Wärmewende zum kleinen Preis: Die Infrarotheizung

Auf der 4. Konferenz der IG Infrarot in Würzburg stand im Mittelpunkt, wie Wohnungsbau und Sanierung einfacher, schneller und kostengünstiger umgesetzt werden können. Branchenvertreter sehen in Infrarotheizungen in Kombination mit PV und Speichertechnik eine wirtschaftliche Alternative zu klassischen wassergeführten Heizsystemen.

Teilnehmer sitzend Konferenz IG Infrarot in Würzburg
Die Konferenz der Infrarotheizungsbranche hat sich in der 4. Auflage als Branchentreffpunkt etabliert. Auf der Podiumsdiskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass Infrarotheizungen eine der Optionen zum bezahlbaren Bauen sein können. – © IG Infrarot Deutschland
Die Vorstände der IG Infrarot Deutschland freuen sich über die gelungene Konferenz: Lars Keussen (Moonich/3lectrify), Christoph Weiland (Welltherm) und Uwe Lucht (Lucht LHZ) (v. l.). – © IG Infrarot Deutschland
René Ebert VdZ und Kerstin Stratmann ZVEI
René Ebert vom VdZ und Kerstin Stratmann vom ZVEI im Gespräch. – © Si/ch
Prof Oschatz ITG Dresden und Heiko Schwarzburger
Prof. Bert Oschatz vom ITG Dresden und photovoltaik-Chefredakteur Heiko Schwarzburger waren sich nicht immer einig, aber konstruktiv in der Diskussion. – © Si/ch

Steigende Baukosten, komplexe Gebäudetechnik und hohe Anforderungen an die Energieeffizienz setzen Wohnungsbau und Sanierung zunehmend unter Druck. Auf der Fachkonferenz „Infrarotheizung: Schlüssel zum bezahlbaren Bauen und Wohnen“ diskutierten Branchenvertreter Mitte April 2026 über vereinfachte technische Konzepte und technologieoffene Lösungen.

Im Fokus standen dabei Infrarotheizungen als Alternative oder Ergänzung zu klassischen Heizungen. Nach Ansicht der IG Infrarot Deutschland könne der Verzicht auf wasserführende Wärmeverteilung Investitions- und Betriebskosten deutlich reduzieren.

Aufbruchstimmung mit politischen Rückenwind

Ihre 4. Konferenz sieht die Infrarot-Branche als Meilenstein. Standen auf den vorherigen Konferenzen wissenschaftliche Studien im Mittelpunkt, bekam die Branche jetzt viel Rückenwind aus der Politik und der Wohnungswirtschaft sowie von anderen Branchenverbänden.

Als Befürworterin der Infrarottechnik gilt die Landesbauministerin in NRW. Ina Scharrenbach sprach online zugeschaltet das Eröffnungsgrußwort (zum Video). Sie berichtete von einem Neubauprojekt in NRW, wo Infrarottechnik zum Einsatz kommt. Scharrenbach: „Es ist wirklich gelungen mit modernsten Standards hier für eine aus meiner Sicht sehr bezahlbare Miete zu sorgen, die wir ansonsten im Land Nordrhein-Westfalen bei Neubauten eigentlich nicht sehen, weil wir da häufig schon bei 15 bis 18 Euro sind, aber da ist es gelungen bei 13,50 Euro rauszukommen.“ Die Ministerin sprach sie sich ausdrücklich für Technologieoffenheit aus, die sie bei der Infrarotheizung sieht.

Technik vereinfachen, Kosten senken

Thomas Gerl auf Konferenz IG Infrarot

Der Bauunternehmer Thomas Gerl, Vorstand des BFW Landesverbandes Bayern, erläuterte, was er machen würde, wenn er Bundesbauminister wäre: „Wir müssen mit den Kosten runter“. Er fordert bessere steuerliche und finanzielle Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau, darunter eine Sonderabschreibung, KfW-Darlehen und eine Eigenheimzulage. Zugleich sieht er in der TGA einen zentralen Hebel: „Ich würde nicht den ganzen Keller mit Technik vollstopfen.

Talkshow-Bühne mit Spezialisten

Zum ersten Mal auf einer Infrarot-Tagung fand eine Podiumsdiskussion statt – lebendig, konstruktiv und mit sehr aktiven Mitmach-Publikum.

René Ebert von der Geschäftsleitung VdZ betonte: „Wenn schneller und günstiger gebaut werden soll, muss nicht nur über Material- und Finanzierungskosten gesprochen werden, sondern auch über Komplexität, Schnittstellen und Umsetzbarkeit. Und weiter: „Deshalb brauchen wir vor allem Gebäudetechnik, die einfacher planbar, schneller montierbar und im Betrieb beherrschbar ist.“

Kerstin Stratmann, Geschäftsführerin vom Fachverband Gebäudeenergie ZVEI, plädierte für den Blick auf das gesamte Energiesystem im Gebäude: „. Wenn wir über bezahlbares Bauen und Wohnen sprechen, ist Planungssicherheit der entscheidende Hebel. Technologisch geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern um das intelligente Zusammenspiel aller strombasierten Technologien im Gebäude: Wärmepumpe, Infrarotheizung kombiniert mit Photovoltaik, Heimspeicher, Lüftung und Energiemanagement.“

„Um zu bezahlbarem Bauen zu kommen, müssen wir insgesamt einen Schritt zurückgehen. Wir sollten robustere technische Lösungen umsetzen, die günstige Investitionen mit wenig Wartungsaufwand verbinden und geringe Gesamtkosten verursachen,“ sagte Prof. Dr. Ing. Bert Oschatz vom ITG Dresden.

Heiko Schwarzburger, Chefredakteur der Fachzeitschrift photovoltaik, rückte den solarelektrischen Ansatz in den Vordergrund. Statt nur über Heizung zu sprechen, müsse stärker über solarelektrische Vollversorgung gesprochen werden: „Das ist möglich und wirtschaftlich machbar.“Als Vorteile der Infrarotheizung nannte er die Enttechnisierung und die Reduktion auf ein Gewerk, das Elektrohandwerk.

Praxisbeispiele aus Neubau und Sanierung

Praxisbeispiele aus Neubau und Sanierung sollten die Wirtschaftlichkeit der Konzepte belegen. Vorgestellt wurde unter anderem ein modulares Mehrfamilienhaus mit 56 Wohnungen in Wuppertal. Das Gebäude setzt auf Infrarotheizungen, Photovoltaik und Batteriespeicher. Laut Projektverantwortlichen lagen die Investitionskosten deutlich unter einer vergleichbaren Lösung mit Wärmepumpe und Fußbodenheizung. Zum Projekt der Solid Modulbau.

Auch bei temporären Wohngebäuden für Geflüchtete in Karlstadt kam die Technik zum Einsatz. Ausschlaggebend waren laut Betreiber vor allem die schnelle Installation und die vergleichsweise niedrigen Investitionskosten. Zum Projekt der Vasner/MankeTech GmbH. Darüber hinaus zeigten die Referenten hybride Konzepte, bei denen Wärmepumpen und Infrarotheizungen gemeinsam eingesetzt werden. Zum Projekt von Etherma.

Das Fazit der Konferenz zog Elektroheizungsunternehmer Uwe Lucht, Vorstand der IG Infrarot Deutschland: „Die Konferenz hat gezeigt, dass die Infrarotheiztechnik unter anderem durch die einfache, platzsparende Technik, die Bezahlbarkeit und sinnvolle Einsatzmöglichkeiten zur Alleinbeheizung aber auch im Hybridsystem punktet. Das ist nun auch in anderen Branchen angekommen.“

Die nächsten Termine der Infrarotbranche stehen bereits fest: Der 7. Runde Tisch der Infrarotheizungsbranche und die 5. Konferenz der IG Infrarot Deutschland finden am 14. und 15. April 2027, erneut im Hotel Rebstock in Würzburg, statt.

www.ig-infrarot.de