Im ersten Halbjahr 2017 lag der Anteil von Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen an der Deckung des Strombedarfs in Deutschland erstmals bei 35 %. Dies haben vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ergeben.
Damit legte der Erneuerbaren-Anteil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozentpunkte zu, teilten ZSW und BDEW am 28. Juli mit. Mit 39,4 Mrd. kWh war Windkraft an Land erneut der größte Erzeuger von Ökostrom (1. Halbjahr 2016: 34,7 Mrd. kWh, Zuwachs von 13,6 %). Die höchste Zuwachsrate erreichte mit 47,5 % auf 8,8 Mrd. kWh erneut die Offshore-Windkraft (1. Halbjahr 2016: 5,9 Mrd. kWh). Der Beitrag der Biomasse erhöhte sich um 2,2 % auf 23,2 Mrd. kWh. Photovoltaik legte um 13,5 % auf 21,9 Mrd. kWh zu (1. Halbjahr 2016: 19,3 Mrd. kWh), hieß es aus Berlin.
Netzausbau hinkt hinterher
„Der gestiegene Beitrag der erneuerbaren Energien ist erfreulich. Leider hält der notwendige Netzausbau nicht annähernd Schritt mit dem Zuwachs an regenerativen Anlagen, weil durch politische Diskussionen viel Zeit verloren ging“, sagte Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung in Berlin. Um die immensen Kosten für die Stabilisierung der Netze zu senken, müssten Netzausbau und Erneuerbaren-Ausbau deutlich stärker miteinander verzahnt werden. „Auch in Zukunft werden wir zudem auf konventionelle Kraftwerke als Back-up für die Versorgungssicherheit nicht verzichten können“, betonte Kapferer.
Energieeffizienz als zentrale Säule
„Trotz der guten Nachrichten aus dem Strombereich gilt es weiterhin, die Energieversorgung als Ganzes in zuverlässiger, bezahlbarer und umweltverträglicher Art und Weise zu entwickeln und die Energiewende auf politischer und gesellschaftlicher Ebene voranzubringen. Dabei darf die Energieeffizienz als zentrale Säule nicht außer Acht gelassen werden“, ergänzte Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW. Denn die Rechnung ist laut Staiß „denkbar einfach: nicht benötigte Energie muss nicht erst erzeugt werden“.
Mehr Ökostrom aus Siedlungsabfällen
Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 (11,5 Mrd. kWh) ist der Anteil der Wasserkraft um 18 % auf 9,4 Mrd. kWh zurückgegangen. Der Anteil des geothermisch erzeugten Ökostroms hat sich laut ZSW und BDEW um 7 % auf 0,078 Mrd. kWh (0,084 Mrd. kWh) verringert. Der Anteil der Stromerzeugung aus Siedlungsabfällen (biogener Anteil 50 Prozent) stieg in der ersten Jahreshälfte hingegen um 7 % auf 3,0 Mrd. kWh (2,9 Mrd. kWh).