Energieberater lehnen Abschaffung der 65-%-Regel ab

Die ersatzlose Streichung der 65-%-Regel für erneuerbare Heizenergie im Entwurf des Gebäude-Modernisierungs-Gesetzes (GMG) wird von drei Vierteln der Energieberater negativ beurteilt. Sie wünschen sich, wie eine Sirius Campus Marktuntersuchung ergab, Kontinuität in der Förderpolitik und höhere Förderungen für Gebäudehüllen.

Energieberater lehnen Abschaffung der 65-%-Regel ab. Das ergab die Sirius Campus Untersuchung „Monitor zur Energiewende: Perspektive der Energieberatenden“.
Energieberater lehnen Abschaffung der 65-%-Regel ab. Das ergab die Sirius Campus Untersuchung „Monitor zur Energiewende: Perspektive der Energieberatenden“. – © Sirius Campus

Drei Viertel (77%) der Energieberater beurteilen die geplante Abschaffung der 65-%-Regel für erneuerbare Heizenergie (§§71 / 72 GEG) mit mittelmäßig oder schlecht. Viele sehen darin eine Unterwanderung der Klimaschutzziele. Das ergab die Sirius Campus Marktuntersuchung „Monitor zur Energiewende: Perspektive der Energieberatenden“ von

Am häufigsten befürchten Energieberater deswegen eine langfristige Kostenfalle für fossile Heizungsnutzer (70 %), Verunsicherung von Wohneigentümern und Immobilienbesitzern (61 %) und weniger Interesse an energetischen Sanierungen (43 %). Nur ein Fünftel (21 %) der Energieberater beurteilt die Abschaffung der 65-%-Regel als gut oder besser. Sie sehen darin keine Gefahr für den Absatz von Wärmepumpen und erkennen mehr Freiheit beim Heizungsaustausch.

Deutlich positiver als das geplante GMG wird die Zusammenarbeit mit Förder-Durchführern beurteilt. So konnte sich der Förderservice auf einer 5-stufigen Benotungsskala von „sehr schlecht“ bis „sehr gut“ durch das BAFA seit 2023 von „schlecht (+)“ auf „gut (-)“deutlich verbessern. Der KfW-Service wird von Energieberatern in diesem Jahr wie auch schon in 2023 mit „gut“ beurteilt.

Die Marktuntersuchung

Bei der Sirius Campus Marktuntersuchung „Monitor zur Energiewende – Perspektive der Energieberatenden“ handelt es sich um eine repräsentative Befragung unter den Verbandsmitgliedern des Bundesverbands für unabhängige Energieberatende (GIH), des Deutschen Energieberatende-Netzwerks (DEN) und des Zentralverbands Deutscher Schornsteinfeger (ZDS). Diese jährliche Untersuchung wurde im März 2026 mit 726 Online-Interviews zum vierten Mal seit 2023 durchgeführt.

Deutlich positiver als das geplante GMG wird die Zusammenarbeit mit Förder-Durchführern beurteilt.
Deutlich positiver als das geplante GMG wird die Zusammenarbeit mit Förder-Durchführern beurteilt. – © Sirius Campus

Höhere Förderungen für Gebäudehüllen gewünscht

Die derzeitigen Bundesförderungen für energetische Gebäudesanierungen werden von der Hälfte (52 %) der Energieberater als mittelmäßig oder schlecht beurteilt. Die andere Hälfte (45 %, Vorjahr: 50 %) findet die Förderungen mindestens gut. Vor allem Kontinuität in den Bundesförderungen (69 %) und höhere Fördersätze für Gebäudehüllen (60 %) wünschen sich Energieberater als Verbesserungen.

„Durch sehr markante und emotionale Aussagen haben viele Energieberatende ihre große Enttäuschung über den GMG-Entwurf zum Ausdruck gebracht. Vor allem ganz konkrete Risiken durch Verfehlen der Klimaschutzziele, drohende EU-Strafen und Fehlentscheidungen beim Sanieren werden in den meist sachlichen Kommentaren hervorgehoben“, kommentiert Dr. Oliver Gaedeke, Geschäftsführer und Gründer der Sirius Campus GmbH, die Ergebnisse.

Denn im Alltag erleben Energieberater immer noch bei zwei Dritteln (63 %) ihrer Kunden große Uninformiertheit und Orientierungslosigkeit. Auch die Risiken beim Einbau von Gas- und Ölheizungen sind 56 % der Kunden von Energieberatern unbekannt.

„Die vielbeschworene Entscheidungsfreiheit benötigt entweder eine hohe Kompetenz oder regulierende Leitplanken, z. B. durch Pflichtberatungen oder Vorschriften. Da die Fachkompetenz in viele Haushalten fehlt und gleichzeitig die Leitplanken abgeschafft werden sollen, drohen massenhafte Fehlinvestitionen in fossile Heizungen“, gibt Dr. Gaedeke zu bedenken.

Anzahl der Energieberatungen nimmt wieder zu

Für das Jahr 2025 berichten Energieberater von im Durchschnitt 54 Durchführungen oder Mitwirkungen in Förderprogrammen bzw. -projekten. Im Vergleich zu 2024 mit durchschnittlich 40 Beratungen pro Energieberater ist das eine Steigerung um 35 %. Nachfragebedingt ist die Fachberatung zum Energiesparen für das Haus-Wohneigentum (ca. 12,3 Mio.) viel häufiger als für die geringere Anzahl an KMUs (ca. 3,2 Mio.), Wohneigentümergemeinschaften (ca. 440 Tausend) oder Kommunen (ca. 10 Tausend). durchgeführt worden. Sanierungen von Wohngebäuden werden am häufigsten mit BEG-Komplettförderungen und BEG-Einzelmaßnahmen sowie individuellen Sanierungsfahrplänen durch Energieberater begleitet.

Der steigende Beratungsbedarf wird auch am konstant hohen Commitment für die eigene Tätigkeit der Energieberater deutlich. Drei Viertel (77%) planen wahrscheinlich oder bestimmt noch in zwei Jahren als Energieberater zu arbeiten. Fast zwei Drittel (63 %) planen ihre Tätigkeit weiter auszubauen. Die zwei größten Herausforderungen der Energieberatungsbranche werden bei hohen Material- und Handwerkerpreisen (75 %) sowie Konkurrenz durch automatisierte und preisgünstige Online-Energieberatungen (55 %) gesehen. Dagegen nimmt der wahrgenommene Handwerkermangel kontinuierlich ab. Nur noch ein Viertel (25 %) der Energieberater sehen hierin eine Herausforderung, vor zwei Jahren waren es noch 36 %. Weitere Informationen zum Monitor gibt es hier.

www.siriuscampus.de