„Um es vorweg zu nehmen: Das zurückliegende Geschäftsjahr 2016 war ein erfolgreiches Jahr für Nordwest“, sagten die beiden Nordwest-Vorstände Bernhard Dressler und Jörg Simon während der Bilanzpressekonferenz im Mai in Dortmund.
„Nordwest erreicht im abgelaufenen Geschäftsjahr insgesamt ein Gesamtvolumen in Höhe von 2.147,2 Millionen Euro und übersteigt damit das Vorjahr um 9,4 %. Das EBIT des Konzerns stieg um rund 39 % auf 7,0 Millionen Euro. Nordwest hat gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern und Mitarbeitern alle anvisierten Ziele in 2016 vollumfänglich erreicht und in Teilen sogar übertroffen. Für unsere Fachhandels- und Industriepartner sowie unsere Aktionäre sind wir somit der verlässliche Partner im Produktionsverbindungshandel“, sagten die beiden Vorstände weiter
Erfreulich ist die Anzahl angeschlossener Fachhandelspartner: Im Geschäftsjahr 2016 wurden per Saldo 36 neue Fachhandelspartner hinzugewonnen (75 Zugänge, 39 Abgänge). Damit gehören Nordwest per 31. Dezember 2016 insgesamt 957 Fachhandelspartner an.
Die Aktie der Nordwest Handel AG hat sich im Geschäftsjahr 2016 positiv entwickelt. Das Wertpapier schloss zum Jahresende bei 13,30 Euro und verzeichnete auf Jahressicht eine Kurssteigerung von 8,2 %. Nordwest befürwortet für 2016 eine Heraufsetzung der Ausschüttung an die Aktionäre und schlägt der Hauptversammlung am 18. Mai 2017 die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 0,43 Euro je Aktie, nach 0,30 Euro je Aktie im Vorjahr, vor. Es handelt sich um eine Steigerung um 43,3 %.
Die Geschäftsbereiche von Nordwest
Im Geschäftsbereich Stahl führte, nach einer unterjährig eher verhaltenen Preisentwicklung, der spürbare Anstieg der Stahlpreise zu Beginn des vierten Quartals zu einer deutlichen Steigerung der Einkaufsvolumina der Fachhandelspartner, die bis in das neue Jahr hineinreicht. Somit konnte das Vorjahresvolumen von 803,0 Millionen Euro auch im Geschäftsjahr 2016 erneut erreicht werden. Dabei gleicht ein deutliches Mengenwachstum von nahezu 7 % die insgesamt doch negative Preisentwicklung des Jahres vollständig aus. Ein außergewöhnlich gutes Ergebnis, welches am oberen Rand der Prognosen liegt.
Der Geschäftsbereich Bau-Handwerk-Industrie übertrifft die allgemeine Marktentwicklung deutlich und erreicht mit einer Steigerung von 7,4 % ein Gesamtvolumen von 842,1 Millionen Euro. Hervorzuheben ist hier, dass im Kernbereich Handwerk & Industrie sogar ein Wachstum knapp unter 10 % gelungen ist. Dass in diesem Segment die Ideen und Lösungen für die Nordwest- Fachhandelspartner flächendeckend angenommen und umgesetzt werden, haben nicht zuletzt die große Teilnahme und der intensive Austausch auf dem im September stattgefundenen Logistikevent in Gießen gezeigt. Insbesondere die neuen Konzepte zur kundenindividuellen Logistik, Fachhandelspartner 4.0 und Digitalisierung sind intensiv diskutiert worden.
Der Geschäftsbereich Haustechnik steigerte, bereinigt um die Auswirkungen angepasster Beschaffungswege des größten Haustechnikkunden, sein Geschäftsvolumen um 5,1 %. Unberücksichtigt dieser Tatsache erreichte der Haustechnikbereich insgesamt ein Gesamtvolumen von 246,5 Millionen Euro (-11,2 % gegenüber dem Vorjahr). Mit über 40 Millionen Euro ist dabei das Lagergeschäft weiterhin sehr erfolgreich.
Ungebrochen erfolgreich entwickelt sich der Geschäftsbereich TeamFaktor/Services. Der durch die Factoring-Aktivitäten geprägte Bereich erreicht zum Jahresende mit 255,6 Millionen Euro einen deutlichen Anstieg von 163,2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Diese Entwicklung steht aber erst am Anfang und wird sich auch in den Folgejahren fortsetzen.
Erfolgreich abgeschlossenes Neubau-Projekt
„Ein weiterer Meilenstein war in 2016 sicherlich der Umzug in unsere neue Konzernzentrale nach Dortmund. Auch hier gibt es mit uns keine Überraschungen. Sowohl der ambitionierte Zeitplan als auch das im Vorfeld abgesteckte Budget wurden exakt eingehalten“, berichten Bernhard Dressler und Jörg Simon. 14 Monate dauerten die Bauarbeiten auf Phoenix-West in Dortmund. Am 19. September 2016 hatten die Nordwest-Mitarbeiter ihren ersten Arbeitstag in der neuen Konzernzentrale. Seit 1945 hatte das Unternehmen seinen Sitz in Hagen. Dort stieß Nordwest in den letzten Jahren allerdings an seine Kapazitätsgrenzen, so dass man sich 2014 endgültig zum Umzug entschied.
Der Neubau bietet Platz für mehr als 400 Mitarbeiter, die Größe der Büro- und Ausstellungsfläche liegt bei 10.800 m² (inkl. Showroom). 20,2 Millionen Euro hat Nordwest in das Bauvorhaben investiert und damit das Budget eingehalten. Nach Abschluss der Arbeiten ist ein modernes Kompetenzzentrum und eine attraktive Ausstellungs- und Kommunikationsplattform für den Fachhandel entstanden.
Der Veränderungsprozess läuft auf Hochtouren
„Durch die neuen Marktgegebenheiten ist ein Veränderungsprozess für Nordwest und viele unserer Handelspartner unabdingbar geworden. Diesen haben wir angestoßen und sind jetzt sehr gut unterwegs. Die Aufbruchstimmung ist überall spürbar“, betont Vorstandsvorsitzender Bernhard Dressler. Direktvertreiber und der Online-Handel stellen die klassischen Fachhändler bereits seit längerem vor große Herausforderungen.
Wesentlicher Baustein in dem Veränderungsprozess war und ist die Strategie Drive Nordwest, die im vergangenen Jahr weiter optimiert und auf der Einweihungsfeier der neuen Unternehmenszentrale im April 2017 erstmals öffentlich vorgestellt wurde. Fünf der acht strategischen Erfolgsfaktoren der Strategie betreffen den Fachhandel direkt: Logistik, Einkaufskonditionen, Exklusivmarke, Digitalisierung und Service.
- Logistik: Im vergangenen Jahr hat Nordwest sein Zentrallager in Gießen einem umfangreichen Modernisierungsprozess unterzogen. Ziel ist es, dass größte und leistungsfähigste Lager im Produktionsverbindungshandel anzubieten und die Endkunden der Fachhändler direkt zu beliefern. Zusätzlich haben die Handelspartner die Möglichkeit, kundenspezifische Artikel einzulagern. Eine Bestellung gleich eine Lieferung wird Realität. Die Nordwest Fachhandelspartner gestalten damit ihre Logistik und ihre Prozesse deutlich kostengünstiger und leistungsfähiger.
- Einkaufskonditionen: Einkaufstandems führen nach detaillierter Marktanalyse die Verhandlungen mit Lieferanten und ein internationales Sourcing-Team ist in Asien und Osteuropa aktiv. In Verbindung mit internen Kostenreduzierungen können damit die Abgabepreise vom Lager an die Fachhandelspartner deutlich verbessert und somit die Wettbewerbsfähigkeit der Handelspartner nachhaltig erhöht werden.
- Exklusivmarken: Mit Promat für die Bereiche Werkzeuge, chemischtechnische Produkte, Betriebseinrichtung sowie Arbeitsschutz und Delphis für die Haustechnik bietet Nordwest seinen Fachhandelspartnern zwei starke Exklusivmarken. Sowohl Sortiment wie auch das professionelle Brand-Marketing werden kontinuierlich ausgebaut.
- Digitalisierung: Im vergangenen Jahr hat Nordwest verschiedene Maßnahmen angestoßen, die die Handelspartner in diesem weiten Feld fit für die Zukunft machen. Die Weiterentwicklung des erfolgreichen eShop, der Start des eShop Stahl und der deutliche Ausbau der Beratungsleistungen beim Fachhandelspartner zu Themen der Digitalisierung standen dabei auf der Agenda. Und auch am durchgängig elektronischen Workflow (papierlose Prozesse) mit den Fachhandelspartnern und Lieferanten wird mit Hochdruck gearbeitet.
- Service: Die oben genannten Maßnahmen und viele weitere Dienstleistungen formen ein umfassendes Serviceangebot von Nordwest für seine Fachhandelspartner. „Mit diesem Angebot soll gewährleistet werden, dass sich der Handelspartner auf seine wichtigste Aufgabe, den direkten Kontakt zu seinen Kunden bzw. die letzte Meile zum Kunden, konzentriert“, so Bernhard Dressler.
Ausblick auf das neue Geschäftsjahr
Bereits die ersten Monate des laufenden Geschäftsjahres haben gezeigt, dass auch 2017 ein Jahr voller Herausforderungen und Chancen sein wird. „Vor allem im Geschäftsbereich Bau-Handwerk-Industrie rechnen wir mit einer weiterhin guten Entwicklung über Markt. Das Marktumfeld im Stahlgeschäft dürfte dagegen spannend bleiben. Für den Bereich Haustechnik sind wir trotz einer Erweiterung des originären Geschäftsmodells nur zurückhaltend optimistisch. Im Geschäftsbereich TeamFaktor/Services rechnen wir mit einer sehr guten Entwicklung des Geschäftsvolumens und weiteren deutlichen Steigerungen“, sagte Nordwest-Finanzvorstand Jörg Simon.
Mit Blick auf die geschilderten Einflussfaktoren und Prämissen ist Nordwest für das Geschäftsjahr 2017 verhalten optimistisch und erwartet beim Geschäftsvolumen eine Entwicklung am oberen Rand von bis zu 6 % bis hin zu -4 % am unteren Rand gegenüber dem Vorjahr. Hier wird viel von der Entwicklung im Stahlbereich abhängen, insbesondere von der Preisentwicklung in 2017. Das operative Ergebnis sieht das Unternehmen mit einer gewissen Bandbreite bei rund 8,0 Millionen Euro, was einer Steigerung von 14 % entspricht.