Digitalisierung in der TGA

Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) befindet sich im Spannungsfeld wachsender Anforderungen und sinkender personeller Ressourcen. Die Digitalisierung mit ihren Möglichkeiten der Effizienzsteigerung zeigt einen Weg auf, wie mit weniger Personal mehr erreicht werden kann.

Bild 1: Bis 2036 werden etwa 19,5 Millionen Erwerbstätige altersbedingt den allgemeinen Arbeitsmarkt verlassen, während nur rund 12,5 Millionen nachrücken.
Bild 1: Bis 2036 werden etwa 19,5 Mio. Erwerbstätige altersbedingt den allgemeinen Arbeitsmarkt verlassen, während nur rund 12,5 Mio. nachrücken. – © Kemper

Die gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Energieeffizienz, Trinkwasserhygiene und Nachhaltigkeit werden zunehmend komplexer. Parallel dazu schrumpfen die personellen Kapazitäten drastisch. Prognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge werden bis 2036 etwa 19,5 Mio. Erwerbstätige altersbedingt den allgemeinen Arbeitsmarkt verlassen, während nur rund 12,5 Mio. nachrücken – ein Rückgang um 36 % (Bild 1).

Diese Entwicklung erfordert eine grundlegende Neuausrichtung der technischen und organisatorischen Prozesse im Gebäudebetrieb. Die Digitalisierung spielt dabei eine zentrale Rolle.

Digitalisierung als Werkzeug im Gebäudebetrieb

Digitale Systeme, wie die Kemper-Cloud (Bild 2), bieten die Möglichkeit, komplexe Prozesse zu automatisieren, Betriebszustände transparent zu machen und vorhandene Fachkräfte gezielter einzusetzen. Durch die kontinuierliche Erfassung und Auswertung von Betriebsdaten lassen sich Anlagenzustände in Echtzeit analysieren.

Dies ermöglicht eine vorausschauende Wartung, reduziert den Aufwand für manuelle Kontrollen und steigert die Betriebssicherheit. Ein Beispiel ist das digitale Monitoring von Trinkwasserinstallationen: Betriebszustände und Parameter wie Temperatur und Volumenstrom werden permanent überwacht, sodass Anomalien frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden können. Ergänzend hierzu können automatisch generierte Berichte für Betreiber wertvolle Hinweise zur langfristigen Optimierung liefern.

Effizienzsteigerung durch Ferndiagnose

Bild 2: Digitale Systeme, wie die Kemper-Cloud, bieten die Möglichkeit, komplexe Prozesse zu automatisieren, Betriebszustände transparent zu machen und vorhandene Fachkräfte gezielter einzusetzen.
Bild 2: Digitale Systeme, wie die Kemper-Cloud, bieten die Möglichkeit, komplexe Prozesse zu automatisieren, Betriebszustände transparent zu machen und vorhandene Fachkräfte gezielter einzusetzen. – © Kemper

Gerade in großen Liegenschaften wie Krankenhäusern, aber auch Wohngebäuden wird das Potenzial digitaler Systeme deutlich. Anlagen lassen sich zentral überwachen und analysieren, ohne dass jeder Störfall einen Vor-Ort-Termin erfordert. Das spart nicht nur Wegezeiten, sondern erlaubt auch eine gezielte Vorbereitung notwendiger Einsätze. Handwerker können mit den richtigen Ersatzteilen und Werkzeugen ausrücken, was die Instandsetzungsdauer verkürzt und Ad-hoc-Unterbrechungen reduziert.

Zudem werden durch die kontinuierliche Zustandsüberwachung Notfallreparaturen weitgehend vermieden. Langfristig verbessert sich dadurch die technische Verfügbarkeit der Anlagen erheblich – ein entscheidender Faktor für Betreiber kritischer Infrastrukturen. Digitale Systeme liefern nicht nur operative Vorteile, sondern schaffen auch eine Grundlage für strategische Entscheidungen.

Betreiber können datenbasiert über Modernisierungen, energetische Optimierungen oder Investitionen entscheiden. Eine zentrale Plattform erlaubt den standortübergreifenden Informationsaustausch und fördert die Zusammenarbeit im Team. Eine automatisierte Protokollierung sorgt für eine lückenlose Dokumentation und erleichtert Zertifizierungen oder Prüfungen. Ergänzend kann das Berichtswesen individualisiert werden – beispielsweise in Form von Dashboards, die speziell auf technische oder wirtschaftliche Kennzahlen zugeschnitten sind.

Digitale Assistenzsysteme als Wissensspeicher

Im Störfall führen digitale Assistenten das Fachpersonal strukturiert durch die Fehlerdiagnose. Ursachenanalyse, Lösungsvorschläge und Schritt-für-Schritt-Anleitungen beschleunigen die Behebung und machen auch weniger erfahrene Mitarbeitende schnell handlungsfähig. Darüber hinaus sichern solche Systeme das Know-how der Organisation: Sie dokumentieren Lösungswege und sichern Wissen auch dann, wenn erfahrene Fachkräfte das Unternehmen verlassen. Durch die standardisierte Fehleranalyse entsteht ein digitaler Erfahrungsschatz, der auch für Schulungszwecke oder die Einarbeitung neuer Kollegen genutzt werden kann.

Service-Level zur Entlastung der Betreiber

Digitalisierung endet nicht bei der Technik. Betreiber können in Zukunft bei Kemper auch Servicepakete buchen, die von der einfachen Störungsmeldung bis zur vollständigen Übernahme von Wartung und Optimierung reichen. Auf diese Weise lässt sich der eigene Personalbedarf gezielt steuern, ohne Einbußen in der Betriebssicherheit in Kauf nehmen zu müssen. In Kombination mit digitalen Überwachungssystemen lassen sich diese Services nahtlos in die Betriebsführung integrieren. So entstehen skalierbare Modelle, die von einzelnen Objekten bis zu gesamten Liegenschaftsportfolios reichen.

Herstellerübergreifende Integration mit Wibutler

Ein großes Hemmnis bei der Digitalisierung von Bestandsgebäuden ist das Fehlen einer zentralen Gebäudeleittechnik (GLT). Die Plattform „Wibutler Professional Smart Building Cloud“ bietet hier eine praxistaugliche On-top-Lösung: Über eine Cloud-to-Cloud-Verbindung werden die Daten aus der Kemper-Cloud sowie anderen herstellerspezifischen Cloud-Systemen an die PSB-Cloud übertragen. Der Betreiber erhält so eine einheitliche Benutzeroberfläche – die von Wibutler PSB –, über die sich sämtliche Betriebszustände, Parameter und Ereignisse herstellerübergreifend zentral erfassen, analysieren und steuern lassen.

Pilotprojekte mit Frischwasserstationen und elektronisch geregelten Ventilen zeigen bereits das Potenzial dieser Lösung in der Praxis. Perspektivisch lassen sich über diese Plattform auch weitere gebäudetechnische Funktionen integrieren, beispielsweise Energiemanagement oder Verbrauchsmonitoring.

Wirtschaftlichkeit und Perspektiven

Die Investitionen in digitale Systeme amortisieren sich in der Regel schnell: Geringere Ausfallzeiten, effizienter Personaleinsatz und bessere Betriebsstabilität senken die Betriebskosten spürbar. Insbesondere für große Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Wohnungsliegenschaften ergibt sich ein signifikantes Einsparpotenzial. Digitalisierung wird damit zu einem Schlüsselfaktor für die wirtschaftliche und zukunftssichere Ausrichtung des technischen Gebäudebetriebs. Darüber hinaus erhöhen digitalisierte Anlagen die Wertbeständigkeit von Immobilien und schaffen eine
wichtige Voraussetzung für die ESG-konforme Betriebsführung.

Ausblick: Schrittweise Umsetzung als Erfolgsstrategie

Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein strategisches Instrument. Betreiber sind gut beraten, mit Pilotprojekten zu starten, interne Erfahrungen zu sammeln und den Digitalisierungsgrad schrittweise zu erhöhen. Je früher entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, desto besser lassen sich langfristige Effizienzgewinne, Betriebssicherheit und Fachkräftebindung realisieren. Besonders mit unterstützenden Serviceangeboten entstehen Lösungen, die auch unter den Bedingungen eines verschärften Fachkräftemangels tragfähig und wirtschaftlich bleiben. Entscheidend ist dabei die Integration aller Akteure – vom Fachplaner über das Facility-Management bis zum Betreiber –, um digitale Lösungen ganzheitlich und wirksam umzusetzen.

Der Autor

Timo Kirchhoff, Leiter Produktmanagement Kemper, Olpe

Dieser Beitrag wurde zuvor in der Si 11/2025 veröffentlicht.