Für die reibungslose Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen sollten sieben Punkte berücksichtigt werden. Welche dies sind, beschreibt der Energie-Effizienz-Experte für Wohn- und Nichtwohngebäude Carol Charlier, Geschäftsführer bei NEX Nord Energie Experten, in diesem Online-Ratgeber.

Für eine möglichst reibungslose Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
Warum Koordination der entscheidende Faktor bei energetischen Sanierungsmaßnahmen ist
Die bundespolitischen Klimaschutzziele im Gebäudesektor sowie die wirtschaftlichen Eigeninteressen von Immobilienbesitzern setzen eine hohe Sanierungsrate und einen straffen Zeitplan zur Bestandsoptimierung voraus. Um energetische Sanierungsmaßnahmen umsetzen zu können, bedarf es des Zusammenspiels mehrerer Akteure, die eine technisch und wirtschaftlich optimale Ausführung gewährleisten sollen.
Defizite in Koordination und Organisation münden oftmals in eine mangelhafte bauliche Umsetzung. Qualitätsarbeit, fristgerechte Ausführung und Wirtschaftlichkeit bedürfen also unabdingbar einer systematischen Organisation der Abläufe und Koordination der Akteure.
Wer koordiniert was? Klare Zuständigkeiten statt Grauzonen
Gerade bei Sanierungsvorhaben, in denen die Koordinationsverantwortung nicht eindeutig geregelt ist, entstehen Interferenz- und Befugnisprobleme in der Bauausführung, die sich negativ auf den Zeitplan und die Wirtschaftlichkeit, im schlimmsten Fall auf die Bauqualität auswirken können. Eine Vielzahl an beteiligten Akteuren führt zu einem hohen Abstimmungsaufkommen und Grauzonen in den Zuständigkeitsbereichen der Projektbeteiligten.
Die Koordinationsaufgabe wird daher zu einer zentralen Leistung, die nicht als Nebentätigkeit des Bauherrn oder einzelner Gewerke vollzogen werden kann. Im Idealfall bildet eine beauftragte Bauleitung die Brücke zwischen Planungsbüro, ausführendem Fachunternehmen und Energieberatern. Typische Grauzonen können durch einen Koordinationsbeauftragten oftmals bereits vor Ausführungsbeginn benannt und Lösungsvorschläge kommuniziert werden.
Wie Koordination praktisch organisiert wird
In der Theorie sind Schnittstellen zwischen Projektbeteiligten leicht zu beziffern und Fehlerquellen entsprechend einfach zu eliminieren, in der Praxis gestaltet sie sich ihre Behebung jedoch schwierig. Eine professionelle Bauleitung ist zudem wirtschaftlich nicht für jedes Projekt tragbar. Die nachfolgenden Gedankenstützen helfen dabei, Schnittstellen nicht mehr als Problemquelle zu verstehen, sondern daraus potenzielle Synergien zwischen Projektbeteiligten zu schaffen:
- Umsetzbarkeit der Planungsunterlagen prüfen: die Planungsunterlagen mit der vorliegenden Bausubstanz durch einen Fachmann abgleichen und potenzielle Fehlerquellen vor Baubeginn eruieren lassen.
- Verantwortungsbereiche eindeutig definieren: wenn auch in der Praxis oft problematisch – mit etwas Planungsaufwand und Projektkompetenz die Zuständigkeits- und Verantwortungsbereiche bereits vor Baubeginn abgrenzen und genau definieren.
- Klare Kommunikationswege benennen: die Kommunikation über möglichst wenige und einheitliche Medien festlegen, um Missverständnissen vorzubeugen und zügige Entscheidungen herbeizuführen.
- Kurze und eindeutige Entscheidungswege wählen: einen entscheidungsbefugten Ansprechpartner mit zeitnaher Erreichbarkeit festlegen, um Verzögerungen durch ausstehende Entscheidungen zu minimieren.
- Strukturierte Abstimmungstermine festlegen: auch bei kleineren Sanierungsprojekten regelmäßige Abstimmungstermine ansetzen. Eine regelmäßige Abstimmung zu festgelegten Zeitpunkten ermöglicht nicht nur den fachlichen Austausch bzgl. des Bauprojekts und der Befugnisse, sondern auch eine Kontrollfunktion im Hinblick auf den zeitlichen Baufortschritt.
Wann ausführende Unternehmen eingebunden werden sollten
Der Zeitpunkt der Einbindung externer Unternehmen in ein Projekt ist ein entscheidender Faktor, welcher über Projekterfolg oder -misserfolg entscheidet. Ein Energieberatungsbüro kann nur bei frühzeitiger Einbindung die Risiken energetischer Sanierungsmaßnahmen sowie die Förderfähigkeit des Bauvorhabens ermitteln.
Ähnlich verhält es sich zwischen Planungsbüros und ausführenden Fachunternehmen. Auch eine frühzeitige Einbindung von Fachbetrieben in die konzeptionelle Phase ist wünschenswert, in der Praxis jedoch schwer zu realisieren. Die seltene und unregelmäßige Anwendung der Expertise von Fachunternehmern in der Projektplanung führt oftmals zu übermäßigen Planungsschleifen.
Die Synergie zwischen Fachunternehmen und Planern kommt tatsächlich zum Vorschein, wenn eine Machbarkeitsprüfung durch das ausführende Unternehmen vor Baubeginn durchgeführt wird. So können zu einem geringen Aufwand technische Ausführungsfehler frühzeitig benannt und kostengünstig umgangen werden.
Wie Planung durch frühe Rückkopplung ausführungsfähig gemacht wird
Generell sind frühzeitige Rückmeldungen aus der Bauausführung zum Planungsunternehmen ratsam. Geforderte Planungstiefe, Anforderungen an technische Details und Hinweise zur Umsetzbarkeit müssen frühzeitig kommuniziert werden, um zielgerichtet intervenieren und eine wirtschaftlich und technisch sinnvolle Lösung eruieren zu können. Um die Kommunikation möglichst zu vereinfachen und schnell reagieren zu können, bieten sich die oben genannten Gedankenstützen als Integration in die Projektplanung und -durchführung an.
Welche Rolle die Energieberatung im Koordinationsgefüge spielt
In den vergangenen Jahren rückte die Energieeffizienz und Nachhaltigkeit vermehrt in den Fokus von Bauprojekten. Der Energieberater ist somit zunehmend als ein weiterer Akteur in der Planungs- und Ausführungsphase anzutreffen. Als beratende Instanz dient der Energieberater oftmals als Übersetzer zwischen Planung und Ausführung. Innerhalb der Fachplanung und Baubegleitung können durch ihn Fehlerquellen minimiert und Qualitätssicherungen über alle Projektphasen hinweg durchgeführt werden. Er kann in vielen Koordinationsaufgaben unterstützen, der Rolle eines vollumfänglichen Koordinationsbeauftragen wird er jedoch meistens nicht gerecht.
Wie Sanierung beherrschbar wird und Nachsteuerung vermieden werden kann
Das komplexe Zusammenspiel vieler Projektbeteiligter macht fehleranfällige Schnittstellen unvermeidbar, insbesondere bei nicht standardisierbaren Bauprojekten. Zur Minimierung der Fehleranfälligkeit ist eine klare Strukturierung, disziplinierte Koordination und frühzeitige Einbindung der Fachunternehmen essenziell. So können Risiken minimiert, eine bessere Ausführungsqualität gewährleistet und eine höhere Wirtschaftlichkeit realisiert werden. Synergien zwischen Planung und Ausführung müssen als solche verstanden und Schnittstellen in Synergien umgewandelt werden.