Eine aktuelle Kurzstudie der HTW Berlin zeigt, dass für den Zubau von PV-Anlagen auf Gebäuden kein zusätzlicher Netzausbau benötigt wird. Am effizientesten für das Stromnetz sind vollständige Prosuming-Haushalte mit PV-Anlage, Wärmepumpe, E-Auto, Speicher und Energiemanagement.


Zwar meldet die Bundesnetzagentur für 2025 bisher rund 28 % weniger Solarstromanlagen auf Eigenheimen als im Vorjahr. Aber zwischen Anfang 2020 und heute habe sich ihre Gesamtzahl immerhin von 1,7 auf 4,1 Mio. ver-2,5-facht. Für den Ausbau der Stromnetze sei auch ein stärkerer PV-Zubau auf Eigenheimen kein Problem, so der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar). Der Verband beruft sich auf eine kürzlich veröffentlichte Kurzstudie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW). Die Studie widerspricht der verbreiteten Befürchtung, dass dezentrale Solarstromerzeugung die vorhandenen Stromnetze überlasten könnte.
Speicher, Wärmepumpen und E-Autos boomen
Neben Solarstromanlagen legte laut BSW auch der Absatz von Batteriespeichern, Wärmepumpen und E-Autos in den letzten Jahren kräftig zu. Ihr intelligentes Zusammenspiel mittels eines Energie- und Lastmanagements (EMS) führe zu einer besonders effizienten Nutzung der Netzinfrastruktur. Das belegten HTW-Wissenschaftler in der Kurzstudie vom September 2025. Der PV-Zubau verursache dabei keinen zusätzlichen Netzausbau, der nicht ohnehin für die elektrischen Verbraucher benötigt würde.
Vorteile fürs Stromnetz durch Prosumer
Die HTW-Wissenschaftler untersuchten für die Studie „Reduktion des Netzausbaubedarfs durch Prosumer“ verschiedene Konstellationen in Haushalten hinsichtlich ihrer Inanspruchnahme des Stromnetzes.
„Unsere Analysen zeigen, dass ein großer Vorteil von Dachsolaranlagen bisher unterbeleuchtet war: Wer eine Wärmepumpe und E-Auto mit einer Solaranlage und Speicher intelligent kombiniert, senkt den Netzausbaubedarf, nutzt die notwendige Netzinfrastruktur besser aus und macht damit die Energiewende effizienter und kostengünstiger“, erklärt Joseph Bergner von der HTW Berlin.
Die Untersuchung, an der sich der BSW-Solar beteiligte, belegt zudem, dass durch den Einsatz von Batteriespeichern nicht nur Erzeugungsspitzen der PV-Anlagen, sondern auch Lastspitzen neuer elektrischer Verbraucher, wie zum Beispiel Wärmepumpen, gekappt werden können.
Keine Benachteiligung von kleinen PV-Anlagen!
Die Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt, „private Haushalte zu Akteuren der eigenen Energieversorgung machen“ und zugleich die Systemkosten der Energiewende stärker in den Blick zu nehmen. „Das Dream-Team aus Solaranlage, Speicher, Wärmepumpe und E-Auto wird immer mehr zum Standard. Solaranlagen sind Zugpferde der Energiewende auch im Wärme- und Mobilitätssektor. Sie senken die Energiekosten für Privathaushalte und im Falle einer intelligenten Steuerung auch den Netzausbaubedarf“, erklärt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.
Die zuletzt rückläufige Marktentwicklung sei damit aber auch ein Dämpfer für weite Teile der Energiewende. Eine weitere Verschlechterung ihrer Rahmenbedingungen müsse unbedingt vermieden werden, warnt Körnig.
Umfrage unter PV-Installateuren
Eine Umfrage des BSW-Solar unter Installationsbetrieben ergab, dass sie bereits heute 8 von 10 der neu installierten PV-Dachanlagen auf Einfamilienhäusern in Kombination mit einem Batteriespeicher einbauen. Zudem werden 4 von 10 PV-Dachinstallationen im Heimsegment in Kombination mit einer Wärmepumpe oder einem Elektrofahrzeug vorgenommen.
Direktlink zur Kurzstudie HTW Berlin (PDF) hier.