Fernwärme-Analyse in 30 Großstädten untersucht KWK-Anlagen

Das Climate-Tech-Unternehmen Purpose Green hat untersucht, wie gut die 30 größten deutschen Städte mit Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen für die Fernwärme ausgestattet sind. Mannheim, Karlsruhe und Frankfurt am Main besitzen die beste Wärmeleistung pro Einwohner. Städte aus NRW führen beim Einsatz von nicht-fossilen Energieträgern.

Schnittgrafik Heizkraftwerk , KWK für Fernwärme
Purpose Green hat untersucht, wie gut die 30 größten deutschen Städte mit KWK-Anlagen für die Fernwärme ausgestattet sind. Im Bild die Schnittgrafik des BHKW Leipzig Nord-West. – © Stadtwerke Leipzig

Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet deutsche Großstädte, bis Mitte 2026 eine kommunale Wärmeplanung vorzulegen. Laut der Deutschen Energie Agentur (dena) deckt Fernwärme in Deutschland derzeit rund 10 % Prozent des gesamten Wärmebedarfs und spielt insbesondere in Städten eine zentrale Rolle für die Wärmeversorgung.

In einer aktuellen Untersuchung hat Purpose Green, Spezialist für energetischen Sanierung und Transformation von Gebäuden, analysiert, wie die 30 größten deutschen Städte bei der Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen) aufgestellt sind. Sie speisen ein Großteil der erzeugten Wärme in Fernwärmenetze. Für die Dekarbonisierung von Gebäuden kann laut Purpose Green KWK eine wichtige Rolle spielen, da sie den Brennstoffeinsatz reduziert und sich perspektivisch auf klimaneutrale Energieträger umstellen lässt.

Stuttgart: beste Dichte an KWK-Anlagen

Als Quelle der Erhebung dient das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, das eine vollständige Liste aller registrierten KWK-Einheiten in Deutschland einschließlich ihrer technischen Stammdaten und Leistungsangaben enthält. Demnach führt Berlin in absoluten Zahlen mit 1.708 KWK-Einheiten das Rennen an, gefolgt von Hamburg mit 999 und Stuttgart mit 577 Einheiten. Das Schlusslicht bildet Mannheim mit 66 Einheiten vor Gelsenkirchen mit 78 sowie Kiel mit 89 Einheiten.

Da absolute Anlagenzahlen stark von der Größe einer Stadt abhängen, wurden die Werte zusätzlich ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt, um die tatsächliche Versorgungsdichte vergleichbar zu machen. Setzt man die Anzahl der KWK-Einheiten in Relation zur Bevölkerung, belegt Stuttgart mit 9,42 Einheiten pro 10.000 Einwohner den Spitzenplatz vor Münster mit 8,30 und Wiesbaden mit 8,20 Einheiten. Im Gegensatz dazu belegen Mannheim mit 2,08, Duisburg mit 2,53 und Gelsenkirchen mit 2,91 Einheiten pro 10.000 Einwohner die letzten Plätze.

Beste Wärmeleistung pro Einwohner: Mannheim führt

Der zentrale Zweck von KWK-Anlagen liegt in der thermischen Nutzleistung, also der Wärme, die tatsächlich genutzt und in Fernwärmenetze eingespeist wird. Diese Größe ist maßgeblich für die Bedeutung von KWK in der Fernwärme. Auch hier ist Berlin Spitze mit 3.993 MW thermischer Nutzleistung und verweist Köln (2.383 MW) auf den zweiten und Mannheim (2.050 MW) auf den dritten Platz.

Mönchengladbach hat mit 10,03 MW die mit Abstand schlechteste Wärmeleistung. Auf 10.000 Einwohner bezogen führt Mannheim mit 64,48 MW. Karlsruhe sichert sich mit 32,70 MW den zweiten Rang vor Frankfurt am Main mit 26,64 MW thermische Nutzleistung pro 10.000 Einwohner. Mönchengladbach rangiert mit 0,38 MW Wärmeleistung pro 10.000 Einwohner ganz am Ende, vor Dortmund (1,06 MW) und Essen (2,26 MW).

Einsatz von Erneuerbaren für KWK

Die Analyse zeigt, dass der Betrieb der KWK-Anlagen in Deutschland derzeit überwiegend auf fossilen Energieträgern wie Erdgas sowie Kohle und Mineralölprodukten basiert. Daneben gibt es bereits KWK-Anlagen, die nicht-fossile Brennstoffe wie Biomasse, Klärschlamm oder Geothermie nutzen. Ihr Anteil ist bislang jedoch deutlich kleiner als der fossil dominierte Bestand. Münster führt das Ranking hier mit 33 KWK-Einheiten für erneuerbare Energieträger an, was einem Anteil von 11,50 Prozent entspricht. Es folgen Bielefeld mit 28 Einheiten (10,77 Prozent) und Aachen mit 16 Einheiten (8,84 Prozent). Am unteren Ende liegen München mit acht Einheiten (1,52 Prozent), Gelsenkirchen mit einer Einheit (1,22 Prozent) sowie Karlsruhe, wo bislang keine KWK-Einheiten für erneuerbare Energieträger installiert sind.

„Unsere Analyse zeigt, dass der Anteil erneuerbarer Energieträger in der Fernwärme der untersuchten Städte derzeit im Durchschnitt bei nur 4,63 % liegt. Solange Fernwärme damit überwiegend auf fossiler KWK basiert, schlagen steigende CO₂-Kosten unmittelbar auf Wärme- und Energiepreise durch, ohne Ausweichmöglichkeiten für die Verbraucher. Die Dekarbonisierung der Fernwärme ist deshalb nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern eine zentrale Voraussetzung für langfristig stabile und sozialverträgliche Wärme- und Energiepreise“, unterstreicht Lennart Christel, Co-Founder und Geschäftsführer von Purpose Green.

Ranking nach der absoluten elektrischen KWK-Leistung

Da KWK-Anlagen den eingesetzten Brennstoff gleichzeitig zur Strom- und Wärmeerzeugung nutzen, erreichen sie deutlich höhere Wirkungsgrade als andere Formen der Energieerzeugung. Dabei bezeichnet die elektrische KWK-Leistung die installierte elektrische Nennleistung der Anlagen, also ihre maximale Stromerzeugungskapazität. In absoluten Zahlen führt Berlin auch hier das Ranking an: Die dort installierten KWK-Einheiten verfügen über eine elektrische Leistung von 2.305 MW. Es folgen Köln mit 1.211 MW und Nürnberg mit 1.067 MW. Mönchengladbach weist mit 8 MW die geringste elektrische KWK-Leistung auf. Bei der Betrachtung pro Kopf liegt Mannheim mit 26 MW je 10.000 Einwohner vor Nürnberg (20 MW) und Duisburg (18 MW). Schlusslicht ist erneut Mönchengladbach mit 0,31 MW je 10.000 Einwohner.

Hier zur komplette Untersuchung KWK-Anlagen für Fernwärme.

www.purpose-green.com