Mehr als 5.000 Sonnenhäuser sind auf Initiative des Vereins in Deutschland entstanden. Das Sonnenhaus-Institut e.V. (SHI) bekam jetzt für seine 20 Jahre Engagement für klimaschonendes Bauen und Wohnen Anerkennung. Sie kam von Habecks Ministerium und Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger.


Ein Sonnenhaus ist ein Gebäude, in dem mindestens 50 % der Energie für Heizung und Warmwasser die Kraft der Sonne deckt. Das klassische Sonnenhaus auf der Basis von Solarthermie, Pufferspeicher und holzbefeuerter Restheizung hat seit 2004 viele Anhänger gefunden. Ein knappes Jahrzehnt später folgte die Entwicklung des Sonnenhauses mit PV-Strom und Wärmepumpe.
Bei den vom Verein geschätzten 5.000 Sonnenhäusern in Deutschland wird neben der Solarnutzung, ein hoher ein hoher Grad an Eigenversorgung bei Haushaltsstrom und E-Mobilität angestrebt. Das damit erreichte Maß an Autarkie steht im Mittelpunkt des SHI und seiner Konzepte. Laut des Vereins trägt das Sonnenhaus-Konzept viel zur Energie- und Wärmewende bei. Es könne im Gegensatz zu Stromdirektheizungen ohne relevante Speicher durch eine hohe Netzdienlichkeit überzeugen.
Jahreshauptversammlung mit Rückblick
Bei seiner Jahreshauptversammlung blickte der Verein auf seine Ursprünge und Anfangsjahre zurück. Sie waren voller Engagement und Aufbruchsstimmung für eine Energiewende mit Hilfe der Sonnenenergie und der boomenden Solarthermie-Technik.
Rainer Körner, Bauunternehmer aus Heilbronn, seit einigen Jahren 2. Vorsitzender des Vereins, war ab 2012 maßgeblich daran beteiligt, die dynamische Marktentwicklung von Photovoltaik und Wärmepumpen aufzugreifen. Sie wurden für ein Alternativkonzept des Sonnenhauses genutzt. In Anbetracht des aktuellen Gebäudeenergiegesetzes, erscheint das Konzept wie ein weitsichtiger Vorgriff auf das, was heute vom Gesetzgeber gefordert und gefördert. Das betrifft den Einsatz von Wärmepumpentechnik, hoher regenerativer Anteil und die Speicherfähigkeit.
Vorreiter Sonnenhaus-Institut
Das Sonnenhaus-Institut sieht sich mit seinen Konzepten als inhaltlicher Vorreiter für eine nachhaltige Energiewende im Gebäudebereich. Es betont, „weitgehend im Schatten mächtiger Lobbyverbände“ geblieben zu sein und idealistisch ausgerichtet zu sein. Der Verein wird durch ehrenamtliche Tätigkeit getragen. Er will sich auch jetzt nicht beirren lassen: „Wir können stolz sein auf unsere Arbeit“, so Körner vor der Mitgliederversammlung. Gründungsmitglied Thomas Hartmann, vom Unternehmen Hartmann Energietechnik, setzte hinzu: „Wir bleiben Überzeugungstäter!“.
Anerkennung von Bund und Bayern
Erstmals in der Vereinsgeschichte erhielt das Sonnenhaus Institut Anerkennung von oberster Ebene. Staatssekretär und Bundestagsabgeordneter Stefan Wenzel vom Wirtschaftsministerium schreibt im Grußwort zum 20jährigen Bestehen des Vereins: „Mit dem Sonnenhaus verwandelt sich jedes Eigenheim in eine flexible Energieinsel, die künftigen Entwicklungen voraus ist….Das Sonnenhaus gehört zu den Leuchtturmprojekten, die den Weg für einen klimaneutralen Gebäudebestand im Jahr 2045 ebnen.“
Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger attestiert dem Sonnenhaus-Institut: „Mit Ihrer sektorenübergreifenden Herangehensweise leisten Sie…einen innovativen und bedeutenden Beitrag zur Transformation unserer Energieversorgung in den Bereichen Wärme, Strom und Mobilität“.
Blick in die Zukunft
Auf solchen Lorbeeren will und kann sich der Verein aber nicht ausruhen. Körner fordert dazu auf, sich konstruktiv mit neuen Möglichkeiten auseinander zu setzen: „Wir sind damals mit der Wärmepumpe einen neuen Weg für das Sonnenhaus gegangen und haben jetzt für jeden Haustyp und Verbraucher eine Lösung anzubieten.“ Nun laute der Anspruch, eigene Positionen wie auch neue Trends einmal mehr kritisch zu hinterfragen: „Wo geht’s hin?“
In Zeiten des chronischen Fachkräftemangels im SHK-Handwerk wären kostengünstige Alternativen zu teuren und komplexen hydraulischen Anlagen also gefragt. Die gestiegenen Kosten für die Technik von Sonnenhäusern sieht er mit Besorgnis, auch wenn dieser Trend keineswegs auf Sonnenhäuser begrenzt ist, sondern quer über alle Heizungsarten und Baugewerke geht. Faktisch führe das dazu, dass der Wohnungsbau allgemein und der Zuwachs an Sonnenhäusern extrem leide.
Technologieoffen bleiben
Architekt Georg Dasch, Vereinsvorsitzender seit 2004, setzt sich dafür ein, dass der Verein technologieoffen bleibt. Dasch (dw-architekten.de) hofft mit Inverter-Klimasplitgeräten auf einen möglichen Ausweg. Sie arbeiten mit Wärmepumpen-Technik und erreichen für die Raumheizung Jahresarbeitszahlen bis 4. Der niedrige Anschaffungspreis und der Wegfall einer aufwendigen hydraulischen Wärmeverteilung sorgt überschlägig für ein Drittelung der Investitionskosten, so Dasch.
Kern des Sonnenhaus-Institut soll die Speicherbarkeit und Bevorratung von Energie aus Zeiten des solaren Überangebots für Zeiten des solaren Energiemangels bleiben. Ziel ist weiterhin, dass Häuser ihren Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser zu mindestens 50% mit lokal erzeugter Solarenergie abdecken, und damit nicht nur ihren CO2-Fußabdruck verringern, sondern auch nachhaltig die Betriebskosten des Gebäudes reduzieren.
Zum Sonnenhaus-Erklärvideo (youtube).