Die deutsche Gebäudearmaturenindustrie hat 2018 ihren Umsatz im Vorjahresvergleich um etwa 1 % erhöht und befindet sich damit auf dem Niveau von 2017.

Gründe für das Ergebnis lagen vor allen Dingen in der schwachen Nachfrage nach Heizungsarmaturen und den fehlenden Wachstumsimpulsen bei Sanitärarmaturen. Allein die erfreuliche Nachfrageentwicklung bei technischen Gebäudearmaturen verhinderte ein negatives Ergebnis, teilte der Fachverband Armaturen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am 21. Februar mit. „Nachdem im ersten Halbjahr 2018 vor allem positive Impulse aus dem europäischen Ausland noch Hoffnung auf ein dynamischeres Wachstum weckten, schwand diese im weiteren Jahresverlauf durch gleichermaßen rückläufige Geschäfte im In- und Ausland“, erklärt Wolfgang Burchard, Geschäftsführer des Fachverbandes Armaturen. Zum Jahresende schlug der Auslandsumsatz der Gebäudearmaturenhersteller mit plus 2 % zu Buche, das Inlandsgeschäft wuchs um 1 %.
Technische Gebäudearmaturen punkten
In den einzelnen Produktgruppen entwickelten sich die Umsätze unterdessen sehr unterschiedlich. Die Hersteller technischer Gebäudearmaturen konnten an die erfolgreiche Umsatzentwicklung des Vorjahres anknüpfen und steigerten ihren Gesamtumsatz um 6 %. Der Umsatz der Hersteller von Heizungsarmaturen hingegen ging im Inland um 9 % und im Ausland um 8 % zurück. Die Sanitärarmaturenindustrie erhöhte ihren Umsatz im Euroraum zwar um 4 %, musste im Inland sowie auf den außereuropäischen Märkten jedoch einen Rückgang um 3 % hinnehmen.
Frankreich, USA und China wichtigste Absatzmärkte
Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Export deutscher Gebäudearmaturen um 5,7 % auf insgesamt 3,22 Mrd. Euro. Die Liste der zehn größten Absatzländer führt wie im Vorjahr Frankreich an. Die Lieferungen in das Nachbarland erreichten einen Wert von 300 Mio. Euro. Die Baugenehmigungen gingen dort im 2. Halbjahr 2018 leicht zurück, aber das Wohnungsbaugesetz (Loi Elan) sollte dem Sektor wieder Schwung verleihen, heißt es weiter aus Frankfurt am Main.
Die USA belegten den zweiten Platz der wichtigsten Exportmärkte und haben sich damit gegenüber 2017 um einen Platz verbessert. Das Geschäft der deutschen Gebäudearmaturenindustrie wuchs um fast 15 % auf 259,3 Mio. Euro. Dabei stagnierte der US-amerikanische Wohnungsmarkt zwar, der Baubeginn vieler Mehrfamilienhäuser entfachte im Hochbau aber noch Nachfrageimpulse.
China folgte den USA auf dem dritten Platz, so der Fachverband Armaturen. Dabei verzeichnete der Export allerdings einen Rückgang von etwas mehr als 6 % auf 254,3 Mio. Euro. Die chinesische Bauwirtschaft setzte die Boomphase 2018 fort, aber auch die Preise für Wohnraum in den Städten der zweiten und dritten Reihe explodierten. Als Folge dessen ging die Zahl der Wohnungsverkäufe in vielen Städten zurück.
Bevorstehender Brexit hinterlässt bereits Spuren
Während die Lieferungen in andere wichtige Absatzmärkte mehr oder weniger auf Vorjahresniveau lagen, erwies sich das Auslandsgeschäft mit Großbritannien – vermutlich gerade wegen des bevorstehenden Brexits – als außerordentlich lebhaft. Das Geschäftsvolumen der deutschen Gebäudearmaturenindustrie stieg 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 30 % auf 216,4 Mio. Euro. Nochmal eindecken, bzw. Lager füllen lautete wohl die Devise, denn mit der Entwicklung des britischen Wohnungsbaus (+0,5 %) war der Hype nicht zu erklären, so der VDMA.
Branche ohne Wachstumserwartungen
Das Wirtschaftswachstum in Deutschland und der Eurozone schwächt sich ab. Das außenwirtschaftliche Klima ist rauer geworden. Die hohe Kapazitätsauslastung und günstige Finanzierungsbedingungen stimulieren zwar die Investitionsbereitschaft, doch die geopolitischen und weltwirtschaftlichen Unsicherheiten verstärken gleichzeitig Vorsicht. Der US-Handelsstreit, die unklaren Modalitäten für den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens sowie die hohe Staatsverschuldung Italiens sind Unwägbarkeiten, die die Branche laut dem Fachverband umtreiben. Das Forschungsnetzwerk Euroconstruct geht bis 2020 von einer deutlichen Abschwächung der Baukonjunktur aus. In Deutschland wird die Errichtung von Wohnungen in neuen Mehrfamiliengebäuden demnächst wohl an eine „natürliche“ Grenze kommen. Fachkräftemangel, die hohe Auslastung des Handwerks sowie vielerorts kaum noch verfügbare Bauflächen bremsen das Wachstum. „Wir gehen davon aus, dass sich 2019 für unsere Gebäudearmaturenhersteller zu einem Jahr der Genügsamkeit entwickeln wird, soll heißen zu einem Jahr mit Umsatz auf Vorjahresniveau“, prognostiziert Burchard.