Im ersten Halbjahr 2026 wurde in Deutschland rund 9 % mehr Solarstromleistung installiert als im Vorjahreszeitraum. Nach Einschätzung der Solarindustrie (BSW) und des Großhändlers EWS beruht das Plus jedoch vor allem auf Sondereffekten. Kleinere-PV-Anlagen auf Dächern könnten wieder stark rückläufig werden und damit auch das Geschäft fürs Handwerk.

Allein die Zahlen der installierten PV-Leistung zur Jahresmitte 2026 täuschen darüber, dass der deutsche PV-Markt stabil weiterwachsen könnte. Wie jedes Jahr veröffentlicht der BSW-Solar zur Intersolar Europe und ees Europe aktuelle Marktdaten. Die Zahlen beruhen auf den Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur. Positiv ist, dass Solarenergie in Deutschland zu einer der wichtigsten Stromquellen geworden ist. 2025 generierten die mittlerweile rund 6 Mio. PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 120 (GWp) rund 19 % der gesamten deutschen Nettostromerzeugung. Damit überholt Solarstrom den Strom aus Braunkohle und Erdgas.
Solarparks und Großbatterien wachsen
Der BSW Solar hat innerhalb des Solarmarktes zuletzt Verschiebungen zwischen den Marktsegmenten festgestellt. Wachstumstreiber sind derzeit vor allem ebenerdig errichtete Solarparks. Von Januar bis Mai 2026 gingen nach bisherigem Datenstand PV-Freiflächenanlagen mit einer Leistung von rund 3,4 GWp neu ans Netz. Das entspricht einem Plus von rund 36 % gegenüber dem Vorjahr.
Dynamischer als der Photovoltaikmarkt entwickelte sich der Markt für Batteriespeicher. In den ersten fünf Monaten 2026 wurden nach bisherigem Datenstand rund 225.000 neue Speicher mit einer Gesamtkapazität von etwa 3,4 Gigawattstunden (GWh) in Betrieb genommen, rund 70 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
PV-Aufdach-Anlagen noch stabil
In den ersten fünf Monaten 2026 entwickelte sich dagegen der Zubau auf Dächern rückläufig. Im Gewerbedachsegment mit Anlagen über 30 kWp sank die neu installierte Leistung um rund 30 %. Im Heimsegment mit Anlagen bis einschließlich 30 kWp lag der Rückgang bei rund 12 % Prozent. Zuletzt hat sich die Nachfrage nach kleinen Solaranlagen nach Branchenbeobachtung jedoch wiederbelebt. Gerade in den vergangenen Wochen habe die Nachfrage nach PV auf Wohngebäuden deutlich angezogen.
Als Ursachen nennt der BSW-Solar den gestiegenen Wunsch vieler Haushalte nach mehr Energieunabhängigkeit infolge der Energiekrisen im Zusammenhang mit dem Ukraine- und dem Iran-Krieg. Zusätzlich hätten die angekündigten Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums, die EEG-Förderung für neue Solaranlagen ab 2027 weitgehend abzuschaffen, in den letzten Wochen zu spürbaren Vorzieheffekten geführt.

Großhändler EWS: „Massiver Einbruch Aufdach-PV“
Auch der PV-Großhändler EWS hat den Photovoltaik-Markt im ersten Halbjahr 2026 anhand des MaStR zum 15. Juli analysiert und kommt ebenfalls zu einer zweigeteilten Bilanz. Die größer werdende PV-Freilandprojekte stabilisieren sich, aber der Aufdachbereich sei im Halbjahresvergleich zu 2025 „massiv eingebrochen“. Inklusive erwarteter Nachmeldungen wird der Juni voraussichtlich das Ergebnis des Vormonats erreichen, aber auch hier bleibe die Nachfrage in den Segmenten bis 750 kWp spürbar hinter den Vorjahren zurück.
Für das Solarfachhandwerk bieten die Auf- und. Nachrüstung bestehender PV-Anlagen mit Batteriespeichern, Energiemanagement und Ladeinfrastruktur zurzeit wichtige Umsatzpotenziale, so EWS. Die anhaltend unsicheren politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen bremsten jedoch eine weitere Investitionsbereitschaft vieler Marktteilnehmer und erschweren eine nachhaltige Marktentwicklung.
PV-Branche zwischen Marktchancen und Warteschleife
Die Solarbranche verfügt über innovative Konzepte und technische Lösungen für dynamische Stromtarife, neue Modelle der Direktvermarktung, stärkere Sektorenkopplung sowie intelligentes Energiemanagement – dies habe die diesjährige Intersolar gezeigt so EWS. Doch für Investitionen bzw. die Umsetzung fehlten weiterhin die notwendige Planungssicherheit.

EWS-Geschäftsführer Jan Paul Dahm:
„Der politisch verstärkte Trend zu Freiflächenanlagen, extrem dominante Online-Player mit zweifelhaftem Ruf, ein erstarkender Selbstbau-Markt und nicht zuletzt das politische Getöse rund um Netzengpässe gefährden das Image unseres Produkts. Die Ergebnisse des Solarmonitors verdeutlichen, dass eine von kompetenten Fachhandwerkern mit lokalen Ansprechpersonen gebaute PV-Anlage die Zufriedenheit des Endkunden am nachhaltigsten sicherstellt.“
Trotz des schwierigen Marktumfelds habe es auch positive Signale für das PV-Handwerk gegeben. Eine Studie des Europäischen Solarmonitors zeigt, dass lokale und regionale PV-Installationsbetriebe weiterhin eine dominante Rolle im Markt spielen. Die vielfach diskutierte Übermacht großer Anbieter bestätigt sich demnach nicht. Selbst die größten Unternehmen erreichen vergleichsweise geringe Marktanteile, die Mehrheit der Anlagen wird weiterhin von regionalen Solar-Profis geplant und installiert. Als entscheidender Erfolgsfaktor gelten die lokale Präsenz, Kundennähe sowie das notwendige Vertrauen bei Planung, Installation und Service.

Quellen: BSW Solar, EWS