Der insolvente Brennstoffhersteller German Pellets wird aufgespalten. Für die Werke des Holzverarbeiters haben sich zwei Investoren gefunden. Nur ein Teil der Arbeitsplätze soll entfallen.
Mehrere Werke des insolventen Holzverarbeiters German Pellets werden von Investoren übernommen. Der Finanzinvestor Metropolitan Equity Partners (MEP) aus den USA übernimmt das Stammwerk am Firmensitz in Wismar, wie Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde mitteilte. Das Unternehmen soll in Wismar Pellets umbenannt werden.
Die Werke in Ettenheim und Herbrechtingen (Baden-Württemberg) werden den Angaben zufolge durch die J. Rettenmaier & Söhne GmbH + Co KG aus Rosenberg (Baden-Württemberg) übernommen und weiter betrieben. An allen drei Standorten sollen fast alle Arbeitsplätze in der Produktion erhalten bleiben. In Wismar werde es aber in der Verwaltung zu Personalanpassungen kommen. Die Verhandlungen über das Werk in Torgau (Sachsen) laufen Schmudde zufolge noch. Ein Abschluss sei noch im Mai 2016 zu erwarten.
Expansion mit Anleihen finanziert
Die 2005 gegründete Firmengruppe German Pellets mit zuletzt Standorten in Deutschland, Österreich, Belgien und den USA beschäftigte rund 600 Mitarbeiter, davon 150 in Wismar. Das weitverzweigte Firmennetz zählte mehr als 20 Tochtergesellschaften. Dazu gehörte auch das erst im Januar gekaufte belgische Kohlekraftwerk in Langerlo in Genk, das aber Medienberichten zufolge kurze Zeit später aus dem Firmenvermögen der Gruppe an eine Wiener Gesellschaft weitergereicht worden sein soll.
German Pellets, nach eigenen Angaben einst weltweit größter Produzent und Händler von Holzschnitzeln zum Heizen, hatte seine Expansion maßgeblich mit Anleihen finanziert. Vermutlich weit mehr als 12.000 Menschen legten Geld in den hoch verzinsten Anleihen an, deren Kurs dramatisch eingebrochen ist, oder erwarben Genussscheine und Genussrechte. Die Firma steht den Angaben zufolge bei Anlegern mit mehr als 220 Millionen Euro in der Schuld.
Anfang Februar 2016 hatte German Pellets eine Gläubigerversammlung, bei der es um die Verlängerung einer zum 1. April 2016 fälligen Anleihe über 52,4 Millionen Euro gehen sollte, ohne Angaben von Gründen abgesagt und Insolvenz angemeldet. Experten gehen davon aus, dass Anleger nur geringe Chancen haben, ihr Geld zurückzubekommen. Bei der Staatsanwaltschaft in Rostock gingen Anzeigen wegen Betruges von Privatanlegern ein. Zudem erstatteten Geschäftspartner Anzeigen wegen des Verdachts der Unterschlagung.
