Digitalisierung im Handwerk stockt

Eine von Hero Software und Statista gemeinsam durchgeführte Studie zeigt, dass die Digitalisierung im Handwerk ins Stocken geraten ist. Zudem erfolgt die Digitalisierung erfolgt im Handwerk oft nicht durchgängig, sondern punktuell. Analoge Prozesse sind weiterhin verbreitet.

Hero Software und Statista haben eine Studie zur Digitalisierung im Handwerk erstellt und dazu 300 Bauhandwerksbetriebe befragt.
Hero Software und Statista haben eine Studie zur Digitalisierung im Handwerk erstellt und dazu 300 Bauhandwerksbetriebe befragt. – © Hero Software

Die von Hero Software und Statista durchgeführte Studie zeigt: Die Digitalisierung verläuft im Handwerk entlang der Betriebsgröße. So investieren größere Handwerksbetriebe deutlich konsequenter in die Digitalisierung, automatisieren Prozesse und nutzen KI. Viele kleine Betriebe hingegen verharren noch im Papiermodus – und lassen dadurch wichtige Effizienz- und Entlastungspotenziale ungenutzt.

Die digitale Kluft wächst – und trifft ausgerechnet die Mehrheit der Betriebe

Der Studie nach haben in den letzten fünf Jahren alle befragten großen Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern in die Digitalisierung investiert. Bei Kleinstbetrieben mit zwei bis fünf Mitarbeitern sind es dagegen nur 16 %. Bei den etwas größeren Betrieben mit sechs bis weniger als zehn Mitarbeitern sind es mit 57 % mehr als die Hälfte.

Gleichzeitig ist das Handwerk überwiegend kleinbetrieblich geprägt: Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) sind 99,6 % der Handwerksunternehmen KMU, darunter 79,7 % Kleinstunternehmen. Durchschnittlich sind neun Personen je Handwerksunternehmen tätig. Wenn kleinere Betriebe deutlich seltener investieren, bremst das den digitalen Fortschritt der Branche insgesamt.

Die Größe des befragten Handwerksbetriebs spielte eine deutliche Rolle, ob in den letzten fünf Jahren in die Digitalisierung investiert wurde oder nicht.
Die Größe des befragten Handwerksbetriebs spielte eine deutliche Rolle, ob in den letzten fünf Jahren in die Digitalisierung investiert wurde oder nicht. – © Hero Software

Das zeigt sich auch in der Praxis: Je nach Aufgabenbereich arbeitet rund ein Drittel bis zur Hälfte der Betriebe weiterhin mit Stift und Zettel (z. B. 30 % Buchhaltung, 42 % Baustellendokumentation, 50 % Lagerverwaltung). Und das trotz wachsender Anforderungen wie Fachkräftemangel und Bürokratie.

Effizienz, Zeit und Umsatz: Digitale Betriebe ziehen davon

Betriebe, die Digitalisierungsmaßnahmen umsetzen, profitieren dagegen wirtschaftlich: Kein befragter Betrieb berichtet von unverändertem Umsatz – alle verzeichnen Umsatzwachstum. Dank digitaler Komplettlösungen sparen viele Betriebe zudem spürbar Zeit in Verwaltung und Organisation: Je nach Aufgabe liegt die Zeitersparnis häufig bei 10 bis 20 Stunden pro Woche, in einzelnen Bereichen berichten Betriebe sogar von mehr als 20 Stunden Zeitgewinn.

Analog arbeitende Betriebe dagegen verlieren wertvolle Zeit und Qualität: 41 % berichten von Fehlern durch manuelle Abläufe, ein Viertel kämpft mit besonders zeitaufwendiger Verwaltung und 12 % verlieren regelmäßig den Überblick über laufende Projekte. Damit bleiben Effizienz und Transparenz auf der Strecke. Zudem wird ein entscheidendes Potenzial zur Entlastung verschenkt. der Mitarbeiter beim Fachkräftemangel verschenkt. Denn wenn administrative Aufgaben weiterhin erheblich Arbeitszeit binden, wirkt sich der Fachkräftemangel noch deutlicher aus.

Dabei schätzen sich 54 % der Betriebe im Vergleich zur Konkurrenz als digitaler ein. Diese Selbsteinschätzung kann dazu führen, dass der Digitalisierungsbedarf im eigenen Unternehmen unterschätzt wird. Notwendige Veränderungen werden so möglicherweise zu spät angegangen.

Automatisierung und KI: Bisher kaum genutzt von kleinen Betrieben

Auch bei Automatisierung und KI zeigt sich die gleiche Trennung zwischen größeren und kleineren Betrieben: So nutzen. 47 % der Betriebe bereits automatisierte Abläufe in Verwaltung und Buchhaltung. Jedoch sind es in der Lagerverwaltung nur 17 %. Viele kleine Betriebe zeigen zudem kein Interesse an einer Automatisierung. Dies sind je nach Bereich 33 bis 45 % der Betriebe.

Je nach Aufgabenstellung kommen oft unterschiedliche Anwendungen zum Einsatz (Mehrfachnennungen waren möglich).
Je nach Aufgabenstellung kommen oft unterschiedliche Anwendungen zum Einsatz (Mehrfachnennungen waren möglich). – © Hero Software

Dabei sehen Anwender von automatisierten Abläufen im Betrieb deutliche Vorteile. Bei 70 % wird schneller gearbeitet, 63 % melden fehlerärmere Abläufe.

Bei der Anwendung von KI zeigt sich ein ähnliches Bild: 96 % kennen KI‑Tools – doch 35 % nutzen sie bisher nie. Gerade kleine Betriebe verzichten darauf, obwohl KI z. B. bei Dokumentation oder Kommunikation spürbar Zeit sparen könnte.

Digitaler Rückstand bremst Fachkräfte und Zukunftsprojekte aus

„Unsere Daten zeigen klar: Viele Handwerksbetriebe arbeiten weiterhin analog – und verlieren dadurch Zeit, Effizienz und wertvolle Fachkräftekapazitäten. Besonders kleine Betriebe stehen vor einer Hürde, die eigentlich gar keine sein dürfte: dem Einstieg in die digitale Arbeitswelt“, sagt Dr. Michael Kessler, Gründer und Geschäftsführer von Hero Software.

Im Kern bedeutet das: Digitale Lösungen stärken die Betriebe. Analoge Strukturen hingegen begrenzen das Potenzial, das im Handwerk heute dringend benötigt wird, um zentrale gesellschaftliche Modernisierungsziele voranzubringen.

„Digitalisierung ist kein Nice-to-have im Handwerk – sie entscheidet darüber, ob wir die großen Aufgaben der Zukunft schaffen oder nicht. Was wir jetzt brauchen, sind Lösungen, die Digitalisierung wirklich zugänglich machen. Genau hier setzen wir an“, zieht Kessler ein Fazit.

hero-software.de