Arbeitskleidung direkt beim Großhändler mitnehmen, statt separat bestellen – die neue Vertriebspartnerschaft zwischen der Workwear-Marke Schöffel PRO und Richter+Frenzel will den Einkauf für SHK-Betriebe vereinfachen.

Richter+ Frenzel (v. l.). – © Schöffel PRO
Was steckt konkret hinter diesem Angebot, und welchen Mehrwert hat ein Handwerksunternehmer davon? Ein Gespräch mit Thomas Bräutigam, Geschäftsführer Schöffel PRO, und Robert Oberberger, Geschäftsführer bei Richter+Frenzel, auf der IFH/Intherm 2026 zeigt die Hintergründe auf.
Si: Richter+Frenzel ist als Großhändler für Sanitär, Heizung, Klima bekannt – jetzt verkaufen Sie Arbeitshosen und Jacken. Wie kam es dazu, dass Sie Workwear ins Sortiment aufnehmen?
Robert Oberberger: Wir haben über unsere Tochterfirma, die WVG, schon immer einen Bezug zum Thema. So konnten wir über einen längeren Zeitraum den Markt intensiv beobachten und ein Gefühl dafür entwickeln, was der Handwerker wirklich braucht.
Wir waren daher auf der Suche nach moderner Arbeitskleidung, die den Ansprüchen der heutigen Handwerkergeneration gerecht wird. Bei den ersten Gesprächen mit Schöffel PRO hat uns der Zufall etwas geholfen, da sind wir sehr dankbar dafür.
Si: Schöffel ist als Outdoor-Marke bekannt. Schöffel PRO adressiert jetzt das Fachhandwerk. Was genau unterscheidet Ihre Workwear von dem, was SHK-Betriebe bisher tragen?
Thomas Bräutigam: Also grundsätzlich schreiben wir es uns auf die Fahne, dass wir Arbeitsbekleidung neu denken und das in verschiedenen Dimensionen – vom Design kommend über die Robustheit bis hin zum Wetterschutz.
» Wir sind der Überzeugung, dass das Thema Arbeitsbekleidung in der heutigen Zeit einen anderen Stellenwert verdient und auch schon genießt, als das noch vor 20 Jahren der Fall war. «
Da geht es um Themen wie Mitarbeiterwertschätzung und Außendarstellung, denen eine Arbeitsbekleidung heute zusätzlich gerecht werden muss. All diese Expertise, die bei uns im Haus vorhanden ist, bringen wir in diese Kollektionen mit ein.
Si: Gibt es nicht bereits ausreichend Markenkleidung für dieses Segment?
Bräutigam: Es gibt durchaus andere Marken, auch in der Workwear, ich glaube aber, dass es eben keine deutsche Marke gibt, die dieses Thema so begreift, wie wir es seit fünf Jahren angehen. Das sehen wir insbesondere darin, was den Tragekomfort betrifft. Ein Beispiel ist die eben benannte Robustheit, die wir auch an der Schautafel mit fünfmal so langer Haltbarkeit – zum Beispiel beim neuen Arbeitshosenmodell Meistermacher – dargestellt haben.
Zudem haben wir jüngst zum zweiten Mal hintereinander den German Design Award in der Kategorie Excellent Product Design – Industry gewonnen. Also auch bei den Themen Erscheinungsbild, Repräsentativität und Optik, die dem Träger sehr, sehr wichtig sind, und auch dem Unternehmer, dem Handwerksmeister, der den Betrieb leitet, und seinen Zielen mit Arbeitsbekleidung, werden wir gerecht.
Si: Wenn ein SHK-Unternehmer bald schon in einen ProfiStore von Richter+Frenzel geht – was erwartet ihn dort konkret an Workwear-Produkten?
Oberberger: Erstmal wird es nicht in allen ProfiStores von Richter+Frenzel die Workwear geben. Da dies für uns ein neuer Schritt ist, haben wir uns ganz bewusst dazu entschieden, dies anfangs an Pilotstandorten in Hessen einzuführen. Dort wird ein mit Schöffel PRO abgestimmtes Sortiment angeboten, mit dem wir die Marke dem Handwerker erst näherbringen und ihn schlussendlich davon begeistern möchten. Für Richter+Frenzel ist das wirklich etwas Besonderes: Zum ersten Mal bieten wir Arbeitskleidung nicht nur im Katalog, sondern direkt auf unserer Verkaufsfläche an.
Si: Kann der Handwerker dann die Kleidung direkt vor Ort anprobieren und mitnehmen oder läuft das über Bestellung und Lieferung?
Oberberger: In den teilnehmenden ProfiStores können Handwerksbetriebe die Schöffel PRO Workwear direkt vor Ort anprobieren und auch unmittelbar mitnehmen. Zusätzlich bieten wir eine zweite Option für alle, die lieber planen oder ergänzen möchten: Die Artikel können auch bestellt werden – entweder direkt im ProfiStore über unser Team vor Ort oder natürlich digital über unseren Online-Shop RF24.
Si: Sie sprechen von individueller textiler Zugehörigkeit. Was bedeutet das praktisch zum Beispiel für einen Fünf-Mann-Betrieb, der morgens auf die Baustelle fährt?
Bräutigam: Ich glaube, da gibt es zwei Dimensionen. Zum einen würde ich mich als Inhaber dieses Handwerksbetriebs von den anderen Gewerken vor Ort und auch von meinen Konkurrenten unterscheiden wollen.
» Zum anderen geht es darum, dass dieses Team, das dort vor Ort ist, eine Corporate Identity hat, eben einen einheitlichen Auftritt mit einer textilen Visitenkarte, die auf das Unternehmen schließen lässt. «
Man schweißt das Team zusammen, und dieses Teamgefühl verkörpert man eben auch mit Arbeitsbekleidung.
Si: Sie sagen, Sie wüssten genau, was „draußen gebraucht wird“. Wie haben Sie dieses Wissen konkret in die Auswahl der Kollektion
einfließen lassen?
Oberberger: Bei der Kollektion verlassen wir uns voll und ganz auf die langjährige Expertise von Schöffel PRO und nehmen keinen Einfluss auf Material und Design. Wir haben uns die Marke und deren Produkte im Vorfeld der Partnerschaft genau angeschaut und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das sehr gut in das Portfolio von Richter+Frenzel passt. Denn da muss ich Herrn Bräutigam zustimmen, eine professionelle und hochwertige Arbeitskleidung ist auch für die SHK-Unternehmen eine Wertschätzung für ihre Mitarbeiter. Richter+Frenzel ist als Großhandelsunternehmen immer nah am Handwerker dran. Für uns steht Service an oberster Stelle, da ist die Workwear von Schöffel PRO eine ideale Ergänzung.
Si: Haben Sie vielleicht Erfahrungswerte dahingehend, dass eine wertige Arbeitskleidung beim Recruiting junger Leute hilft?
Oberberger: Genau, hier profitieren wir vom Austausch mit unseren Plus-Installateuren, also mit den Mitgliedern unseres Handwerker-Clubs. Hier tauschen wir uns auch über solche Themen aus und es kommt auf jeden Fall das Feedback, dass Marken bei der Akquise von Personal genutzt werden und auch durchaus hilfreich sind. Dazu gehört dann natürlich auch die Marke der im Unternehmen verwendeten Arbeitskleidung.
Si: Arbeitskleidung im SHK-Bereich muss gewaschen, repariert, geflickt und ersetzt werden. Wie sieht das Servicekonzept hinter
der Kooperation aus?
Bräutigam: Also, zum einen achten wir von Haus aus in der Entwicklung der Produkte schon darauf, dass sie eben eine gewisse Haltbarkeit haben, und zum anderen gibt es seit vielen, vielen Jahren im Hause Schöffel noch die Service Factory. Das ist eine Einheit mit 15 Näherinnen, die Produkten aus dem Hause ein zweites Leben einhauchen. Das heißt, im Zweifel, wenn man eine Jacke hat, wo irgendwo ein Loch reingerissen wurde, kann man sie einschicken und bekommt sie entsprechend repariert zurück.
Si: Zum Thema Reinigung: Muss sich der Handwerksbetrieb darum selber kümmern?
Bräutigam: Ja, da kümmert sich der Handwerksbetrieb selber, insbesondere wenn man dann im größeren Stil an die Reinigung denkt. Was aber grundsätzlich sinnvoll ist, wenn man von Wetterschutz spricht, und wir haben zertifizierte Wetterschutzjacken, ist die professionelle Reinigung und Imprägnierung. Und auch diesen Service gibt es bei uns im Haus.

bei Richter+Frenzel, im Gespräch mit dem stellvertretenden Si-Chefredakteur Marcus Lauster (v. l.). – © Si
Si: Jetzt haben wir also geklärt, dass sich SHK-Betriebe mit Schöffel PRO vom Markt differenzieren können, aber wenn perspektivisch gesehen jeder Betrieb irgendwann Ihre Marke trägt, gibt es dann keinen Differenzierungsvorteil mehr oder gibt es noch eine Möglichkeit, ihre Arbeitskleidung zu individualisieren?
Bräutigam: Das wäre natürlich fantastisch, wenn ganz Deutschland unsere Marke trägt. Dann hätten wir in unserer Kooperation beide was davon. Von daher ist das sicherlich erstrebenswert, aber um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, ich glaube, das Thema Arbeitsbekleidung ist ein Milliardenmarkt. In diesem gehen wir jetzt seit einigen Jahren erste Schritte, erfolgreiche erste Schritte. Wir sind auch stark gewachsen in den ersten Jahren, beginnend mit einem Mann im Jahr 2021 hin zu jetzt über 60 Leuten, die sich in Schwabmünchen um das Thema Schöffel PRO kümmern. Also das ist eine kleine Erfolgsgeschichte, die wir da schreiben, und die schreiben wir gerne fort.
Si: SHK-Großhandel ist ein traditionelles Beziehungsgeschäft. Verändert ein Produkt wie Workwear die Rolle des Großhändlers ein Stück weit, also weg vom reinen Materiallieferanten hin zum Rundumausstatter?
Oberberger: Ich sehe durch das neue Angebot keine Veränderung,sondern eine Ergänzung unserer Rolle.
» Wir bieten schon jetzt viel mehr Dienstleistungen als die reine Bereitstellung von Material, quasi einen Rundumservice für unsere Handwerkspartner. Dazu gehören technische Unterstützung, Badberatung und die Just-in-time-Lieferung auf die Baustelle. Da passt das Thema Workwear einfach noch perfekt dazu. «
Und bei uns war das bisher eine Lücke im Sortiment. Wieso sollte man das Thema also anderen überlassen, wenn wir schon sehr nah am Handwerker sind und genau diese Lücke noch zusammen mit Schöffel PRO dann erfüllen können.
Si: Zum Schluss nochmal ein Blick nach vorne. Stellen Sie sich vor, Sie sind jetzt auf der nächsten IFH/Intherm, also in zwei Jahren wieder hier vor Ort. Wo wollen Sie mit Ihrer Kooperation dann stehen?
Bräutigam: Auf jeden Fall wieder gemeinsam hier, um Ihnen davon zu berichten, dass das, was wir jetzt begonnen haben, auch erfolgreich war. Wenn wir dies dann berichten können, glaube ich, haben wir vieles richtig gemacht.
Oberberger: Mein Wunsch wäre es, dass es nicht bei den Pilotstandorten geblieben ist, sondern dass zu dieser Zeit in allen 170 ProfiStores und Abholstandorten von Richter+Frenzel die Workwear von Schöffel PRO erhältlich ist. Das wäre ein toller Erfolg für beide Seiten.
Si: Dabei wünschen wir Ihnen viel Erfolg und freuen uns, wenn wir uns in zwei Jahren wieder hier in Nürnberg vor Ort treffen können.
Das Interview ist in der Si 5/2026 erschienen.
