nach der Umstellung auf Wasserstoff
Auch die Umstellung von Teilnetzen auf Wasserstoff kann erst vorgenommen werden, wenn sicher über Wasserstoff verfügt wird. 100-%-H2-Wärmeerzeuger sind sowohl im Projekt H2HoWi als auch im Projekt H2Direkt zum Einsatz gekommen. Vaillant hat die Erfahrungen im Projekt H2Direkt in die folgenden Bilder einfließen lassen. Die Hinweise in Bild 2 lassen erkennen, wie groß die Übereinstimmung wasserstofffähiger Wärmeerzeuger mit bisherigen Brennwertgeräten ist. Aufstellmöglichkeiten, Anschlüsse usw. stimmen überein. Das gilt durchgängig für alle der in der Erprobung stehenden wasserstofffähigen Wärmeerzeugern.
Dass die Entwicklung von Brennwertgeräten für den Betrieb mit 100 % Wasserstoff fortgeschritten ist, wird von mehreren Herstellern belegt. Bild 3 zeigt, wie Vaillant bei der Umstellung auf Wasserstoff-Wärmeerzeuger vorgeht.
In Hinblick auf Umrüstzeiten zum Einbau und zur Nutzung von 100-%-H2-Wärmeerzeugern macht Vaillant folgende Angaben:
- 8 h beim Umbau einer Altanlage auf 100-%-H2-Brenwertgerät
- 0,5 h beim Wechsel des Energieträgers auf 100% Wasserstoff.
Bei Bosch heißt es zur Umstellung auf Wasserstoff: „Ziel ist, dass die zukünftigen Geräte mit wenigen Handgriffen einfach und schnell vom Betrieb mit Erdgas oder Erdgas-/Wasserstoff-Gemischen auf reinen Wasserstoff umzustellen (sind)“. Die im Markt vorzufindenden 100%-Wasserstoff-Geräte unterschiedlicher Hersteller befinden sich in der Testphase bzw. in Feldtests. Soweit bekannt ist, hat Weishaupt als erster Hersteller die Serienzulassung für 100-%-H2-Geräte erhalten.
Mit Brennstoffzellen-Heizgeräten Wärme und Strom erzeugen
Nach der Umstellung der Netze auf Wasserstoff ist aufgrund des unschlagbaren Wirkungsgrades der BZ-Heizgeräte von bis zu 96 % bei gleichzeitiger Bereitstellung von Wärme und Strom zunehmend der Übergang vom Verbrennungsprozess auf elektrochemische Wandlung zu erwarten. Wenn dem Wärmebereich Wasserstoff zur Verfügung steht, wird die Brennstoffzellentechnologie zwangsläufig stärker in den Blick geraten. Welche Vorteile der Umstieg auf BZ-Heizgeräte mit der Erzeugung von Wärme und Strom bringt, ist bekannt. Kommen BZ-Heizgeräte zum Einsatz, sind allerdings Qualifikationen gefragt, die über die bisher aufgezeigten Anforderungen bei H2-ready- und 100-%-H2-Wärmeerzeugern hinaus gehen. Auch für BZ-Heizgeräte gilt, dass dabei auf Erfahrungen aus der Praxis – wenn auch auf der Basis von Erdgas – aus Forschungs- und Erprobungsprojekten zurückgegriffen werden kann.
Im Berufsbildungs- und TechnologieZentrum (BTZ) der Handwerkskammer (HWK) Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim wurden im Rahmen eines europäischen Wasserstoffprojekts zwei BZ-Heizgeräte unterschiedlicher Hersteller auf Basis Erdgas im Geräte- und Schulungsbereich installiert.
Die Geräte wurden zur Versorgung der Gebäude der HWK Osnabrück mit Wärme und Strom in den laufenden Betrieb integriert. Um die BZ-Heizgeräte auch in die Aus- und Weiterbildung von SHK-Anlagenmechanikern einzubeziehen und daran anschaulich Wissenswertes vermitteln zu können, wurden baugleiche, aber nicht mehr betriebsfähige BZ-Heizgeräte zusätzlich erworben und auf Rollen fahrbar gemacht. Damit waren diese BZ-Heizgeräte ergänzend sowohl im laufenden Betrieb als auch in Schulungsmaßnahmen mobil einzubeziehen.
Die Mitarbeiter im BTZ waren so in der Lage, zum einen – in Zusammenarbeit bzw. Abstimmung mit den Fachkräften der Hersteller der BZ-Heizgeräte – die Anlagen fachlich zu betreiben und zu betreuen und zum anderen interessierten SHK-Fachkräften bzw. -Auszubildenden Einblicke und Ausblicke in und auf Wasserstoff und BZ-Heizgeräte zu ermöglichen. Bild 4 zeigt, wie Auszubildende an einem der defekten BZ-Heizgeräte Bauteile identifizieren und über deren Funktionen sprechen. Betrachtungen am baugleichen, sich im Betrieb befindenden BZ-Heizgerät schlossen sich an.
Derart ausgestattet, konnten im BTZ Erfahrungen mit BZ-Heizgeräten gemacht werden, wie sie auch den Herstellern von BZ-Heizgeräten vertraut sind. Vom BTZ wurden diese Erfahrungen wie folgt zusammengefasst: BZ-Heizgeräte erfordern fundierte Kenntnisse hinsichtlich Funktion, Technologie, Voraussetzungen und Bedingungen für Einsatz, Wirtschaftlichkeit etc. Bei einer Auftragserteilung zum Einbau und Betrieb eines BZ-Heizgerätes sind vielfältige, komplexe Vorgänge wie die folgenden zu planen:
- Dimensionierung von Zusatzgerät und Speicher,
- Festlegung des Aufstellungsortes,
- Ausarbeitung der hydraulischen und elektrischen Einbindung, der gas- und abgasseitigen Anschlüsse und der mess- und regeltechnischen Anbindung,
- Anmelde- und Genehmigungsprozeduren,
- Materialzusammenstellung,
- Einbindung von Unterauftragnehmern,
- Demontage nicht mehr benötigter Geräte und Teile,
- Planung entsprechender Arbeitsschritte inkl. Logistik.
Wird von Erdgas auf Wasserstoff umgestellt, muss intensiv auf die Unterschiede von Wasserstoff als Energieträger gegenüber Erdgas eingegangen werden. Es ist zu demonstrieren und auch einzuüben, welche Vorgaben wie zu beachten sind, welche Messgeräte Verwendung finden, wie zu messen ist usw. Zur Kenntnis zu nehmen ist auch, dass BZ-Heizgeräte, den Wärmepumpen vergleichbar, über das Netz mit den betreuenden Firmen in Kontakt stehen.
Das alles muss beherrscht werden, wenn bei der Umstellung auf Wasserstoff BZ-Heizgeräte in die Angebote der Aus- und Weiterbildung aufgenommen werden. Wenn das gelingt, kommt es für Deutschland nach einer längeren Forschungs- und Entwicklungsphase doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss: Jahrelang wurde intensiv zu Brennstoffzellen geforscht und auf Wasserstoff gesetzt. Im Callux-Projekt wurden erste BZ-Heizgeräte entwickelt, erprobt und in den Markt gebracht. In der Zeit nach Callux haben mehrere Hersteller BZ-Heizgeräte vertrieben, installiert und betreut. Ein Beispiel für ein derzeit (noch) erhältliches BZ-Heizgerät mit den Leistungsdaten 1,0 kWth und 0,7 kWel zeigt Bild 5.
Ohne eine Versorgung mit Wasserstoff blieben BZ-Heizgeräte in den vergangenen Jahren allerdings ein Nischenthema. Das wird sich bei einer gesicherten Wasserstoffversorgung ändern. Heizen mit Wasserstoff wird dann nicht mehr allein und nur im Verbrennen (wenn auch CO2-frei) bestehen, sondern dürfte zunehmend elektrochemisch gleichzeitig Wärme und Strom produzieren.
2. Anpassungen der Aus- und Weiterbildung beim Einsatz von Wasserstoff
Die Ausbildung der SHK-Anlagenmechaniker/innen erfolgt abgestimmt in Handwerksbetrieben, in Überbetrieblichen Ausbildungsstätten und Berufsschulen. Für diese Einrichtungen ist der Umgang mit Wasserstoff neu. Für alle gilt, dass sie in absehbarer Zeit durch Wasserstoff gefordert sein werden. Die Ausbildung ist durch Ordnungsmitteln geregelt, die entwicklungsbedingt von Zeit zu Zeit technisch angepasst werden. Eine solche auf Klimaneutralität basierende Neuordnung steht an, um dem zukünftigen Qualifizierungsbedarf gerecht zu werden. Der Erneuerungsbedarf ergibt sich vor allem durch die Transformation des Energiesektors: Neben grünem Strom wird grüner Wasserstoff dominant.
Für Wasserstoff gilt grundsätzlich, dass er stets erst herzustellen ist, um dann transportiert, gelagert, gewandelt usw. zu werden, bevor er schließlich zum Einsatz kommt. Für diese Vorgänge wird qualifiziertes Personal benötigt, das dem Bedarf entsprechend aus- bzw. weiterzubilden ist. Die qualitative und quantitative Ermittlung des zukünftigen Qualifizierungsbedarfs im Kontext von Wasserstoff wird von professionellen Einrichtungen vorgenommen. In Hinblick auf die berufliche Aus- und Weiterbildung ist damit u.a. das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn befasst. Vom BIBB wurde im Folgenden zusammengefasst, wie sich aus Sicht des Projekts H2PRO der Qualifizierungsbedarf für Wasserstoff im Wärmebereich darstellt.
Anlagenmechanikerin und Anlagenmechaniker SHK: Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt H2PRO
Autor: Thomas Felkl für das H2PRO-Team im BIBB
Der Abschlussteilbericht für den Sektor Wärme (Hiller 2025, im Druck) im Forschungsprojekt H2PRO untersucht neue Qualifikationsanforderungen für den Ausbildungsberuf Anlagenmechanikerin und Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik durch den Einsatz von Wasserstoff. Die Grundlage bilden leitfadengestützte Experteninterviews, ausgewertet mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker 2022).
Anlagenmechaniker/Anlagenmechanikerin SHK: Einer/Eine für alle
Moderne Technologien und die wachsende Bedeutung regenerativer Energiequellen machen Anlagenmechanikerinnen und Anlagenmechaniker SHK zu gefragten Fachkräften im Bereich Heizungs- und Energietechnik. Trotzdem stehen Struktur und Umfang des dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufs zur Diskussion. Er umfasst zwei Hauptbereiche: Gas- und Wasserinstallation sowie Heizungs- und Lüftungsbau. Bei der letzten Modernisierung 2016 wurden zwar zusätzliche Berufsbildpositionen für Gebäudemanagement, Hygienemaßnahmen, Elektrotechnik und Solartechnik integriert, doch nur eine von 14 befasst sich mit regenerativen Energien.
Gas-Kompetenzen und Wasserstoff
Gas-Kompetenzen sind für Fachkräfte im SHK-Handwerk zentral. In der Abschlussprüfung müssen Auszubildende im Beruf Anlagenmechaniker/in SHK Gasinstallationen in Betrieb nehmen und warten, Anlagenkomponenten auf Dichtheit prüfen und bei Bedarf geeignete Maßnahmen ergreifen, Abgasanlagen montieren, mit der TRGI (Technische Regel für Gasinstallation) arbeiten sowie Materialien für den Rohrleitungsbau zur Gasführung bewerten (BIBB 2017, Berufsbildpositionen 8 und 9).
Um Gasanschlüsse in Gebäuden zu verlegen, ist eine bestandene Meisterprüfung im Installateur- und Heizungsbauerhandwerk mit ausreichender Punktzahl im Prüfungsfach Gas erforderlich. Dieser Gasschein berechtigt zur Tätigkeit als Vertragsinstallateur. Zentrales Arbeitsinstrument für alle Fachkräfte der Gasinstallation sind die Technischen Regeln für Gasinstallation (TRGI), basierend auf den Vorgaben des DVGW. Sie sind gesetzlich in der Handwerksordnung (HwO) und im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) verankert (BMJ 2005; siehe Kapitel 7 der Sektoranalyse, Hiller 2023). Wasserstoff wurde als eigenständige Gasfamilie bereits in Teile dieser Bestimmungen integriert, und eine Neufassung der TRGI ist derzeit in Arbeit.
Die Beimischung von Wasserstoff ins Gasnetz führt laut Experten zu keinen grundlegenden Änderungen beim Installationsprozess von Wärmeerzeugern in Gebäuden, und die zugrunde liegende Technologie bleibt unverändert.
Allerdings entstehen durch den Einsatz von Wasserstoff besondere Anforderungen: Das Vorhandensein von Wasserstoff in der Gasleitung erfordert andere Druckstufen, angepasste Toleranzgrenzen für Dichtheit und Emissionswerte, den Einsatz alternativer Verbindungselemente, Werkstoffe und Messgeräte sowie gegebenenfalls Raumüberwachungsgeräte. Bei der Dichtheitsprüfung gelten höchste Standards, da eine Anlage beim Vorhandensein von Wasserstoff praktisch zu 100 % dicht sein muss.
Zwischen Sensibilisierung und Wasserstoffschein
In den Experteninterviews werden folgende Vorschläge gemacht: Für die SHK-Branche sollte der Gasschein in der Meisterprüfung um das Thema Wasserstoff erweitert werden oder ein separater Wasserstoff-Schein im Umfang einer Woche eingeführt werden. Für Sicherheit im Umgang mit Wasserstoff wird die Notwendigkeit einer Schulung gesehen. Hersteller von Wärmeerzeugern und Energieversorger schätzen den Schulungsbedarf in Hinblick auf Wasserstoff höher als das SHK-Handwerk ein.
Weitere Informationen und Veröffentlichungen unter:
https://www.bibb.de/de/153309.php
Um anzudeuten, wie bereits gegenwärtig in der Aus- und Weiterbildung über Wasserstoff informiert werden sollte, wird noch einmal auf das BTZ Osnabrück verwiesen.
Zeitgemäße Informationsangebote zu Wasserstoff und wasserstofffähigen Geräten
Im Rahmen der Abschlussveranstaltung zum Wasserstoffprojekt führte A. Lange für die Projektleitung aus: „In 2016 haben wir … ein gutes Dutzend in der Regel eintägiger Seminare zu Brennstoffzellen-Heizgeräten durchgeführt, davon acht ausschließlich mit Auszubildenden. Unsere Erfahrung war dabei: Brennstoffzellen-Heizgeräte waren den Auszubildenden bis zum Seminar nur als abstrakter Begriff mit einer defensiven Einstellung bekannt.
Nach den Seminaren, die aufgeschlossen und neugierig machten, sah das bei den Auszubildenden dann anders aus“. Ein solches Vorgehen, bei dem es um Orientierungswissen und noch nicht um Qualifizierungen ging, wird auch vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) für wichtig angesehen, damit es zu einer diversifizierten und resilienten Energiewende kommt: „Wir glauben, dass dieses Orientierungswissen von großer Bedeutung ist, um Politik und Gesellschaft bei der Transformation zur Klimaneutralität zu unterstützen“. In diesem Sinne sollten Einrichtungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung umgehend tätig werden – ohne auf die Neuordnung der Ordnungsmittel mit der Aufnahme des Themas Wasserstoff im Wärmebereich zu warten. Es besteht ein großer Bedarf an Informationen zu und über Wasserstoff, damit es in den kommenden Jahren zu den erforderlichen Entwicklungen kommt.
3. Gesellschaftliche Erwartungen in Hinblick auf Wasserstoff
Es ist i.d.R. von großem Wert, wenn Vorhandenes für neue Entwicklungen verfügbar bleibt. Wasserstoff kann und sollte daher so eingesetzt werden, dass die bewährte Erdgas-Infrastruktur weiterverwendet wird. Mit wasserstofffähigen Wärmeerzeugern und später mit BZ-Heizgeräten sind dafür die Voraussetzungen und Bedingungen gegeben. Dass der direkt-dezentrale Einsatz von Wasserstoff technisch unbedenklich erfolgen kann, haben Versuche und Projekte belegt. Daher wird erwartet, dass auch die mit Wasserstoff einhergehenden Anforderungen leistbar sind. So wie in der jüngeren Vergangenheit Qualifizierungsmaßnahmen für Wärmepumpen entstanden sind, werden sich auch entsprechende Angebote für Wasserstoff entwickeln.
Aufgrund bisheriger Versäumnisse bei der Produktion von Wasserstoff ist allerdings klar, dass es mit einer Umstellung der Netze noch dauern wird. Damit es dennoch in absehbarer Zeit geschehen kann, muss die Produktion umgehend aufgenommen und Wasserstoff den Wirtschaftsprozessen zugeführt werden.
Gelingt das, bleibt die Frage zu klären, wie bzw. in welcher Abfolge die Verfügbarkeit über Wasserstoff zu regeln ist. Es wird dauern, bis die Mengen an Wasserstoff zur Verfügung stehen, die eine klimaneutrale Wirtschaft insgesamt benötigt. Beruhigend ist aber, dass das nur eine Frage der Zeit sein wird, da Wasserstoff weltweit ohne Ende herstellbar ist. Diese Zeit räumt die Klimakrise aber nicht ein. Demgemäß ist richtig, mit dem anzufangen, was in Deutschland schon verfügbar ist: Wärmepumpen sind lieferbar und können verbaut werden. Für die Installation und den laufenden Betrieb dieser Anlagen sind Fachkräfte vorhanden, für die es entsprechende Qualifizierungsangebote gibt. Wärmenetze sind zu erweitern und auszubauen. Das dauert und wird teuer. Parallel zu diesen Maßnahmen für die Wärmewende muss daher zwingend die Produktion von Wasserstoff hochgefahren, die Umstellung der Netze vorbereitet und die Verfügbarkeit von Wasserstoff netzweise realisiert werden.
Ob der Einsatz von Wasserstoff jemals zu Preisen wie bei Erdgas geschehen kann, ist derzeit von niemandem zu sagen. Da grüner Wasserstoff stets mit grünem Strom hergestellt werden muss, wird er immer mindestens um eine Wandlungsstufe teurer sein als die Herstellung von Strom aus Sonne und Wind. Das gilt aber auch für den Einsatz von Wasserstoff als Back-up beim Heizen mit Strom, wo sich durch eine zusätzliche Wandlung der Aufwand für die Strombereitstellung zum Heizen mehr als verdoppelt. Die Energieformen Strom und Wasserstoff sind demgemäß kostenmäßig entsprechend der Merit-Order zu behandeln.
Die Aufstellung kommunaler Wärmepläne – unter Ausschluss der Öffentlichkeit?
Die Dringlichkeit neutraler und sachgemäßer Informationen über Wasserstoff wird besonders deutlich, wenn auf die Mitte 2026 bzw. 2028 vorzulegenden kommunalen Wärmepläne verwiesen wird. Dort sind Entscheidungen zu treffen, die für die Jahre bis 2045 von großer Bedeutung sind. Beim gegenwärtig feststellbaren Informationsstand der Bevölkerung zum Thema Wasserstoff ist eindeutig zu fordern, dass bei den Aufstellungen kommunaler Wärmepläne 2026 bzw. 2028 keine Abwahl von Wasserstoff vorgenommen werden darf. Schaut man auf die gegenwärtig in Deutschland geführte Diskussion, ist aber genau das zu erwarten.
Der Hintergrund dafür ist eine einseitige Interessenlage, auf die sich energiepolitische Vertreter und industrielle Akteure verständigt haben. Die millionenfach betroffenen Betreiber von erdgasversorgten dezentralen Heizungsanlagen sind dabei nicht einbezogen. Das Dilemma besteht darin, dass aufgrund noch fehlender Kenntnisse und Wissen es für viele Betroffene unersichtlich bleibt, welche Bedeutung Wasserstoff nicht nur für das Gelingen der Wärme-/Energiewende, sondern auch für die Neuaufstellung von Industrie und Wirtschaft hat. Das heißt nicht, die Termine zur Aufstellung der Wärmepläne aufzuheben oder zu verschieben. Es bleibt richtig, dort wo Wärmepumpen bzw. Wärmenetze sinnvoll sind, diese weiter auszubauen. Es muss aber dazu führen, dass keine Entscheidung gegen den direkt-dezentralen Einsatz von Wasserstoff getroffen wird.
4. Das Fazit: Überschaubare Anforderungen beim Einsatz von Wasserstoff im Wärmebereich
Die Versuche und Projekte
- zur Beimischung von Wasserstoff zum Erdgas,
- zur Umstellung der Netze auf Wasserstoff und
- zum direkt-dezentralen Einsatz von 100-%-H2-Wärmeerzeugern und BZ-Heizgeräten
lassen erkennen, welche Anforderungen an das Personal zu erwarten sind: Kommt es zum Einsatz von Wasserstoff im Wärmebereich, ist mit einem vergleichbaren Qualifizierungsbedarf für SHK-Anlagenmechaniker/innen zu rechnen. Damit es dazu kommt, muss Wasserstoff hergestellt werden, zuverlässig zur Verfügung stehen und die Umstellung der Netze von Erdgas auf Wasserstoff erfolgen. Nach dem, was man bisher hört, kann für die Entscheidung zur Umstellung der Netze das Jahr 2032 wichtig werden: Dann soll die Produktion von grünem Wasserstoff und der Ausbau der Infrastruktur so weit sein, dass eine Umstellung auf Wasserstoff auf der Tagesordnung stehen kann. Es kommt also darauf an, dass der Einsatz von Wasserstoff nicht durch vorzeitige und unsachgemäße Festlegungen verhindert wird. Eine solche, alsbald anstehende Entscheidungssituation stellen kommunale Wärmepläne dar.
Und was kann SHK tun? Die Branche kann sich für oder gegen den direkt-dezentralen Einsatz von Wasserstoff im Wärmebereich stark machen. Nur wenn Wasserstoff im Wärmebereich stattfindet, bleibt der Branche mit H2-Wärmeerzeugern und BZ-Heizgeräten dieser Arbeits- und Geschäftsbereich erhalten, der dann um wasserstoffbezogene Qualifikationen zu erweitern ist.
Im abschließenden Teil 5 der Serie wird zusammenfassend aufgezeigt, welche vielversprechende und zukunftsgestaltende Bedeutung Wasserstoff zukommt.





