Patrick Crombez: „ETS2 ist ein wichtiges Instrument“

Im Rahmen eines Besuchs bei Daikin Europe in Gent und Ostende bot sich für die Si-Redaktion die Möglichkeit, sich mit Patrick Crombez, Leiter des europäischen Wärmepumpengeschäfts von Daikin Europe, zu unterhalten. Als Präsident der EHPA kann er auch aus Sicht eines Verbands über den europäischen Markt für Heizung und erneuerbare Energien sprechen.

Patrick Crombez, Leiter des europäischen Wärmepumpengeschäfts von Daikin Europe und Präsident der EHPA.
Patrick Crombez, Leiter des europäischen Wärmepumpengeschäfts von Daikin Europe und Präsident der EHPA. – © Daikin

Si: Herr Crombez, Sie sind seit einem Jahr Präsident der European Heat Pump Association (EHPA) und können damit auf eine Halbzeit in diesem Amt zurückblicken. Wie nehmen Sie den europäischen Wärmepumpenmarkt aktuell wahr?

Patrick Crombez: Ich denke, wir sind uns wohl alle in der Einschätzung einig, dass er nicht dort ist, wo wir ihn uns vor zwei Jahren erhofft hatten. Aber er ist definitiv schon besser als letztes Jahr, und das ist gleichzeitig das Gute und das Schlechte daran. Wir haben in 25 Ländern eine gewisse Erholung gesehen.

Deutschland ist tatsächlich recht stark. Auch Großbritannien ist recht stark, während einige andere Märkte wie Frankreich weiterhin rückläufig sind. Es ist also eine etwas gemischte Bilanz. Aber ja, ich denke, wir befinden uns in einer gewissen Erholungsphase, und das kann meiner Meinung nach positiv angesehen werden.

Si: Welche Gründe sehen Sie für diese Entwicklung?

Crombez: In den meisten Märkten sind es weniger politische Veränderungen wie beispielsweise in Deutschland. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich nicht viel geändert. Aber wahrscheinlich ist es gerade die Tatsache, dass sich im Vergleich zum letzten Jahr nicht viel geändert hat, die dazu führt, dass die Menschen allmählich wieder zu investieren beginnen. Ich denke, das gilt für die meisten Märkte.

Am Vormittag moderierte Patrick Crombez (ganz rechts) eine Diskussionsrunde rund um die Decarbonisierung von Städten am Beispiel von Gent, auf die er im Interview eingeht.
Am Vormittag moderierte Patrick Crombez (ganz rechts) eine Diskussionsrunde rund um die Decarbonisierung von Städten am Beispiel von Gent, auf die er im Interview eingeht. – © Daikin

Si: Was kann oder muss verbessert werden, damit der Markt wachsen kann?

Crombez: Ich denke, der wichtigste Hebel ist die Herstellung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Strom- und Gaspreisen. Das ist entscheidend, um ein nachhaltiges Marktwachstum zu ermöglichen. In Deutschland wurden bereits erste Maßnahmen angekündigt, um dieses Gleichgewicht zu fördern; auch wenn die im Koalitionsvertrag vorgesehenen Schritte noch nicht umgesetzt sind, ist das zugrunde liegende Problem klar erkannt.

Ein wichtiges Instrument ist dabei der Emissionshandel ETS2, der fossile Energieträger stärker bepreist. Das wird den Betrieb von Wärmepumpen wirtschaftlich attraktiver machen.

Unser Ziel muss es sein, dass zumindest jene Haushalte, die sich eine Wärmepumpe leisten können, auch von niedrigeren Betriebskosten profitieren. In Märkten, in denen dies bereits der Fall ist, sehen wir eine deutlich stabilere Entwicklung als dort, wo die Strompreise noch zu hoch sind. Ein weiterer wichtiger Faktor – insbesondere hier in Belgien – ist die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie (EPBD), die Energieeffizienzlabels für Gebäude vorschreibt.

Heute Morgen hat der Stadtrat von Gent im Rahmen einer Diskussionsrunde betont, dass Immobilienbesitzer zunehmend erkennen, wie stark sich der Wert ihrer Immobilie durch Investitionen in Wärmepumpen verbessert. Die Wärmepumpe ist dadurch zwar nicht kostenlos, aber der Zugewinn an Immobilienwert kommt einer teilweisen Refinanzierung gleich. Das ist aktuell der Haupttreiber für den belgischen Markt – trotz hoher Strompreise. Dadurch entsteht auch Spielraum, um Subventionen gezielt für jene Haushalte einzusetzen, die sich die Investition nicht leisten können. Genau dafür sind ETS2 und der Sozialklimafonds konzipiert: Sie sollen Mittel in jene Marktsegmente lenken, die Unterstützung benötigen, um den Übergang zu klimafreundlichen Heizlösungen zu schaffen.

Patrick Crombez sagte im Gespräch mit Si-Redakteur Marcus Lauster: „Ich denke also, dass die Frage des Kältemittels heute noch keine Rolle spielt, aber ich bin überzeugt, dass sie in Zukunft eine Rolle spielen wird.“
Patrick Crombez sagte im Gespräch mit Si-Redakteur Marcus Lauster: „Ich denke also, dass die Frage des Kältemittels heute noch keine Rolle spielt, aber ich bin überzeugt, dass sie in Zukunft eine Rolle spielen wird.“ – © Daikin

Si: Betrachten wir noch ein weiteres Thema: Inwieweit hat sich die Diskussion über Kältemittel in Wärmepumpen als Herausforderung erwiesen?

Crombez: Ich habe bei dieser Frage quasi zwei Hüte auf – einmal den der EHPA und dann den von Daikin, die in dieser Hinsicht nicht unbedingt dasselbe sind.

Ich würde fast sagen, dass die allgemeine Erwartung der Branche war, dass die Novellierung der F-Gas-Verordnung 2024 für die Branche günstig sein würde. Ich denke, heute müssen wir feststellen, dass dies wahrscheinlich nicht zu einhundert Prozent der Fall ist. Es treibt die Entwicklung sicherlich in eine bestimmte Richtung.

Die Frage ist, ob sich dadurch die Entwicklung von Wärmepumpen auf dem Markt verlangsamt hat. Das können wir heute jedoch so nicht eindeutig sagen. Es ist aber auch eine Tatsache, dass man, wenn man wirklich eine schnelle Entwicklung des Marktes erreichen will, unterschiedliche Lösungen braucht, und das haben wir auch heute Morgen in der Diskussion gehört.

Unterschiedliche Lösungen bedeuten aber auch unterschiedliche Kältemittel, da man nicht überall Propan-Wärmepumpen installieren kann.

Das spielt heute vielleicht noch keine so große Rolle, wird sich aber in den kommenden Jahren zeigen. Wenn man etwa überlegt, dass in Südeuropa Wärmepumpen im großen Stil – insbesondere in Stadtzentren – installiert werden und man dort nicht wirklich Wärmepumpen mit Propan als Kältemittel einsetzen kann, bleibt einem nur die Wahl, eine Wärmepumpe mit einem anderen Kältemittel einsetzen zu müssen oder eine Gasheizung. Das war nicht die Zielsetzung der F-Gase-Verordnung. Ich denke also, dass die Frage des Kältemittels heute noch keine Rolle spielt, aber ich bin überzeugt, dass sie in Zukunft eine Rolle spielen wird.

Und es gibt einen weiteren Aspekt, der meiner Meinung nach von der EU-Kommission möglicherweise auch übersehen wurde, den Aspekt des Zeitaufwands und der Kosten. Es ist eine Tatsache und das, was unsere Fachleute hier aus der Konstruktionsabteilung sagen, dass die Entwicklung einer Wärmepumpe eineinhalb bis zwei Jahre dauert.

Wenn man jedoch eine ganze Reihe von Wärmepumpen-Modellen hat, dauert die Entwicklung der gesamten Produktpalette aufgrund der Testanlagen usw. viel länger. Daher ist dieser Übergang insbesondere für große Hersteller mit einem umfangreichen Portfolio eine große Herausforderung. Und daher ist es auch nicht unbedingt im Interesse der europäischen Industrie, wenn er zu schnell vonstatten geht. Ich denke, das ist ein Aspekt, den wir als Daikin und auch als EHPA in die Diskussion einbringen möchten: Ist dieser sehr schnelle Übergang wirklich im Interesse der europäischen Industrie oder nicht? Und ich denke, dass es dazu sicherlich unterschiedliche Meinungen geben kann.

Si: Trägt die Diskussion um ein PFAS-Verbot ebenfalls zu diesem Problem bei?

Crombez: Die Diskussion leistet ihren Beitrag zum genannten Problem. Wie Daikin bereits auf den vergangenen ISH-Messen angekündigt hat, prüfen wir derzeit neue synthetische Kältemittel (HFOs) mit sehr niedrigem Treibhauspotenzial. Diese könnten zwar die F-Gas-Verordnung erfüllen, fallen aber möglicherweise unter die PFAS-Richtlinie oder die PFAS-Gesetzgebung. Auch hier ist es für die Industrie wieder unklar, was sie tun kann und was sie tun sollte, und ja, das trägt definitiv zum Problem bei.

Si: Gibt es inzwischen eine andere, vielleicht auch differenzierte Sichtweise auf die PFAS-Chemikalien in Europa oder ist das noch in Arbeit?

Crombez: Die letzten Anpassungen der einreichenden Länder zeigen eine gewisse Lockerung für einige Anwendungen. Etwa für mobile Anwendungen, also für Autos, nicht aber für stationäre, was aus unserer Sicht etwas seltsam ist, da mobile Anwendungen Schwachstellen bei der Dichtheit haben und feste Installationen im Grunde genommen keine oder zumindest viel weniger. Das klingt für mich nicht sehr sinnvoll. Nun, das ist der aktuelle Stand, aber der Prozess ist noch im Gange. Wir befinden uns also noch mitten in der ersten Phase der Diskussion.

Si: Lassen Sie uns zum Schluss des Gesprächs noch einen Blick über den bisherigen fachlichen Tellerrand werfen. Durch den Klimawandel wird nicht nur das Heizen, sondern auch das Klimatisieren von Gebäuden wichtiger, und das auch im Wohnungsbau. Spüren Sie davon bereits etwas im Markt? Wird diese Entwicklung den Markt für Luft-/Luft-Wärmepumpen bzw. Klimageräte stärken?

Crombez: Ja, wir beobachten eine zunehmende Nachfrage nach Kühl- und Heizlösungen, insbesondere nach Luft-/Luft-Wärmepumpen, die ganzjährig Komfort bieten – sowohl im Sommer als auch im Winter. Diese Systeme werden zunehmend als Haupt- oder Zusatzheizung eingesetzt.

Unsere Daten zeigen, dass Luft-/Luft-Wärmepumpen auch signifikante Einsparungen beim Erdgasverbrauch ermöglichen.

Patrick Crombez hat den europäischen Wärmepumpenmarkt sowohl aus Verbands- als auch aus Unternehmenssicht im Blick.
Patrick Crombez hat den europäischen Wärmepumpenmarkt sowohl aus Verbands- als auch aus Unternehmenssicht im Blick. – © Daikin

Besonders im Wohnungsbau steigt das Interesse an integrierten Lösungen, die flexibel und energieeffizient sind. Dieser Trend ist in Regionen mit heißeren Sommern und wechselhaftem Wetter besonders ausgeprägt. Dort erkennen sowohl Endkunden als auch Projektentwickler den Mehrwert von Technologien, die sich an unterschiedliche klimatische Bedingungen anpassen lassen.

Si: Worauf muss sich das Fachhandwerk einstellen?

Crombez: Das Fachhandwerk muss sich ganz konkret auf eine wachsende Nachfrage nach ganzheitlichen Systemlösungen einstellen, die Heizen und Kühlen intelligent miteinander verbinden.

Installateure und Planer sollten sich mit neuen Technologien vertraut machen, die nicht nur energieeffizient, sondern auch benutzerfreundlich sind. Unsere Systeme bieten beispielsweise automatische Temperaturkurvenanpassung über sogenannte „Wizard“-Funktionen, die die Installation vereinfachen und Fehlerquellen minimieren. Zudem ermöglichen smarte Steuerungen die Kommunikation mit dem Energienetz, sodass Geräte flexibel auf Strompreise oder Solarstromverfügbarkeit reagieren können. Die Beratungskompetenz wird ebenfalls immer wichtiger – etwa zu Fördermöglichkeiten, Energieeffizienzklassen und nachhaltigen Lösungen.

Daikin unterstützt das Fachhandwerk aktiv mit Schulungen zu über 28 Themenbereichen, darunter Heiz-, Klima-, Lüftungs- und Kältetechnik. In Deutschland stehen neun Trainingszentren zur Verfügung, ergänzt durch Online-Formate und Virtual-Reality-Angebote. Darüber hinaus engagiert
sich Daikin in EU-weiten Initiativen wie dem Heat Pump Accelerator, um die Qualifizierung von Installateuren zu fördern und die Integration von Wärmepumpen in Gebäudekonzepte zu erleichtern.

Si: Herr Crombez, vielen Dank für das Gespräch hier vor Ort in Gent.

Das Interview ist in der Si 12/2025 erschienen.