Stabile Energiepreise bedeuteten 2025 keine Entlastung bei den Heizkosten: Wegen der kälteren Witterung wurde mehr geheizt. Der Techem Atlas 2026 zeigt zudem große regionale Unterschiede und untersucht, welches Potenzial Wärmepumpen, Niedertemperatursysteme und ein optimierter Anlagenbetrieb im Mehrfamilienhausbestand bieten.

Die Heizkosten steigen trotz Sparverhalten der Kunden weiter: Für den Techem Atlas 2026 hat der Mess- und Energiedienstleister Verbrauchsdaten aus rund 94.000 deutschen Mehrfamilienhäusern mit etwa 1,1 Mio. Wohnungen ausgewertet. Die Heizkosten pro m² lagen 2025 demnach rund 45 % über dem Niveau von 2021. Zwar bewegten sich die Energiepreise etwa auf Vorjahresniveau, sie waren aber weiterhin deutlich höher als vor der Energiekrise. Hinzu kam eine kältere Heizperiode, die den Verbrauch gegenüber 2024 steigen ließ.
Heizkosten regional unterschiedlich
Im Bundesländervergleich verzeichnete Techem die höchsten durchschnittlichen Heizkosten im Saarland mit 14,50 Euro pro m². Am niedrigsten lagen sie in Berlin mit 10,34 Euro. Unter den ausgewerteten Städten war Ravensburg mit 13,34 Euro pro m² am teuersten, Bielefeld mit 8,99 Euro am günstigsten. Die Durchschnittswerte zeigen die regionalen Unterschiede, erlauben aber für sich genommen keinen Rückschluss auf die Effizienz einzelner Heizungsanlagen.(Siehe Tabellen-Grafiken rechts.)
Wärmepumpenheizungen am günstigsten
Mit Wärmepumpen versorgte Mehrfamilienhäuser hatten im untersuchten Gebäudebestand 2025 die niedrigsten Wärmekosten pro m². Während deren seit 2021 weitgehend stabil geblieben sind, verzeichneten fossile Heizsysteme deutliche Anstiege.
Nach Techems Auswertung könnten etwa 30 % der Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern durch eine optimierte Anlagenbetrieb noch effizienter heizen. Für die SHK-Praxis rückt damit neben der präzisen Auslegung auch die laufende Überwachung und Einstellung der Anlagen in den Fokus. Die ausgewiesenen Wärmekosten sind allerdings nicht mit den Gesamtkosten einer Umrüstung gleichzusetzen.
Einsatz von Niedertemperatursystemen
Zugleich zeigt die Analyse, dass ein Großteil des Mehrfamilienhausbestands bereits heute technisch für den Einsatz von Niedertemperatursystemen geeignet ist. Rund 40 % der Wärmepumpenanlagen können ohne Austausch der Heizkörper genutzt werden. Mit einem Heizkörpertausch steigt dieser Anteil auf rund 80 %. Werden zusätzlich Niedertemperaturheizkörper – wie z. B. Gebläseheizkörper – eingesetzt, liegt die Eignung sogar bei rund 90 %.
Fernablesung schreitet voran
Zum Jahreswechsel 2026/2027 endet die europäische Übergangsfrist für die Umstellung auf 100 % Fernablesbarkeit. Bereits heute können 91,4 % der Heizgeräte im deutschen und 92,8 % der Geräte im europäischen Mehrfamilienhausbestand ohne Betreten der Wohnungen ausgelesen werden. Techem konnte im vergangenen Jahr rund 110.000 Abrechnungseinheiten über „Abrechnung Direct“ vollständig digital ablesen und abrechnen. Die Hälfte dieser Abrechnungen war dank durchgehender digitaler Prozesse innerhalb von weniger als drei Minuten abgeschlossen, 83 % innerhalb von zehn Minuten.
Smart Meter sind Basis für Mieterstrommodelle
Der Ausbau intelligenter Messsysteme (Smart Meter) schafft laut Techem Atlas die technische Grundlage für neue Energiekonzepte wie Mieterstrom und gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Die Daten zeigen, dass Photovoltaikanlagen auch in den Wintermonaten einen spürbaren Beitrag zur Stromversorgung leisten können. In den untersuchten Gebäuden decken sie mehr als 30 % des Stromverbrauchs. In Kombination mit Batteriespeichern lässt sich der lokal erzeugte Solarstrom zudem auch in Zeiten niedriger Solarstrahlung nutzen und so den Eigenverbrauch innerhalb des Gebäudes erhöhen.
Trinkwasserverbrauch bleibt langfristig stabil
Trotz steigender Temperaturen hat sich der Wasserverbrauch in deutschen Mehrfamilienhäusern in den vergangenen zehn Jahren weitgehend konstant entwickelt. Die Warmwasserbereitung bleibt jedoch ein wesentlicher Energieverbrauchsfaktor und macht rund ein Viertel der für Wärme eingesetzten Energie aus.
Ulrich Schiller, Co-CEO der Techem Gruppe und CEO Deutschland, sagt: „Entscheidend ist es jetzt, eine gezielte Modernisierung des Gebäudebestands weiter voranzutreiben und dabei technische Möglichkeiten gezielt einzusetzen. Smart Metering, fernablesbare Messsysteme, digitale Verbrauchstransparenz und ein datenbasierter Betrieb von Gebäuden schaffen die Grundlage, um Energieverbräuche weiter zu reduzieren und die Belastungen aus Energiekosten und der CO₂-Kostenaufteilung für Mieter und Vermieter zu begrenzen.“
Mehr Informationen zum Techem Atlas 2026
Auf dieser Übersichtsseite ist der Techem Atlas für Deutschland und Europa zu finden, eine interaktive Deutschlandkarte mit Daten auf Ebene der Bundesländer, Postleitzahlregionen und Großstädte sowie den neuen Downloadbereich mit historischen Atlas-Daten der vergangenen vier Jahre.

