Gedämpfte Erwartungen im Wärmepumpenmarkt

Der BWP hat seine Branchenstudie für 2026 vorgelegt. Demnach rechnet der Verband mit 330.000 Wärmepumpen in diesem Jahr und auch für die kommenden Jahre mit Wachstumsraten von rund 10 %. Das Interesse von Hauseigentümern an Wärmepumpen sei zwar groß, doch sorge die Debatte um das Gebäudemodernisierungsgesetz weiter für Unsicherheit.

Der BWP hat seine Branchenstudie 2026 zu den Erwartungen im Wärmepumpenmarkt veröffentlicht.
Der BWP hat seine Branchenstudie 2026 zu den Erwartungen im Wärmepumpenmarkt veröffentlicht. – © BWP

„Das Heizen mit Gas und Öl verbinden immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher mit hohen finanziellen Risiken. Der Krieg im Nahen Osten macht deutlich, wie dringend sich Deutschland von seinen fossilen Importabhängigkeiten lösen muss“, konstatiert Norbert Ruths, Mitglied im Vorstand des Bundesverband Wärmepumpe e. V. (BWP) und Handwerksmeister aus Langenlonsheim. „Für viele ist die Wärmepumpe die erste Antwort darauf.“

Anlässlich der neu vorliegenden Branchenstudie des BWP betont Geschäftsführer Dr. Martin Sabel die gewachsene wirtschaftliche Bedeutung der Wärmepumpe. „Für eine ganze Wertschöpfungskette ist die Wärmepumpe zum wichtigsten Produkt geworden. Es geht um zukunftssichere Arbeitsplätze für 100.000 Beschäftigte. Die Wärmewende wird von heimischer Heizungsindustrie und lokalen Akteuren aus Handwerk und Energieversorgung umgesetzt.“

Heizungsförderung entscheidender Hebel

Deshalb sei es wichtig, dass die Koalition die auskömmliche Finanzierung der Heizungsförderung bis mindestens 2029 beschlossen habe. „Jeder Fördereuro löst das Vierfache an Investitionen in die Gebäudemodernisierung aus“, sagt Sabel unter Verweis auf den jüngsten Evaluierungsbericht zur BEG. „Fünfeinhalb Milliarden Euro Förderung für neue Heizungen stehen deshalb vier Milliarden Euro an Steuereinnahmen für die öffentlichen Haushalte gegenüber. Besser kann die Regierung nicht in Energieunabhängigkeit, Wirtschaftswachstum und Klimaschutz investieren.“

Neue Modernisierungswelle nicht zu erwarten

Mit Blick auf das angekündigte Gebäudemodernisierungsgesetz stellt Ruths Verunsicherung bei Hauseigentümern fest. „Unsere Kunden stellen uns viele Fragen, die sich frühestens mit Abschluss der Gesetzgebung beantworten lassen, etwa zu den Vorgaben für die Nutzung CO2-armer Energieträger in neuen Gas- und Ölheizungen. Es ist schwer zu verstehen, warum das Gebäudemodernisierungsgesetz trotz der weltpolitischen Ereignisse die Installation neuer Öl- und Gasheizungen wieder freistellt. Eine neue Modernisierungswelle im Gebäudesektor lässt sich so nicht erwarten“, sagt Ruths.

Volle Entfaltung der Potenziale bei klarer Ausrichtung der Energiepreise

Die Marktprognosen der Branchenstudie beruhen auf zwei Szenarien:

  • Ein Business-as-Usual-Szenario mit Wachstumsraten von erwarteten 10 % pro Jahr beschreibt, wie das neue Gebäudemodernisierungsgesetz zu neuen Unsicherheiten am Heizungsmarkt führt. Dabei wird deutlich, dass kurzfristig vor allem eine stabile Heizungsförderung Orientierung geben muss.
  • Ein ambitioniertes Zielszenario mit Wachstumsraten von möglichen 30 bis 40 % pro Jahr macht hingegen deutlich, dass die Wärmepumpe ihre tatsächlichen Wachstumspotenziale vor allem nach einer klaren Ausrichtung der Energiepreise entfalten würde und damit auch der Heizungsmarkt insgesamt wieder in Schwung käme.

Sollte allerdings die BEG abrupt umgestellt werden, würde dies sogar zu einem Markteinbruch führen können.

Branche fordert Umsetzung politischer Zusagen

„Von einem fairen Wettbewerb zwischen der Wärmepumpe und den fossilen Alternativen kann angesichts der hohen staatlichen Abgabenbelastung auf Strom derzeit keine Rede sein. Statt endlich die Absenkung der Stromsteuer umzusetzen, wird sogar wieder häufiger der CO2-Preis in Frage gestellt“, kritisiert Sabel und fasst die Schlussfolgerungen der Branchenstudie für die Bundesregierung zusammen: „Wir brauchen mehr Klarheit im neuen Ordnungsrecht, Kontinuität in der Förderung und Entlastungen beim Strompreis.“

www.waermepumpe.de