Fachinformation: Wohnungslüftung mit WRG berechnen

Veraltete Standardwerte lassen Wohnungslüftungen mit WRG in energetischen Berechnungen nahezu wirkungslos erscheinen. Hintergrund dazu ist, dass die BEG aktuell noch auf die DIN V 18599 und noch nicht auf die aktuelle DIN/TS 18599 referenziert. Eine von acht Verbänden erstellte Fachinformation zeigt, wie bereits heute Effizienzgewinne von 25 % errechnet werden können.

Die acht Verbände BDH, FGK, VfW, DEN, GIH, HEA, ZDS und ZIV haben eine Fachinformation für Handwerk und Fachplanung erstellt, die dazu rät, nicht nur auf Standardklicks bei der Auslegung einer Wohnungslüftung mit WRG zu setzen, sondern genauer hinzusehen und mit den verbesserten Vergleichswerten, am besten aber mit den Herstellerrealwerten zu rechnen.

Mit den richtigen Klicks zu mehr Effizienzgewinn

Veraltete Standardwerte lassen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung in energetischen Berechnungen nahezu wirkungslos erscheinen.

Falsche Bilanzierung gefährdet sinnvolle Investitionen

Die BEG WG fordert in der neuen Fassung für alle Effizienzhausklassen bis EH 55:

BEG WG TMA 1: Der Bauherr ist bei der Entwicklung des energetischen Gesamtkonzepts zu den Effizienzgewinnen einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung zu beraten. Dabei ist eine Ausführungsvariante der Effizienzhausberechnung mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für alle Nutzungseinheiten […] zu erstellen, und dem Bauherrn zu erläutern und zu übergeben.

Die derzeit übliche Berechnungspraxis hat dabei nicht nur Auswirkungen auf Energieausweise und Effizienzhausklassen. Sie beeinflusst auch unmittelbar die Beratung von Bauherren, die Auswahl der Anlagentechnik und die Wirtschaftlichkeitsbewertung von Investitionen. Wird die Wärmerückgewinnung mit unrealistisch schlechten Kennwerten bilanziert, kann eine technisch und klimapolitisch sinnvolle Anlage bereits in der frühen Planungsphase ausscheiden.

Eine sachgerechte Bilanzierung ist daher keine formale Detailfrage. Sie entscheidet mit darüber, ob Lüftungstechnik als zentraler Bestandteil energieeffizienter Gebäude erkannt und eingesetzt wird.

Verbesserte Kennwerte müssen zum Berechnungsstandard werden

Solange die neue DIN/TS 18599 noch nicht vollständig in den Berechnungsprogrammen umgesetzt ist, müssen nach Ansicht der Unterzeichner bei Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung mindestens die verbesserten Kennwerte nach DIN V 18599-6 verwendet werden. Marktübliche Lüftungsanlagen gehen mit Herstellerkennwerten noch deutlich über diesen Standard hinaus.

Hintergrund

Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung kann den Primärenergiebedarf eines Gebäudes erheblich reduzieren. In aktuellen Berechnungen wird dieser Vorteil noch nicht sichtbar. Ursache ist nicht die aktuelle Technik, sondern häufig die Verwendung veralteter Standardwerte.

Die BEG verweist derzeit noch auf die DIN V 18599:2018. Die im Oktober 2025 veröffentlichte DIN/TS 18599 bildet den heutigen technischen Stand besser ab, ist aber noch nicht als Berechnungsgrundlage in den BEG-Richtlinien verankert. Bis zu einer entsprechenden Anpassung und der anschließenden Umsetzung in den Berechnungsprogrammen bleibt deshalb die ältere Normfassung maßgeblich. Nach aktuellem Stand sollen dagegen im GModG ab 01.01.2027 beide Versionen parallel Anwendung finden.

Das hat erhebliche Folgen: Wird eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung lediglich mit den voreingestellten Standardkennwerten der DIN V 18599-6 berechnet, werden ein Wärmebereitstellungsgrad von nur 60 %, eine spezifische Ventilatorleistung von 0,55 W/(m³/h) und ein veralteter AC-Ventilatormotor angesetzt. Die energetische Wirkung einer heute marktüblichen Anlage wird dadurch massiv unterschätzt.

Einfluss der Produktkennwerte auf Effizienzhausstands.
Einfluss der Produktkennwerte auf Effizienzhausstands. – © Christoph Scholte, Zehnder Group Deutschland GmbH/ BDH e. V.

Ein Klick entscheidet im Musterhaus über EH 55 oder EH 40

Wie groß der Effekt sein kann, zeigt die Berechnung (siehe Grafik) eines freistehenden Musterhauses mit 191,3 m2 Nettogrundfläche, Luft-/Wasser-Wärmepumpe, Fußbodenheizung und einem 300-l-Warmwasserspeicher.

Ohne Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung liegt der Primärenergiebedarf in der Beispielrechnung bei 43,2 kWh/(m²·a). Das Gebäude erreicht den Standard Effizienzhaus 55.

Wird eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung lediglich mit den voreingestellten Standardwerten berechnet, sinkt der Primärenergiebedarf nur unwesentlich auf 42,4 kWh/(m²·a). Die rechnerische Einsparung beträgt damit lediglich 1,9 %. Das Gebäude bleibt ein Effizienzhaus 55. Für Bauherren und Planer entsteht so der falsche Eindruck, die Investition in Wärmerückgewinnung bringe energetisch kaum einen Vorteil.

Schon durch die Auswahl der verbesserten Kennwerte nach DIN V 18599-6 – 80 % Wärmebereitstellungsgrad, 0,35 W/(m³/h) Ventilatorleistung und DC-Motor – sinkt der berechnete Primärenergiebedarf dagegen auf 36,8 kWh/(m²·a). Das entspricht einer Reduzierung um 14,8 %. Im Musterhaus wird damit der Sprung vom Effizienzhaus 55 zum Effizienzhaus 40 erreicht.

Werden die tatsächlichen Herstellerkennwerte des vorgesehenen Geräts angesetzt – im Beispiel 91 % Wärmebereitstellungsgrad und 0,18 W/(m³/h) Ventilatorleistung – reduziert sich der Primärenergiebedarf bis auf 33,0 kWh/(m²·a). Gegenüber der Variante ohne Wärmerückgewinnung entspricht dies einer Verringerung um 23,6 %.

Statements

Hierzu sagt Dr. Julian Schwark, Vorstand Energie, ZIV: „Eine kundenorientierte Bilanzierung ist entscheidend dafür, dass der tatsächliche energetische Nutzen moderner Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung auch in der Beratung sichtbar wird. Hierbei können die verbesserten Kennwerte der DIN V 18599-6 beziehungsweise belastbare Herstellerkennwerte eine große Hilfe sein.“

Arne Kruft, Vorstand Technik, GIH, betont: „Lüftung ist heute mehr als eine Frage der Energieeinsparung im Winter. Angesichts der Erderwärmung müssen wir Gebäude auch an zunehmende Hitze und weitere Klimafolgen, wie z.B. Insekten und Feinstaub, anpassen. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung kann dabei einen wichtigen Beitrag zu einem angenehmen, hygienischen und resilienten Raumklima leisten.“

Jutta M. Betz, Vorstand DEN, betont: „Viele Energieberater verlassen sich in der täglichen Praxis auf Ihre Software, wenn es darum geht, die umfangreichen DIN V bzw. TS 18599 anzuwenden, deshalb ist es gut hier mit einer FAQ das Bewusstsein zu schärfen.“

www.bdh-industrie.de

www.den-ev.de

www.fgk.de

www.gih.de

www.hea.de

www.schornsteinfeger.de

wohnungslueftung-ev.de

www.zds-schornsteinfeger.de