„Frauen im Handwerk – Zukunft gestalten“ ist Titel der Fachtagung des Bundesverbands der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH), die am Freitag, 10. März, erstmals auf der Internationalen Handwerksmesse stattfindet.

Zu Gast sind unter anderem Trendforscherin und Wirtschaftsethikerin Dr. Monique R. Siegel und Bibiana Steinhaus, die als Schiedsrichterin der Fußball-Bundesliga der Herren weiß, wie man sich in einer von Männern dominierten Branche durchsetzt.
Frauen im Handwerk
Ein Drittel (32,1 %) der Beschäftigten im Handwerk ist weiblich, rund 24 % der dortigen Betriebsgründungen wird von Frauen vorgenommen. Über 32.520 Mädchen haben 2015 eine Ausbildung im Handwerk begonnen, im gleichen Jahr wurden rund 20 Prozent der Meisterprüfungen von Frauen abgelegt. Und selbst wenn bei den männerdominierten Berufen wie Kfz-Mechatroniker, Tischler oder Elektroniker der Anteil der weiblichen Auszubildenden mit etwa 5 % noch sehr gering ist, sei auch hier die Bedeutung der Frauen gestiegen, berichtet der Bundesverband der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH).
Verbandsziele
Ziel des Verbands sei, Frauen im Handwerk zu fördern, ihre Führungsrolle zu stärken und weibliche Nachwuchskräfte für eine handwerkliche Ausbildung zu begeistern, erklärt Heidi Kluth, Vorsitzende des Bundesverbands der Unternehmerfrauen im Handwerk. Der Verband habe erreicht, dass die im Handwerk tätigen Frauen in ihrer Führungsrolle wahrgenommen und akzeptiert werden. Im Gegensatz zu früher hätten fast alle Frauen entsprechende Arbeitsverträge und seien oftmals in die Geschäftsführung eingebunden, so die UFH-Vorsitzende weiter. Laut einer Studie des Ludwig-Fröhler-Instituts aus dem Jahr 2010 besitzen 82,6 % der hauptberuflich tätigen mitarbeitenden Familienangehörigen einen Arbeitsvertrag, Tendenz steigend. Um die aktuellen Werte zu ermitteln, sei eine weitere Studie in Vorbereitung. „Wer sich heute dafür entscheidet, im Handwerksbetrieb des Partners mitzuarbeiten, hat beste Karriereperspektiven mit hohem Gestaltungs- und Verdienstpotenzial“, so Heidi Kluth.
Fachtagung in München
Am Freitag, 10. März, trifft sich der Bundesverband der Unternehmerfrauen im Handwerk erstmals auf der Internationalen Handwerksmesse in München zu einer Fachtagung. Der Titel: „Frauen im Handwerk – Zukunft gestalten“.
Eine der zentralen Fragen, die auch in einer Gesprächsrunde mit Heidi Kluth und der Europaabgeordneten und stellvertretenden CSU-Vorsitzenden Prof. Dr. Angelika Niebler diskutiert wird, ist: „Welche Voraussetzungen sind notwendig, um Frauen langfristig an das Handwerk zu binden?“ Die Unternehmerfrauen haben bereits einige Maßnahmen formuliert. So sollten beispielsweise gezielt höherqualifizierte Schulabsolventinnen über die Ausbildung im Handwerk und die Möglichkeiten des dualen Studiums informiert werden. Spezielle Coachings für weibliche Auszubildende in männerdominierten Berufen könnten dazu beitragen, vorzeitige Vertragsauflösungen zu verhindern und durch umfangreiche Beratungsangebote sollen Frauen ermutigt werden, sich im Handwerk selbstständig zu machen und einen Betrieb zu gründen.
Referentenliste
Als Referentin bei der UFH-Tagung zu Gast ist unter anderem Bibiana Steinhaus, Schiedsrichterin der Fußball Bundesliga der Herren. Sie wird über ihre Erfahrungen in einer von Männern dominierten Branche sprechen und ist sicher: Es lohnt sich, für den Traumjob zu kämpfen. „Handwerk: Vernetzung von Kopf, Herz und Hand“ ist der Titel des Vortrags von Dr. Monique R. Siegel, Wirtschaftsethikerin und Trendspezialistin, aus Zürich. Frauen, sagt sie, werden für grundlegende Veränderungen sowohl im privaten als auch beruflichen Leben sorgen. „Female Shift“ nennt sich dieser Megatrend. „Keine Generation von Frauen war bisher so hervorragend ausgebildet, engagiert und ambitioniert – und hat inzwischen weltweit ihre männlichen Zeitgenossen in Bezug auf Bildung hinter sich gelassen“, erklärt Siegel. So werden Kompetenzen, Entscheidungsfunktionen und Verantwortung vermehrt Frauen übertragen und von ihnen übernommen. Gerade das Handwerk biete ihnen schon heute die Möglichkeit, in einer eigenen Firma ihre Vorstellungen umzusetzen sowie Produkte und Dienstleistungen anzubieten, bei deren Gestaltung die eigenen Talente und Fertigkeiten voll zur Geltung kommen.