E-Handwerk: Geschäftsklima fällt auf 15‑Jahres‑Tief

Das Elektrohandwerk ist in Sorge: Die Stimmung rutscht im Frühjahr 2026 weiter ab, denn die ZVEH-Frühjahrskonjunkturumfrage zeigt weitere Verschlechterungen gegenüber Herbst vorigen Jahres. Auftragspolster schmelzen ab und die Elektro-Betriebe blicken pessimistischer in die Zukunft.

Elektronikern vor Hauptverteilung
Geschäftslage in den Elektrohandwerken im Frühjahr 2026: Weniger Aufträge im Bereich erneuerbare Energien, weniger offene Stellen und die Betrieb blicken pessimistisch auf das weitere Geschäftsjahr. – © ArGe Medien im ZVEH
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Mehr Informationen – E-Show hören: Alexander Neuhäuser vom ZVEH spricht mit Sascha Brakmüller von watts up und Moderator Max über das Geschäftsklima Elektrohandwerk. Zur Sendung. – © Holzmann Medien

Auch der Geschäftsklimaindex bei den E-Handwerkern sank nochmals – von 68,8 Punkten im Herbst 2025 auf nun 65,6. Auch wenn aktuell kein massiver Einbruch, sondern eine stetige Verschlechterung zu beobachten ist: Der Geschäftsklimaindex zeigt den tiefsten Stand einer regulären ZVEH-Konjunkturerhebung seit über 15 Jahren.

„Der konjunkturelle Abwärtstrend bei unseren Innungsbetrieben hat sich leider verstetigt, da wichtige Impulse ausbleiben“, sagt Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), über die Ergebnisse der aktuellen Frühjahrsumfrage. Sie zeigt, dass die allgemeine Wirtschaftskrise in Deutschland sich weiterhin auf das größte Ausbau- und Klimahandwerk auswirkt.

Weitere Rückgänge in bisherigem Wachstumsfeld erneuerbare Energien

Zwei Gründe für die Verschlechterung fast aller Konjunkturindikatoren sei, so der Verband, dass der Neubau-Bereich sich nur langsam erholt und dass das Geschäftsfeld der Erneuerbaren Energien schwächelt. Das biete Anlass zu Sorge:

„Wer Wirtschaft und Energiewende gegeneinander ausspielt, hat nicht verstanden, dass die Energiewende ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist“, kritisiert der ZVEH-Hauptgeschäftsführer den aktuellen Kurs der Bundesregierung: „Ob es um den Aufbau Erneuerbarer Energien geht, um den Umstieg auf Elektromobilität oder um ein unmissverständliches Bekenntnis zu einem CO2-Preis statt Klein-Klein, Regulierung und Verboten – die Bundesregierung bleibt eine klare Handschrift in der Energiepolitik weiter schuldig und verunsichert damit Investoren in für die E-Handwerke wichtigen Geschäftsfeldern.“

Geschäftsklimaindex sinkt

Die unter 1.641 e-handwerklichen Betrieben durchgeführte Umfrage macht deutlich: Die aktuelle Geschäftslage wird etwas schlechter beurteilt als noch im Herbst 2025. Gaben damals noch 47,5 Prozent der Umfrageteilnehmer an, die Geschäftslage sei gut, sind es jetzt nur noch 44,9 Prozent. Gleichzeitig bewerten nun 13,7 Prozent ihre Situation als schlecht (Herbst 2025: 10,0 %). Der Geschäftsklimaindex verdeutlicht diesen Stimmungsabschwung: Er sank von 68,8 Punkten im Herbst 2025 auf 65,6 Punkte. „Das ist, wenn man die Frühphase der Corona-Krise außer Acht lässt, der niedrigste Wert seit 2010“, so Alexander Neuhäuser: „Für die E-Handwerke als Zukunftsbranche ist das ein Alarmsignal.“

Balkendiagramm Konjunkturindikatoren E-Handwerke 09/2024 bis 02/2026
Konjunkturindikatoren Elektrohandwerk im Februar 2026 im Vergleich zu den Vorjahren: Die Stimmung sinkt auf einen Tiefpunkt. – © ZVEH

Elektrohandwerk: Auf lange Sicht weniger Aufträge

Auch die Auftragspolster schmelzen langsam ab. Die Spreizung zwischen Betrieben mit weiterhin hohem und niedrigem Vorlauf nimmt zu. So verfügen aktuell 13,7 Prozent der Umfrageteilnehmer über Aufträge von bis zu 14 Tagen (Herbst 2025: 11,9 %) und 21,3 Prozent über einen Auftragsvorlauf von zwei bis vier Wochen (Herbst 2025: 18,7 %). Eine Erklärung für die mehrheitlichen Rückgänge bei den Auftragsvorläufen könnte sein, dass die Nachfrage in wichtigen Segmenten abgenommen hat. So sind die Umsatzanteile in den Geschäftsfeldern Neubau, Sanierung und Erneuerbare Energien erneut gesunken.

Weniger offene Stellen, weniger Beschäftigte

Die zunehmende Unsicherheit in den Betrieben schlägt sich auch auf die Zahl der offenen Stellen nieder. Das sei ebenfalls ein wichtiger Konjunkturindikator so der ZVEH. Wie schon im Herbst, als 46,5 Prozent der Befragten offene Stellen vermeldeten, liegt die Einstellungsbereitschaft trotz absehbar anhaltend hohen Fachkräftebedarfs mit 46 Prozent erneut unter der 50-Prozent-Marke. Gleichzeitig weisen die Zahlen auf eine negative Beschäftigungsentwicklung hin.

Betriebe blicken skeptisch in die Zukunft

Was die Einschätzung der zukünftigen Wirtschaftslage angeht, zeigen sich die Umfrageteilnehmenden ebenfalls zurückhaltender. Zwar erwarten 17,1 Prozent der Betriebe in den nächsten sechs Monaten eine Verbesserung der Geschäftslage. Gleichzeitig geht jedoch ein noch höherer Anteil der Betriebe – 22,2 Prozent – von einer Verschlechterung der Geschäftslage aus.

ZVEH-Hauptgeschäftsführer Alexander Neuhäuser appelliert angesichts der Entwicklung an die Bundesregierung: „Wenn unser Land seine Klimaziele erreichen, wettbewerbsfähig bleiben und Herausforderungen wie Energiewende und Digitalisierung stemmen will, muss politisch entschieden gegengesteuert werden: Wir brauchen endlich klare energie- und klimapolitische Leitplanken, damit Wirtschaft und Verbraucher planen können.“

2 Tortendiagramme zur gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftslage E-Handwerke
ZVEH-Konjunkturumfrage Frühjahr 2026: 1.641 Betriebe beurteilten ihre Geschäftslage. – © ZVEH

www.zveh.de