Fossiler Rückschritt? Allianz fordert Kurskorrektur beim GMG

Screentshot: Die Initiative „Wärmewende retten!“ fordert einen verlässlichen Ordnungsrahmen für den Wärmemarkt. Kritisiert werden fehlende Alternativen zur 65-%-Regel sowie unklare Steuerungsinstrumente im geplanten GMG.
Die Initiative „Wärmewende retten!“ fordert einen verlässlichen Ordnungsrahmen für den Wärmemarkt. Kritisiert werden fehlende Alternativen zur 65-%-Regel sowie unklare Steuerungsinstrumente im geplanten GMG. – © Screenshot www.waermewenderetten.de (Stand 10.04.2026)

Die geplante Ausgestaltung des Gebäudemodernisierungsgesetzes steht in der Kritik: Eine Allianz aus kommunalen Unternehmen, Versorgern und Verbänden warnt vor fossilen Fehlentscheidungen, Investitionsunsicherheit und einem möglichen Rückschritt bei der Wärmewende.

Eine Allianz aus kommunalen Unternehmen, Versorgern und einem Spitzenverband unter Initiative der LBD-Beratungsgesellschaft warnt vor den Folgen des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) in seiner aktuell geplanten Ausgestaltung. Die im Eckpunktepapier der Regierungsfraktionen skizzierten Reform habe das Potenzial, die Wärmewende auszubremsen, Investitionen zu entwerten und die deutschen wie europäischen Klimaziele zu gefährden. Statt für Planungssicherheit zu sorgen, könne das Vorhaben neue Marktverzerrungen und Fehlanreize schaffen – angesichts der aktuellen geopolitischen Verwerfungen ein falsches Signal für Resilienz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit der Energieversorgung.

Warnung vor fossilem Lock-in

Im Zentrum der Kritik steht die geplante Abschaffung der bisherigen 65-%-Regel, ohne gleichwertige und klar ausformulierte Ersatzinstrumente einzuführen. Aus Sicht der Allianz ist dieser Schritt überstürzt. Er könne dazu führen, dass Gebäudeeigentümer wieder verstärkt in fossile Heiztechnologien investieren. Damit drohe ein Lock-in-Effekt über Jahrzehnte – mit erheblichen Folgen für den Wärmemarkt, Infrastrukturentwicklung und den Klimaschutz. Zugleich bleibe offen, wie zentrale neue Steuerungsinstrumente wie Biotreppe und Grüngasquote konkret wirken sollen. Auch die Verzahnung mit dem Wärmeplanungsgesetz und der EnWG-Novelle sei bislang nicht ausreichend geklärt. Ohne einen verlässlichen Rahmen fehlten Kommunen, Netzbetreibern, Investoren und Gebäudeeigentümern die nötige Planungs- und Investitionssicherheit. Gleichzeitig werde die Chance verpasst, das Energiesystem Schritt für Schritt resilienter aufzustellen.

Laut der Analyse reicht es nicht, bestehende Regeln abzuschaffen und spätere Nachbesserungen in Aussicht zu stellen. Notwendig sei ein Ordnungsrahmen, der vergleichbare und verbindliche Vorgaben für alle Infrastrukturen und Energieträger schaffe. Nur so lasse sich ein fairer Systemwettbewerb organisieren und die Wärmewende wirksam steuern.

Konkrete Forderungen

Die Allianz fordert deshalb, die Anforderungen an erneuerbare Energien im Wärmemarkt klar und planbar auszugestalten. Eine Möglichkeit dieses umzusetzen ist, die Erneuerbaren-Anteile für Wärmenetze gemäß Wärmeplanungsgesetz beizubehalten. Zudem solle die Biotreppe bereits 2027 mit 15 % starten, bis 2030 auf 30 % und bis 2040 auf 80 % steigen. Auch brauche es ein klares Bekenntnis, die Grüngasquote so auszugestalten, dass sie echte Anreize setze und spätestens bis Mitte der 2030er-Jahre Wirksamkeit im Markt entfalte. Resilienz gewinne in diesem Kontext an Bedeutung. Die angeschobene Transformation senke die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffen und erhöht die Wertschöpfung in Deutschland bzw. der EU.

Ohne klare Leitplanken drohten nicht nur Fehlentscheidungen bei Heizungsinvestitionen, sondern auch steigender politischer Druck, Klimavorgaben später wieder aufzuweichen. Das würde die Emissionsziele im Gebäudesektor gefährden, den Staat sowie Verbraucher und insbesondere Mieter finanziell belasten und die Abhängigkeit von volatilen Brennstoffimporten verlängern.

„Die geplanten Regelungen greifen zu kurz, schaffen neue Unsicherheiten im Markt und gefährden die Resilienz des Energiesystems“, sagt Carsten Diermann, Prokurist der LBD-Beratungsgesellschaft und Autor der Analyse. „Wer die 65-Prozent-Regel abschafft, ohne klare Alternativen zu definieren, öffnet die Tür für fossile Fehlentscheidungen.“ Gleichzeitig droht ein Vertrauensverlust bei Investoren, die bereits in klimafreundliche Lösungen investiert haben. „Wenn die Politik die falschen Signale setzt, verlieren wir Jahre – und das können wir uns nicht leisten.“, sagt Diermann. „Die Wärmewende entscheidet sich jetzt.“

Über die Initiative „Wärmewende retten!“

„Wärmewende retten!“ ist eine Allianz aus kommunalen Unternehmen, Versorgern und einem Spitzenverband unter Initiative der LBD-Beratungsgesellschaft. Ziel ist es, den Gesetzgebungsprozess für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz konstruktiv zu begleiten und die Perspektiven der Praxis in die politische Entscheidung einzubringen. Die Allianz ist offen für weitere Unterstützer.

Liste der unterstützenden Organisationen

Die vollständige Analyse finden Sie unter folgendem Link.

www.waermewenderetten.de