Wenn das Badezimmer zum Kreislauflabor wird

Im Rahmen der Berlin Art Week und des Designfestivals Currents.Design verwandelt „Behind Closed Doors: The Culture of Circularity“ den Kaldewei Brand Space am Savignyplatz in eine Plattform für den Designnachwuchs der Design Academy Eindhoven (DAE).
„Behind Closed Doors: The Culture of Circularity“ verwandelt den Kaldewei Brand Space am Savignyplatz in eine Plattform für den Designnachwuchs der Design Academy Eindhoven (DAE). – © kyle_knodell

Wie lässt sich Zirkularität im Badezimmer neu denken? Acht Projekte von Studierenden der Design Academy Eindhoven zeigen im Kaldewei Brand Space Berlin ungewöhnliche Perspektiven auf Ressourcen, Materialien, Rituale und den Umgang mit Wasser.

„Behind Closed Doors: The Culture of Circularity“ markiert das jüngste Kapitel der langjährigen Partnerschaft zwischen Kaldewei und der Design Academy Eindhoven (DAE). Im Rahmen der Berlin Art Week und des Designfestivals Currents. Design präsentiert die DAE acht Projekte von Studierenden des Masterstudiengangs Social Design im Kaldewei Brand Space Berlin. Hier treffen Kaldeweis Engagement für zirkuläres Produktdesign auf die experimentellen und kritischen Perspektiven einer neuen Generation von Designern. Die Eröffnung fand am 10. September im Rahmen eines internationalen Panel-Talks statt.

Zirkularität neu gedacht

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Badezimmer, ein alltäglicher Raum, in dem Fragen nach Ressourcen, Konsum, Körperlichkeit und Alltagsroutinen unmittelbar aufeinandertreffen. Zehn Studierende näherten sich diesem intimen Ort aus experimentellen Perspektiven mit Film, Installation, Performance, Objekt und Klang und untersuchten, wie sich Zirkularität nicht nur ökologisch, sondern auch sozial und kulturell neu denken lässt.

Eine langjährige Partnerschaft

Die Ausstellung setzt die langjährige Partnerschaft zwischen Kaldewei und der Design Academy Eindhoven, einer der weltweit führenden Designhochschulen, fort. Im Zentrum der Zusammenarbeit steht laut den Veranstaltern der gemeinsame Anspruch, etablierte Konventionen zu hinterfragen, den interdisziplinären Austausch zu fördern und neue Perspektiven aufzuzeigen, welchen Beitrag Design zu verantwortungsvolleren Produktions- und Lebensformen leisten kann.

Die acht ausgewählten Projekte zeigen, wie unterschiedlich Zirkularität gedacht und interpretiert werden kann. Fragen nach Abfall, Wert und Umgang mit Materialien ziehen sich durch mehrere der gezeigten Arbeiten.
Die acht ausgewählten Projekte zeigen, wie unterschiedlich Zirkularität gedacht und interpretiert werden kann. Fragen nach Abfall, Wert und Umgang mit Materialien ziehen sich durch mehrere der gezeigten Arbeiten. – © kyle_knodell

Bereits 2025 entwickelte sich während der Milan Design Week ein kreativer Dialog zwischen Kaldewei und der DAE im Rahmen der innovativen Designplattform Alcova Milano. Eine Reihe von Experten-Talks vereinte dort Perspektiven aus Gestaltung, Wissenschaft und Industrie und beleuchtete unterschiedliche Dimensionen der Kreislaufwirtschaft.

In Berlin rückt die nächste Generation von Designern in den Mittelpunkt. „Behind Closed Doors: The Culture of Circularity“ ist aus einer zehnwöchigen Lehrkooperation mit dem Masterstudiengang Social Design entstanden und regte die Studierenden dazu an, industrielle Praxis kritisch zu reflektieren, Annahmen neu zu formulieren und unerwartete Fragen zu stellen. Begleitet wurde das Projekt von Aram Lee, Basse Stittgen und Jonas Althaus unter der Leitung von Nadine Botha, Head of Department, und mit Projektkoordination durch Bruno Baietto. Die acht ausgewählten Projekte zeigen, wie unterschiedlich Zirkularität gedacht und interpretiert werden kann.

Acht Perspektiven auf das Badezimmer

Fragen nach Abfall, Wert und Umgang mit Materialien ziehen sich durch mehrere der gezeigten Arbeiten. In „Draw your tools. Remove the hair“ präsentiert Carlotta Talkenberger einen gefilzten Teppich aus entsorgtem menschlichem Haar und thematisiert das Spannungsverhältnis zwischen Faszination und Ekel gegenüber einem Material, das Teil des menschlichen Körpers ist. Sarah Kinzer und Moss A. Moschen untersuchen in „Tracing Intimacy“ Schmutz, Spuren und Gebrauch als intime Bestandteile materieller Kultur.

Ian Chu führt die Transformation von Abfall mit „Wash Away Your Guilt“ noch einen Schritt weiter: Seife, hergestellt aus gebrauchtem Speiseöl, bildet eine Waschbecken-Skulptur, die sich mit jeder Nutzung langsam auflöst. Über das Badezimmer hinaus blickt

Ian Chu geht mit „Wash Away Your Guilt“ einen Schritt weiter: Aus gebrauchtem Speiseöl hergestellte Seife bildet eine Waschbecken-Skulptur, die sich bei der Nutzung langsam auflöst.
Ian Chu geht mit „Wash Away Your Guilt“ einen Schritt weiter: Aus gebrauchtem Speiseöl hergestellte Seife bildet eine Waschbecken-Skulptur, die sich bei der Nutzung langsam auflöst. – © kyle_knodell

Guadalupe Vanini Cervini mit „Sensing Wetlands“ auf natürliche Materialkreisläufe und untersucht Zersetzung als Teil eines fortlaufenden Prozesses der Erneuerung.

Andere Projekte beschäftigen sich mit Ritualen, Ökosystemen und der Beziehung zwischen Körper und Umgebung. Hanxiao Xus Videoarbeit „The Living Water“ entwirft mithilfe von Satire eine Gemeinschaft, die sich rund um die Wiederverwendung von Badewasser und spirituellem Überleben organisiert. Tina Lehnhardts Performance und Installation „Silverfish“ betrachtet das Badezimmer als ein Ökosystem, das Menschen mit anderen Organismen teilen.

Auch das Badezimmer selbst wird zum Ausgangspunkt für neue Erfahrungen. Xinliang Zhous „I’m Showering the Sound“ verwandelt Wasser, Bewegung und alltägliche Gegenstände in eine partizipative Klangumgebung. Philipp Hohnerlein und Gabriela Augustyniak wiederum imaginieren mit „Bathtube“ das Baden der Zukunft, in der die Ressourcen Wasser und Wärme knapp werden. Mithilfe beheizter Stahlrohre und zurückgewonnener Abwärme empfehlen sie einen Perspektivwechsel. Weg vom Baden als Wasserverbrauch hin zum Baden als geteilte Wärme.

Zirkularität im Zentrum

Gemeinsam zeigen die Arbeiten, dass Zirkularität weit über Materialeffizienz hinausgeht und ebenso Verhaltensweisen, Beziehungen, Rituale und Werte umfassen kann. Für Kaldewei eröffnen die experimentellen Perspektiven neue Sichtweisen auf ein Thema, das seit Langem fest in der eigenen Design- und Produktphilosophie verankert ist.

Immer wieder entwickelt Kaldewei neue Ansätze, den Lebenszyklus seiner Badprodukte noch weiter zu verlängern. Zuletzt zeigte das Unternehmen in einem Refurbishment-Projekt mit dem 25hours Hotel Bikini Berlin, wie bestehende Produkte aus Stahl-Emaille professionell aufgearbeitet und wieder in den Nutzungskreislauf eingebracht werden können, anstatt sie zu ersetzen. Kaldewei wurde dafür mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 ausgezeichnet.

„Behind Closed Doors“ verbindet Kaldeweis Erfahrungen im zirkulären Produktdesign mit den experimentellen Perspektiven der Studierenden und beleuchtet Kreislauffähigkeit aus industrieller und kultureller Sicht.
„Behind Closed Doors“ verbindet Kaldeweis Erfahrungen im zirkulären Produktdesign mit den experimentellen Perspektiven der Studierenden. – © kyle_knodell

Industrie trifft Design

Mit „Behind Closed Doors“ treffen nun Kaldeweis Erfahrungen im zirkulären Produktdesign auf die experimentellen Perspektiven der Studierenden. So ist ein Dialog entstanden, der Kreislauffähigkeit sowohl aus industrieller als auch aus kultureller Perspektive betrachtet. Die Ausstellung in Berlin wurde am 10. September mit einer Paneldiskussion im Kaldewei Brand Space eröffnet. Moderiert von Luca Marullo von Parasite 2.0 brachte das Gespräch Christian Büttner, Division Manager Innovation & Portfolio bei Kaldewei, und Isabelle Armani von Madaster mit Perspektiven der Design Academy Eindhoven zusammen.

Im Mittelpunkt standen unterschiedliche Ansätze zur Zirkularität, die Ideen hinter den ausgestellten Arbeiten und der gemeinsame Prozess, aus dem die Ausstellung hervorging. Im Anschluss waren Gäste aus Architektur, Design und Medien eingeladen, die Arbeiten zu entdecken und den kreativen Austausch fortzuführen.

Statt nach einer einheitlichen Definition von zirkulärem Design zu suchen, bringt „Behind Closed Doors“ etabliertes Wissen und industrielle Erfahrung mit den kritischen und teils provokanten Perspektiven aufstrebender Designer zusammen. Damit setzen Kaldewei und die Design Academy Eindhoven eine Partnerschaft fort, die vom offenen Austausch geprägt ist, Industrie und Designausbildung miteinander verbindet und Raum schafft, Konventionen zu hinterfragen und neue Ansätze für Zirkularität zu entwickeln.

Teil von Currents.Design

„Behind Closed Doors: The Culture of Circularity“ ist Teil der Berlin Art Week und des Festivals Currents.Design. Im Kaldewei Brand Space Berlin präsentieren die Studierenden ihre Exponate noch bis zum 18. September.

Termin

Veranstaltungsort:
Kaldewei Brand Space Berlin, Savignyplatz, Stadtbahnbogen 590, 10623 Berlin

Öffnungszeiten:
Mo.–Fr.: 11 –19 Uhr
Sa.–So: 11–16 Uhr

www.kaldewei.de

Behind Closed Doors: The Culture of Circularity“ ist Teil der Berlin Art Week und von Currents.Design. Das Festival schafft Raum für den Austausch zwischen Designern, Studios, Galerien, Marken und Institutionen.
Behind Closed Doors: The Culture of Circularity“ ist Teil der Berlin Art Week und von Currents.Design. Das Festival schafft Raum für den Austausch zwischen Designern, Studios, Galerien, Marken und Institutionen. – © kyle_knodell