So gelingt der Wechsel zur Wärmepumpe

„Wärmepumpe ja – aber ohne fossile Restunterstützung kommen wir wohl nicht aus“, befürchteten die Eigentümer einer Gewerbeimmobilie aus den 1980er-Jahren. Wie viele Bauleute hatte sie bei ihrem Sanierungsvorhaben eines nicht auf dem Radar: das Potenzial von Niedertemperaturheizkörpern. Dabei kann ein simpler Radiatorentausch für Bestandsgebäude der Schlüssel zum sauberen Umstieg auf „Erneuerbare“ sein.

Eingepackt, umgerüstet und aufgehübscht: Das über 40 Jahre alte Bürogebäude erhielt 2023/24 eine umfassende energetische Sanierung.
Eingepackt, umgerüstet und aufgehübscht: Das über 40 Jahre alte Bürogebäude erhielt 2023/24 eine umfassende
energetische Sanierung. – © E.C.A. Germany GmbH

Vier Firmen teilen sich die Büros und Lagerräume in einer Bürogemeinschaft in Saarbrücken. Die Räumlichkeiten des Gebäudes verteilen sich auf zwei Ebenen mit einem Nettovolumen von 2.617 m3, für die eine Renovierung anstand. Den Anfang der sich zu einer umfangreicheren Renovierungsaktion entwickelten Maßnahme an dieser Immobilie von 1983 machte das Dach.

Denn als Vermieter Stefan Dreher von der H. G. Dreher GmbH & Co. KG das Thema Dachsanierung anging, klinkte sich eine Mietpartei in die Planung ein. Gemäß ihren Nachhaltigkeitszielen war der Firma daran gelegen, ihre deutsche Niederlassung energetisch auf Vordermann zu bringen und dabei Nägel mit Köpfen zu machen. Mit ihrer Unterstützung erwuchs aus der geplanten Dachreparatur ein Sanierungspaket, das nicht nur die Erneuerung und Dämmung von Dach und Fassade vorsah, sondern ein zeitgemäßes Heizkonzept.

Eingepackt, umgerüstet und aufgehübscht: Das über 40 Jahre alte Bürogebäude erhielt 2023/24 eine umfassende energetische Sanierung.

Fossilfrei werden – aber wie?

Auf gut 1.000 m2 Nettogrundfläche sind vier Firmen ansässig.
Auf gut 1.000 m2 Nettogrundfläche sind vier Firmen ansässig. – © E.C.A. Germany GmbH

Ein Energieberatungsbüro ermittelte für das frisch gedämmte Objekt eine Gesamtheizlast von knapp 29 kW. Mit der Heizungsinstallation beauftragte der Vermieter HSE Saarbrücken, einen Betrieb mit Erfahrung im Privat- und Gewerbebereich sowie exzellentem Regionalnetzwerk.

Idealvorstellung der Verantwortlichen war es, die alte 70-kWÖlheizung durch eine PV-gespeiste Wärmepumpe zu ersetzen. Das erneuerte
Flachdach bietet auf seinen 900 m2 Platz für eine PV-Anlage mit 85 kWp. Diese erzeugt genug Strom, um neben dem Wärmepumpenbetrieb auch ca. 74 % der Gebäudestromversorgung sicherzustellen.

Produziert sie Überschüsse, so können diese in einem 60-kWh-Batteriesystem für den späteren Gebrauch gespeichert werden. Die Warmwasserbereitung übernehmen elektrische Durchlauferhitzer. Unabhängig von der Gebäudeheizungsanlage bringen sie Trinkwasser
effizient auf hygienisch hohe Temperaturen. Die Wärmepumpe beheizt also nur noch die Räume.

Schlanke Niedertemperaturheizkörper in 15 Räumen verteilen die Wärme nun so effizient, dass keine fossile Zusatzheizung mehr benötigt wird.
Schlanke Niedertemperaturheizkörper in 15 Räumen verteilen die Wärme nun so effizient, dass keine fossile Zusatzheizung mehr benötigt wird. – © E.C.A. Germany GmbH

Der Knackpunkt: Selbst mit ertüchtigter Gebäudehülle hätte es Vorlauftemperaturen von 55 °C gebraucht, um die Innenräume ausreichend zu erwärmen – nur mit der Wärmepumpentechnik schien dies nicht energie- und kosteneffizient realisierbar. Als Kompromiss erwog man daher ein Hybridsystem, in dem Bedarfsspitzen weiter durch Verbrennungstechnik gedeckt werden. Doch im Verlauf der Recherchen eröffnete sich eine überraschend einfache, klimaschonendere Alternative.

Gleichmäßige Verteilung senkt den Verbrauch

Zum Glück kann man an mehreren Stellschrauben drehen, um ein Gebäude für erneuerbare Energien zu qualifizieren. Eine ist das Wärmeverteilungssystem. Das hatte in der Saarbrücker Bürogemeinschaft bis dato aus wasserführenden Radiatoren bestanden. Diese strahlen Wärme an ihre direkte Umgebung ab, von ihnen erhitzte Luft steigt auf und sammelt sich vornehmlich unter der Decke. In entfernten Bereichen kommt also nur genug Wärme an, wenn das gelieferte Wasser stark vorgeheizt wird – oft stärker, als es mit aktuellen Wärmepumpen rentabel schaffbar wäre.

Die Niedertemperaturheizkörper waren schnell an den Plätzen der herkömmlichen Radiatoren installiert. Strom für das innenliegende Gebläse kommt per Steckdose aus den bestehenden Leitungen.
Die Niedertemperaturheizkörper waren schnell an den Plätzen der herkömmlichen Radiatoren installiert. Strom für das innenliegende Gebläse kommt per Steckdose aus den bestehenden Leitungen. – © E.C.A. Germany GmbH

In Neubauten verlegt man daher meist eine Flächen- oder Fußbodenheizung, die mit niedrigeren Vorlauftemperaturen arbeitet. Die Nachrüstung solcher Systeme in eingerichteten Gebäuden verursacht allerdings einen großen Aufwand nebst damit verbundenen Folgekosten.

Damit die Böden mit Heizvorrichtungen versehen werden können, müssen Einrichtung und Bewohner beziehungsweise Personal in geeignete Alternativräumlichkeiten ausweichen. Selbst wenn genug Platz für solche Umzüge zur Verfügung steht, kommt es zu unliebsamen Störungen im laufenden Betrieb.

In aktiv genutzten Bestandsbauten lohnt sich daher der Blick auf einfachere Maßnahmen zur gleichmäßigen Raumerwärmung: Hier bietet sich ein Heizkörpertausch an. Konkret geht es darum die alten Heizkörper gegen Niedertemperaturheizkörper auszutauschen. Hinsichtlich Optik und Hydraulik gleichen die Tieftemperaturheizkörper konventionellen Radiatoren. Sie besitzen jedoch integrierte Lüfter, die bei Bedarf die Wärme im Raum verteilen. Sensoren messen stetig die Raum- und Vorlauftemperatur und aktivieren das Gebläse automatisch, sobald die Raumtemperatur unter den eingestellten Sollwert fällt.

Neben einem Automatikmodus mit elektronischer Drehzahlregelung stehen bei den hier gewählten Modellen der Marke E.C.A. drei Gebläsestufen plus Boosterfunktion zur Wahl. Die Steuerung funktioniert über ein Display am Gerät und ein Thermostat, optional auch per Fernzugriff. Zur Stromversorgung der Ventilatoren genügt eine einfache Steckdose.

Niedertemperaturheizkörper: Sparsam, leise und wirkungsvoll

Die Wärmepumpe liefert die notwendigen 45 °C Vorlauftemperatur. Zudem können 60 kWh des selbst erzeugten Stroms zwischengespeichert werden.
Die Wärmepumpe liefert die notwendigen 45 °C Vorlauftemperatur. Zudem können 60 kWh des selbst erzeugten Stroms zwischengespeichert werden. – © E.C.A. Germany GmbH

Das Team um Stefan Dreher beschloss beim Objekt in Saarbrücken, die alten Heizkörper abzubauen und 15 Räume mit E.C.A.-Geräten zu bestücken. In der X-Air-Serie fanden sich passende Formate für diverse Einbausituationen. Die Heizkörper ließen sich laut Installateur Alexander Loew unkompliziert montieren. Sockelleisten mit Stromleitungen waren vorhanden, sodass der Einbau sehr zügig verlief.

Das Niedertemperaturkonzept funktioniert so effektiv, dass das Objekt heute mit nur 35 °C Vorlauf auskommt. Diese Temperatur kann eine
Wärmepumpe im monoenergetischen Betrieb leicht bereitstellen. So steht nun im Garten eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe, im Heizungsraum die zugehörige Inneneinheit samt 500-l-Pufferspeicher.

Vom neuen Wärmeverteilungssystem bleibt nur ein Lagerraum ausgespart, dessen Wände die ganze Gebäudehöhe einnehmen. Hier hat sich ein Lufterhitzer an der Decke zur Temperierung bewährt.

Unerwünschte Nebenwirkungen der Niedertemperaturtechnik sind kaum zu verzeichnen. Das Geräusch eines einzelnen Ventilators entspricht nur etwa dem eines PC-Lüfters. Auch Staubpartikel werden kaum stärker verwirbelt als bei gewohnten Radiatoren. Zum Säubern der Lüfter lässt sich die Seitenverkleidung der Heizkörper abnehmen. Auch beim Strombedarf geben sich die Geräte diskret: Selbst im Boost-Modus, der die Raumtemperatur in wenigen Minuten auf Sollwert bringt, benötigt ein 800 mm breites Heizkörpermodell mit sechs eingebauten Ventilatoren nur 8 W elektrische Energie.

Damit die Heizung dauerhaft effizient arbeitet, ist wie bei allen wasserführenden Systemen eine gute Hydraulikauslegung unabdingbar. „Ein hydraulischer Abgleich ist das Wichtigste im ganzheitlichen Konzept. Wenn er nicht fachgerecht durchgeführt wird, kann die Anlage nicht wirtschaftlich und wartungsarm funktionieren“, betont Installateur Alexander Loew von HSE Saarbrücken.

Das Flachdach bietet Platz für eine Photovoltaik-Anlage mit 85 kWp zur Eigenstromgewinnung.
Das Flachdach bietet Platz für eine Photovoltaik-Anlage mit 85 kWp zur Eigenstromgewinnung. – © E.C.A. Germany GmbH

Fazit: Wärmepumpenheizung funktioniert nach Wunsch

Mit Unterstützung einer Mietpartei wurde es möglich, das Gewerbegebäude umfassend energetisch zu sanieren. Durch den Austausch der alten Radiatoren gegen Niedertemperaturheizkörper ließ sich die benötigte Vorlauftemperatur auf 35 °C reduzieren.

Damit gelang es nun entgegen den ursprünglichen Erwartungen, die Immobilie verbrennungsfrei zu beheizen: über eine monoenergetisch betriebene Wärmepumpe, ergänzende Lufterhitzer und eine dezentrale Trinkwarmwasserbereitung. Als Maßnahme „Sanierung Effizienzgebäude 100EE“ gemäß BEG Nichtwohngebäude erhielt das Projekt ca. 182.000 Euro Förderzuschuss. Das Zusammenspiel unter den beteiligten Handwerksfirmen klappte ausgezeichnet.

„Wir hatten anfangs eine Baubesprechung mit allen Gewerken. Der Austausch während der Sanierung lief dann prima auf dem kurzen Dienstweg“, lobt Stefan Dreher. „Ich selbst war meist vor Ort, um bei Fragen und Problemen schnell greifbar zu sein.“

Über das erfolgreiche Ergebnis der Sanierung freut er sich bei jedem Blick auf die Monitoring-App, die Funktion von PV- und Heizanlage in Echtzeit dokumentiert: In den ersten 19 Betriebsmonaten wurden mit ca. 40.000 kWh fast 80 % des thermischen Energieverbrauchs durch klimaschonende Eigenproduktion gedeckt.

Dieser Beitrag wurde zuvor in der Si 03/2026 veröffentlicht.

Die Autorin

Stefanie Schetter
Stefanie Schetter ist Fachredakteurin bei Waldecker PR GmbH – Büro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. – © privat