Der VdZ ging im Rahmen eines parlamentarischen Kaminabends der Frage zur Resilienz und Versorgungssicherheit in der Wärmeversorgung in Deutschland nach. Die Basis bildet eine Studie, die ebenfalls vorgestellt wurde.

Wie widerstandsfähig ist die Wärmeversorgung in Deutschland, wenn Energiesysteme unter Druck geraten? Mit dieser Frage beschäftigt sich die neue Studie „Im Ernstfall zählt Wärme – Warum Millionen Holzöfen für Deutschland unverzichtbar sind“. Die Studie wurde am 9. März 2026 im Rahmen eines parlamentarischen Kaminabends der Initiative #ofenzukunft in der Geschäftsstelle der VdZ – Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie in Berlin vorgestellt.
Vertreter aus Politik, Verbänden, Wirtschaft und Handwerk kamen zusammen, um über die Rolle dezentraler Wärmestrukturen für Resilienz und Versorgungssicherheit im Energiesystem zu diskutieren. Auch Vertreter weiterer Branchenverbände, Bundesbehörden sowie Umweltorganisationen nahmen an der Veranstaltung teil und beteiligten sich am Austausch über die Ergebnisse der Studie.
Inhalt der Studie
Die Studie nimmt eine Perspektive ein, die in der energiepolitischen Debatte bislang nur selten im Mittelpunkt steht. Während sich viele Diskussionen um Netzausbau, neue Infrastruktur oder zentrale Kapazitäten drehen, richtet sie den Blick auf eine bereits vorhandene Struktur: In Deutschland existieren rund 11,7 Millionen Einzelraumfeuerstätten.
Diese Anlagen sind in Wohnungen und Häusern vorhanden, dezentral verteilt und in vielen Fällen unabhängig vom Stromnetz nutzbar. Die Studie versteht diese vorhandene Infrastruktur daher als ein bislang unterschätztes Potenzial für Resilienz und Versorgungssicherheit in einem Energiesystem, das zunehmend komplexer und stärker von elektrischer Infrastruktur abhängig wird. Gerade in Krisensituationen – etwa bei länger anhaltenden Stromausfällen oder Gasmangellagen – können solche Feuerstätten zumindest einzelne Räume beheizen. Damit ermöglichen sie eine Mindestversorgung mit Wärme.
Unterscheidung zwischen Versorgungssicherheit und Resilienz
Ein zentrales Anliegen der Studie ist die klare begriffliche Unterscheidung zwischen Versorgungssicherheit und Resilienz.
Versorgungssicherheit beschreibt die Stabilität der Energieversorgung im Normalbetrieb. Sie bezieht sich vor allem auf die Funktionsfähigkeit von Netzen, Märkten und Infrastrukturen.
Resilienz hingegen bezeichnet die Fähigkeit eines Systems, auch unter außergewöhnlichen Belastungen handlungsfähig zu bleiben. Im Kontext der Wärmeversorgung bedeutet dies die Möglichkeit, auch dann noch heizen zu können, wenn zentrale Energieinfrastrukturen ausfallen oder stark eingeschränkt sind.
Einzelraumfeuerstätten besitzen in diesem Zusammenhang besondere Eigenschaften, da sie ohne komplexe digitale Steuerungsarchitektur betrieben werden können und vielfach unabhängig vom Stromnetz funktionieren. Dadurch können sie im Krisenfall zumindest eine begrenzte Wärmeversorgung sicherstellen. Damit können sie zur strukturellen Robustheit des Gesamtsystems beitragen.
Ergänzende Komponente im Energiesystem
Die Studie betrachtet Einzelraumfeuerstätten jedoch nicht ausschließlich aus der Perspektive von Krisenszenarien. Auch im regulären Energiesystem können moderne, emissionsarme Feuerstätten eine Rolle spielen. In hybriden Heizsystemen, etwa in Kombination mit Wärmepumpen, können moderne Speicheröfen dazu beitragen, Heizlastspitzen zu reduzieren und Wärmepumpen in besonders kalten Phasen zu entlasten. Dadurch lassen sich Stromspitzen abfedern und Netzbelastungen reduzieren. Die Studie argumentiert deshalb, dass Einzelraumfeuerstätten nicht als Ersatz zentraler Systeme verstanden werden sollten. Sie spielen ihre Vorteile insbesondere als ergänzende Komponente in einem diversifizierten und resilienten Energiesystem aus.
Die Diskussion
Der parlamentarische Kaminabend bot einen Rahmen, in dem diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert werden konnten. Begrüßt wurden die Gäste von Robert Mülleneisen, Sprecher der Initiative #ofenzukunft, sowie von Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der VdZ.
Zu den Diskussionsgästen gehörten unter anderem Falko Beitz, Mitglied des Landtags Mecklenburg-Vorpommern und Sprecher für Arbeitsmarkt, Handwerk sowie Energie- und Klimaschutzpolitik, sowie Ralf Mucha, Mitglied des Landtags Mecklenburg-Vorpommern und Sprecher für Blaulichtorganisationen und Bundeswehr. In der Diskussion wurde deutlich, dass Fragen der Energieversorgung zunehmend auch unter dem Gesichtspunkt von Krisenvorsorge und Systemrobustheit betrachtet werden. Besonders in Flächenländern, in denen Infrastruktur, Entfernungen und Versorgungsstrukturen sehr unterschiedlich sein können, spielen Überlegungen zur Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle.
Im Verlauf des Abends wurde auch die kommunale Krisenvorsorge thematisiert. Seit der Energiekrise der Jahre 2021 und 2022 planen viele Städte und Landkreise sogenannte Wärmepunkte oder Wärmestuben. Diese sollen im Falle länger andauernder Strom- oder Gasausfälle öffentliche Gebäude als Orte bereitstellen, an denen sich Menschen aufwärmen können. In diesem Zusammenhang wurde diskutiert, inwieweit vorhandene Wärmequellen in privaten Haushalten – etwa Einzelraumfeuerstätten – bei solchen Überlegungen stärker berücksichtigt werden könnten.
Impuls für energiepolitische Debatte
Die Initiative #ofenzukunft versteht die Studie als Impuls für eine breitere energiepolitische Debatte über Resilienz, Redundanz und Systemrobustheit im Energiesystem. Die rund 11,7 Millionen Einzelraumfeuerstätten in Deutschland stellen eine bereits vorhandene dezentrale Infrastruktur dar, die im Kontext von Energiepolitik, Katastrophenschutz und Wärmestrategien stärker berücksichtigt werden kann.